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Hochtief-Chef muss gehen - Leighton rechnet mit drastischem Verlust (Zus)

ESSEN (awp international) - Führungswechsel, Gewinnwarnung, Kursabsturz: Beim Essener Baukonzern Hochtief überschlagen sich die Ereignisse. Mitten im Abwehrkampf gegen eine Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS nimmt der bisherige Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter seinen Hut. Sein Nachfolger wird Frank Stieler, der seit 2009 das Hochtief-Europageschäft verantwortet und als ACS-Wunschkandidat gilt. Zudem muss die im MDax notierte Gesellschaft wegen eines kräftigen Verlusts bei ihrer australischen Tochter Leighton das Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr drastisch senken. Als Reaktion stürzte die Aktie bis zum Mittag um 8,41 Prozent auf 62,98 Euro ab.
Lange hatte Lütkestratkötter für die Unabhängigkeit des Essener Unternehmens gekämpft. Zuletzt verhandelte er eigenen Angaben zufolge mit dem Grossaktionär ACS über einen Vertrag, in dem genau das Miteinander beider Unternehmen geregelt werden soll. Nun verlässt er mit Ablauf der ordentlichen Hauptversammlung am 12. Mai das Unternehmen. Er erhalte eine Abfindung von 4,08 Millionen Euro, sagte Lütkestratkötter in einer Telefonkonferenz am Montag. Die Vereinbarung orientiere sich an einer Klausel, die Mitgliedern des Hochtief-Vorstands bei einem Kontrollwechsel innerhalb von sechs Monaten das Ausscheiden ermöglicht. Vorgesehen ist eine Abfindung von zweieinhalb Jahresbezügen.
STIELER GILT ALS ACS-WUNSCHKANDIDAT
Der designierte Hochtief-Chef Frank Stieler gilt laut Aufsichtsratskreisen als Wunschkandidat der Spanier. ACS habe mit ihm zuvor ein persönliches Gespräch geführt. Dementsprechend euphorisch fiel die ACS-Reaktion aus Madrid aus: "Mit Frank Stieler hat der Aufsichtsrat eine hervorragende Wahl für die künftige Führung von Hochtief getroffen, und wir begrüssen diese Entscheidung. Seine Ernennung garantiert einen nahtlosen Übergang." Stieler habe die ?volle Unterstützung und unser volles Vertrauen?. Der ehemalige Siemens-Manager ist bereits seit März 2009 im Hochtief-Vorstand und verantwortet das Europa-Geschäft.
Zum Führungswechsel dürften auch die aktuell schlechten Geschäfte der australischen Tochter Leighton beigetragen haben. Hochtief rechnet aufgrund der Problem in Australien damit, dass sich der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr etwa halbiert. Der genaue Wert sei vom Ergebnis und Umfang der geplanten Anteilsveräusserung der Infrastrukturtochter Concessions abhängig. Im vergangenen Jahr hatte Hochtief mit 756,5 Millionen Euro einen neuen Rekord beim Vorsteuergewinn erzielt.
Die neue Hochtief-Prognose erscheine plausibel, vorausgesetzt die Anteile an der Infrastruktur-Tochter Concessions werden komplett veräussert, schrieb Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow. Branchenkenner rechnen mit einem Verkaufserlös für die Infrastrukturtochter bis zu einer Milliarde Euro.
LEIGHTON PLANT KAPITALERHÖHUNG
Die australische Tochter kämpft unter anderem mit Verspätungen und Kostenexplosionen beim Bau einer Entsalzungsanlage in Melbourne. Ausserdem wurde ein Grossprojekt am Flughafen in Brisbane von der Flutkatastrophe zurückgeworfen. Für das bis Juni laufende Geschäftsjahr rechnet Leighton mit einem Verlust von umgerechnet 312 Millionen Euro statt dem bislang erwarteten Gewinn von 350 Millionen Euro.
"Es ist zwar sehr frustrierend, dass wir mit den finanziellen Folgen zu kämpfen haben. Trotzdem ist Leighton jetzt gut darauf vorbereitet, zu normalem Wachstum und Gewinn im Geschäftsjahr 2011/12 und danach zurückzukehren", sagte Leighton-Chef David Stewart. Für das nächste Geschäftsjahr stellte er einen Gewinn von 600 bis 650 Millionen australische Dollar in Aussicht.
Die Leighton-Aktie wurde am Donnerstag vom Handel ausgesetzt, nachdem Spekulationen über eine Kapitalerhöhung die Runde gemacht hatten. Leighton bestätigte nun, man wolle 757 Millionen australische Dollar an frischem Kapital einsammeln. Dies verwässert die Anteile der bisherigen Leighton-Eigner - ein Schritt, der deshalb in aller Regel dem Kurs schadet. Bereits in der vergangenen Woche, als die Leighton-Aktie ausgesetzt wurde, hatte das Hochtief-Papier mehr als 9 Prozent verloren.
Leighton - bislang hochprofitabel - gilt als besonders verlockend für den spanischen Grossaktionär ACS. Dieser hatte seinen Anteil an Hochtief gegen den Willen des Essener Managements in den vergangenen Monaten massiv aufgestockt. Nach eigenen Angaben hält ACS aktuell 41 Prozent an Hochtief./uta/mne/mda/wiz

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