Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

IKRK informierte die USA bereits vor Monaten

Irakischer Kriegsgefangener in Bagdad, mit Stromkabeln an den Händen.

(Keystone)

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wusste um die Misshandlungen im Bagdader Gefängnis. Es hatte die US-Behörden entsprechend informiert und Korrekturen gefordert.

Um seine Neutralität zu wahren, veröffentlicht das IKRK seine Beobachtungen aber grundsätzlich nicht.

Die US-Regierung wusste nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) schon vor Monaten über die Misshandlung irakischer Häftlinge Bescheid.

"Wir wussten, was dort passierte. Auf Grund unserer Erkenntnisse haben wir die US-Behörden mehrfach aufgefordert, Korrekturen einzuleiten", sagte IKRK-Sprecherin Nada Doumani in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Seit Tagen beschäftigen die Misshandlungen von irakischen Gefangenen im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib die Weltöffentlichkeit. Medien hatten jüngst Fotos veröffentlicht, die zeigten, wie amerikanisches Wachpersonal nackte Häftlinge misshandelte und sexuell missbrauchte.

Wiederholte Aufforderungen an die USA

"Im Fall von Abu Ghraib hatte das IKRK freien Zugang zu allen Gefangenen in allen Teilen des Gebäudes, seit es von den Amerikanern benutzt wird", sagt IKRK-Sprecherin Antonella Notari gegenüber swissinfo.

"Das IKRK befragt die Gefangenen und inspiziert das Gefängnis", so Notari. Das IKRK spricht dabei allein mit den Gefangenen. "Wiederholt sind die US-Behörden aufgefordert worden, die Missstände zu korrigieren", bekräftigte auch Nada Doumani.

Fotos zeigen nicht alles

Nach einem längeren Besuch des Gefängnisses im Oktober sei ein umfassender Bericht an die amerikanischen Behörden gegangen. Laut Notari nahmen die USA die Berichte des IKRK ernst und leiteten auch Abklärungen ein.

Gegenüber der französischen Zeitung "Le Monde" vom Donnerstag sagte die IKRK-Sprecherin, dass die in die Öffentlichkeit gelangten Fotos nicht das ganze Ausmass der Übergriffe zeigten. Das IKRK wisse seit langem, dass sich in dem Gefängnis "schlimmere Sachen als auf den Fotos" abspielten.

Weshalb sagte das IKRK nichts?

Das IKRK besucht die Häftlinge in Irak regelmässig, macht aber darüber keine öffentlichen Berichte. "Wir machen solche Situationen nie publik", sagt Notari gegenüber swissinfo.

"Das IKRK ist in über 70 Ländern engagiert und wir besuchen über 460'000 Gefangene. Würden wir alles veröffentlichen, was uns die Gefangenen berichten und was wir dort sehen, würden wir nirgends mehr Zutritt erhalten", meint Notari.

Das in der Schweiz ansässige IKRK ist durch die Genfer Konventionen mandatiert, Kriegs- und andere Gefangene von Besatzungsmächten zu besuchen. Um ihre Neutralität zu wahren, veröffentlicht die Organisation ihre Beobachtungen aber grundsätzlich nicht.

Laut Notari hat das IKRK Zugang zu den Behörden auf allen Stufen. Es liege am IKRK, zu entscheiden, auf welcher Ebene es einschreiten wolle. Im internationalen Völkerrecht ist das exakte Vorgehen nicht genau festgelegt.

Die Schweiz ist Depositärstaat der Genfer Konventionen. Beim Land liegt deshalb die Verantwortung für die Konvention selber – die Anwendung jedoch liegt in den Händen des IKRK.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Misshandlung irakischer Kriegsgefangener hält die Weltöffentlichkeit seit Tagen in Atem.

Das humanitäre Völkerrecht verbietet jede Form von Folter oder Tortur von Kriegsgefangenen.

Alle Staaten der Dritten Genfer Konvention sind verpflichtet, ihre Kriegsgefangenen human zu behandeln.

Sie dürfen weder eingeschüchtert noch gewalttätig behandelt werden und sind vor öffentlichen Anfeindungen und Neugier abzuschirmen.

Sie haben Anrecht auf die Respektierung ihrer Person und ihrer Würde.

Infobox Ende

Fakten

Das IKRK wurde 1863 von Henri Dunant gegründet.

Das IKRK ist - durch die Genfer Konventionen - beauftragt, Gefangene von Besatzungsmächten zu besuchen.

Die Schweiz ist Depositärstaat der Genfer Konvention, der Basis des humanitären Völkerrechts.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.