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IKRK-Rückzug aus Bagdad und Basra

Das IKRK-Hauptquartier in Bagdad, Ziel des Anschlags vom 27. Oktober.

(Keystone)

Wegen der angespannten Sicherheitslage in Irak wird das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seine Büros in Bagdad und in Basra vorübergehend schliessen.

Das IKRK bleibe aber im Nordirak präsent, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger dem Zürcher "Tages-Anzeiger".

Der Rückzug aus Südirak sei die Konsequenz aus dem Anschlag auf die IKRK-Zentrale in der irakischen Haupstadt am 27. Oktober, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger in der Samstags-Ausgabe des Zürcher "Tages-Anzeigers".

Bei mehreren Anschlägen waren am 27. Oktober über 40 Menschen getötet worden, darunter zwei IKRK-Mitarbeiter. Es war laut Kellenberger das dritte Mal in diesem Jahr, dass IKRK-Mitarbeiter in Irak ihr Leben verloren.

"Für unser Personal, das teils seit langem in diesem Land humanitär tätig ist, war das ein Schock", sagte Kellenberger weiter. Es sei schmerzlich, dass die humanitäre Organisation für eine Gruppe von Leuten ein Angriffsziel geworden sei.

Immer wieder in der Schusslinie

Der Anschlag vom 27. Oktober war das erste Mal in der 140-jährigen Geschichte der neutralen Organisation, dass sie zum Ziel eines Selbstmord-Anschlags wurde; die Bombe steckte in einem Krankenwagen.

Allerdings hatte sich die Sicherheitslage für IKRK-Delegationen in mehreren Regionen der Welt in den letzten Jahren bereits drastisch verschlechtert. So wurden 1996 in Tschetschenien sechs IKRK-Mitarbeiter kaltblütig ermordet.

"Wir kamen zum Schluss, dass wir unsere Büros in Bagdad und Basra wegen der aktuellen Bedrohungslage vorerst nicht länger offen halten können", erklärte IKRK-Sprecherin Antonella Notari am Samstag gegenüber swissinfo. "Wir müssen sie, zumindest vorübergehend, schliessen."

Kein militärischer Schutz

IKRK-Präsident Kellenberger erklärte in dem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" weiter, nun müsse überdacht werden, wie der Auftrag der Organisation noch erfüllt werden könne und gleichzeitig die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschützt werden können. "Wir müssen in den nächsten Wochen unseren Modus Operandi, die Art und Weise unseres Einsatzes, neu definieren."

Die Strategie nach dem Anschlag vom 27. Oktober sehe einen Verzicht auf eine Militarisierung des Einsatzes vor. Denn militärischer Schutz sei nicht vereinbar mit dem Verständnis der unabhängigen humanitären Aktion, sagte Kellenberger.

"Das IKRK lässt sich im Übrigen von keiner Macht der Welt vereinnahmen. Es ist allein den Opfern von bewaffneten Konflikten und inneren Spannungen verpflichtet." Das IKRK müsse als unabhängige humanitäre Organisation wahrgenommen und akzeptiert werden, unterstrich der IKRK-Präsident.

Gefangenbesuche und Nothilfe

Die künftige Tätigkeit konzentriert sich laut Kellenberger auf Gefangenenbesuche, die Herstellung von Familienkontakten und humanitäre Nothilfe in den Bereichen Wasser und Medizin.

Für das IKRK waren bis zum Anschlag Ende Oktober rund 30 ausländische Mitarbeiter sowie mehr als 600 Iraker in dem Land tätig. Zwei Tage nach dem Anschlag gegen das Hauptquartier in Bagdad hatte die Organisation in einem ersten Schritt schon ihr internationales Personal in Irak reduziert.

Grössere Büros unterhielt das IKRK neben Bagdad und Basra auch im nordirakischen Erbil.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat seinen Hauptsitz in Genf.

Zu den Hauptaufgaben der neutralen Menschenrechts-Organisation gehören der Schutz und die Versorgung von Opfern von Krieg und Gewalt sowie Besuch und Registrierung von Kriegsgefangenen.

Grundlage der Aktivitäten der humanitären Organisation sind die Genfer Konventionen, in der die Grundregeln festgehalten werden, die auch in Zeiten von Krieg und Besetzung gelten - und die auch den Schutz der Zivilbevölkerung beinhalten.

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Fakten

IKRK seit 1980 in Irak tätig
Bislang 30 ausländische Delegierte (rund ein Dutzend davon in Bagdad) sowie 600 lokale IKRK-Angestellte in Irak
19. März bis 30. April: Rund 13'000 Iraker getötet, unter ihnen 4300 Zivilisten

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