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Im Neonzug durch die Nacht

Ausstellung "Reisenbahnen": Eugen Jordi, Perron 7, 1967. (Bild: Kunstmuseum Olten)

Die moderne Schweizer Kunst und die Eisenbahnen haben eine gemeinsame Schiene. Auf dieser fährt die Ausstellung "Reisenbahnen" im Kunstmuseum Olten.

Anlass ist die 150-jährige Eisenbahngeschichte der Stadt Olten, der das Historische Museum und das Stadthaus Olten Sonderausstellungen widmen.

Das Kunstmuseum ist "aus Solidarität" auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Eine Pflichtübung also?

Mitnichten. Was die Museumsleiterin Patricia Nussbaum zusammengetragen hat, überrascht eins ums andere Mal und lohnt einen Besuch ­ für Kunstinteressierte ebenso wie für Eisenbahnfans.

Zu sehen sind auf drei Stockwerken Arbeiten von 40 Künstlerinnen und Künstlern von 1850 bis heute: Das Spektrum reicht von der klassischen Malerei über die Zeichnung und Grafik bis hin zur Fotografie, Objektkunst und Videoinstallation.

Und wie sich das für eine Ausstellung zum Thema Eisenbahnen gehört, locken nicht nur Kunstwerke, sondern auch Geräusche in die verschiedenen Räume.

Patricia Nussbaum hat die Werke thematisch gehängt, bringt aber auch immer wieder gänzlich Verschiedenes zusammen.

Den Auftakt machen etwa Martin Ziegelmüllers Gemälde "Olten" (1984) und eine ebenso poetische wie witzige Arbeit von Christian Rothacher: "Paris Est ­ départ 19.22 h" (2006) ist eine mit bearbeiteter Folie überklebte Neonröhre, ein pfeilschneller Zug, der durch die Nacht flitzt.

Lokomotive gegen Autobusse

Entdeckungen sind viele zu machen. Durch Aleksandra Signers Video-Installation "A Zug" (2006) rollt ein Güterzug. Man hört ihn von weitem, er rattert vorbei und verschwindet, bevor er erneut im Anzug ist.

In Eric Hattans kurzem Video "Rail-Road" (2003) kämpft sich eine verzweifelt hupende Lokomotive über eine stark befahrene Strasse.

Und als Ergänzung zu diesen zeitgenössischen Positionen zeigt Nussbaum etwa Ernst Morgenthalers berührendes kleines Abschiedsbild "Adieu Arlette" (1940).

Reminiszenz an dritte Klasse

Überhaupt: Die klassischen Medien sind in dieser vielfältigen Ausstellung stark vertreten. Zu erwähnen sind etwa die 18 seismographischen Zeichnungen "Paris-Bâle" (2001) von Ruth Berger, eine Konzeptarbeit, die auf aussergewöhnliche Art das "erschütternde Erlebnis" einer fünfstündigen Zugsfahrt sichtbar macht.

Oder die schlicht hervorragenden Bilder von Eugen Jordi (1894-1983), die den Blick öffnen in ein "Eisenbahnabteil, 2. Klasse" (1974) oder in einen "Drittklassewagen" (1945/50).

swissinfo und Karl Wüst, sda

Fakten

Die Ausstellung "Reisenbahnen" im Kunstmuseum Olten dauert bis am 9. Juli.
Öffnungszeiten: Di/Mi/Fr 14-17, Do 14-19, Sa/So 11-17 Uhr.
Die Ausstellung "150 Jahre Eisenbahn in Olten" im Historischen Museum dauert bis 17. Dezember.
Die Ausstellung "Eisenbahnstadt Olten ­ Fotoreportage von Franz Gloor" im Stadthaus ist bis 11. Juni geöffnet.

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