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Immer mehr Staatschefs nutzen Twitter



Auf dem Weg ins Weisse Haus bedient US-Präsident Barack Obama sein "Blackberry" – hier in Begleitung seiner ehemaligen Beraterin Valerie Jarrett.

Auf dem Weg ins Weisse Haus bedient US-Präsident Barack Obama sein "Blackberry" – hier in Begleitung seiner ehemaligen Beraterin Valerie Jarrett.

(Keystone)

Soziale Medien wie der Mikroblogging-Dienst Twitter, die bei der Revolution in Tunesien und dem Volksaufstand in Ägypten eine wichtige Rolle spielten, werden zunehmend auch von Regierungen genutzt.

Im Zentrum der Lift-Konferenz, die seit 2006 einmal im Jahr in Genf stattfindet, stehen die Entwicklungen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. An der sechsten Ausgabe der Konferenz diese Woche wurde über soziale Medien vor allem im Licht der aktuellen Massenproteste in der arabischen Welt debattiert.

Einer der Redner, der Schweizer Experte Matthias Lüfkens, legte den Akzent darauf, dass weltweit immer mehr Regierungen Twitter nutzten. Wie sich bei der Revolution in Tunesien zeigte, ist der Kurznachrichtendienst Twitter das wirksamste soziale Netzwerk um in Echtzeit über Ereignisse zu berichten oder diese gar zu beeinflussen.

Der ehemalige Journalist Lüfkens ist der Social-Media-Verantwortliche

beim World Economic Forum (WEF), welches das Forum von Davos organisiert.

swissinfo.ch: Wie gehen Regierungen mit Twitter um?

Matthias Lüfkens: Aktuell nutzen weltweit etwa 60 Regierungen dieses soziale Netzwerk über Twitter-Konten von Staats- oder Regierungschefs. In der Schweiz hat allerdings bisher noch kein Mitglied des Bundesrates (Schweizer Regierung) ein Twitter-Konto eröffnet.

Um den wachsenden Trend zu untersuchen, habe ich mich vertieft mit den Ländern befasst, die zur G-20 gehören. Dreizehn darunter haben den Nutzen von Twitter für ihre Kommunikation erkannt.

Barack Obama hatte das soziale Netzwerk schon während seiner Präsidentschafts-Wahlkampagne eingesetzt; heute lesen rund sechs Millionen Menschen regelmässig seine Nachrichten auf Twitter. Und der russische Präsident Dmitri Medwedew ist seit Juni letzten Jahres mit einem russischen und einem englischen Konto auf Twitter zu finden.

Zu den jüngst, nämlich erst letzte Woche, eröffneten Präsidenten-Konten gehört jenes von Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident oder sein Team haben begriffen, dass dieses Werkzeug nicht nur unerlässlich ist in Bezug auf die Kommunikation, sondern auch, um mit seinen Kollegen in der G-20 in Kontakt zu bleiben.

Wie alle Nutzerinnen und Nutzer des Netzwerks – ungefähr 200 Millionen weltweit – können die Staatschefs sich auch Mitteilungen schicken, auf die der Rest der Nutzer keinen Zugriff hat.

swissinfo.ch: Sind die Staats- und Regierungschefs der westlichen Staaten eigentliche Vorreiter bei der Nutzung dieses Instruments zur raschen Sofort-Kommunikation?

M.L.: Wenn man die Skala nach Kontinenten betrachtet, zählen die Staats- und Regierungschefs in Nord- und Südamerika zu den aktivsten und erfahrensten auf Twitter. Dabei greifen sowohl Dilma Rousseff, die Präsidentin Brasiliens, ihre Amtskollegin Cristina Kirchner in Argentinien oder Chiles Präsident Sebastian Piñera bei der Konversation via Twitter zu einem sehr persönlichen Ton.

Dies gilt auch für den Staatschef Venezuelas, Hugo Chavez, der oft auf Einträge seiner "Follower", rund einer Million Menschen, antwortet. Auch wenn es wie bei anderen Staatschefs vielleicht nicht wirklich Chavez in Person ist, der antwortet, ist es jemand, der dem Präsidenten sehr nahe steht, damit dessen Persönlichkeit bei den Einträgen durchscheint. Das gilt für alle präsidialen Teams, die dieses Instrument nutzen.

swissinfo.ch: Dieses neue Internet-Medium verstärkt also die bereits bestehende Personalisierung der Regierungstätigkeit?

M.L.: Absolut. Sie ist sogar ein Muss, damit die Konten dieser hohen Verantwortungsträger von möglichst vielen Leuten verfolgt  und die Botschaften auch gehört werden.

swissinfo.ch: Sind diese Medien-Instrumente denn nicht eher ein exzellenter Kanal für Demagogen, als dass sie dazu beitragen, die Demokratie zu unterstützen?

M. L.: Dieses Risiko besteht. Die sozialen Netzwerke, vor allem Facebook und Twitter, erlauben es Regierungen auch, den Beginn oder das Wachsen einer Protestbewegung zu orten. Zudem haben auch Polizeibehörden diese sozialen Netzwerke sehr genau im Blick.

Vor allem aber führen die sozialen Netzwerke zu mehr Transparenz zwischen Regierungen und ihren Bürgerinnen und Bürgern. Dank dieser neuen Medien hat die Bevölkerung einen Kanal, über den sie direkt und öffentlich die Regierenden ansprechen können.

Das gilt übrigens für alle Institutionen. Das haben die grossen Marken-Unternehmen und traditionellen Medien schon gut begriffen.

Lift-Konferenz

Die Lift-Konferenz im Internationalen Konferenzzentrum Genf dauert vom 2. bis 4. Februar 2011.

Die sechste Lift-Ausgabe steht unter dem Titel "Was kann die Zukunft für Sie tun?"

Mehr als 40 Referentinnen und Referenten äussern sich im Dialog mit rund 1000 Personen.

Zu den Diskussionsthemen gehören:

 "Wie kann man sein Privatleben zurückgewinnen, indem man es auf dem Netz zur Schau stellt?" vom Mediakünstler Hasan Elahi.

 "Der Kampf Google gegen Facebook" von David Galbraith, Architekt und Unternehmer.

 "Die Neuerfindung der Grenzen unter dem Impuls des Webs" von Ben Hammersley, Journalist und Technologe.

Zur Sprache kommen auch Fragen zu neuen Modellen für Innovation, Business und Finanzierung, die Reorganisation von Arbeitsplätzen und sozialen Organisationen oder nicht-sichtbaren Gemeinschaften.

Infobox Ende


(Übertragung aus dem Französischen: Rita Emch), swissinfo.ch


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