Navigation

Impulse für Forschungs-Kooperation mit Israel

Das Weizmann Institute of Science bei Tel Aviv arbeitet bereits mit Schweizer Wissenschaftern zusammen. Weizmann Institute

Bundesrat Pascal Couchepin will während seines Besuchs in Israel die Forschungs-Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern stärken.

Dieser Inhalt wurde am 13. September 2005 - 11:00 publiziert

Es gibt jedoch auch Befürchtungen, dass die Reise des Innenministers die Schweizer Standpunkte in der Nahostpolitik aufweichen könnte.

Bundesrat Pascal Couchepin hofft, während seiner viertägigen Visite in Israel eine Absichtserklärung zu unterzeichnen. Bisher fehlt zwischen der Schweiz und Israel eine formelle Vereinbarung im Forschungsbereich.

"Es handelt sich nicht um einen Vertrag, sondern vielmehr um eine Art 'Road Map' für eine künftige Zusammenarbeit", sagt Claudio Fischer, Leiter des Ressorts bilaterale Forschungszusammenarbeit im Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF).

Die Politik, sonst meist mit im Spiel, wenn es um Israel geht, soll laut Fischer diesmal keine Rolle spielen.

Es handle sich um eine Art allererste Etappe beim angestrebten Ausbau der Kooperation. "Wir konzentrieren uns auf die Forschungs-Zusammenarbeit", so Fischer. "Denn wir haben festgestellt, dass seitens der Wissenschafter und Forscher beider Länder ein grosses Interesse besteht."

Israel führend in zahlreichen Forschungsgebieten

Israel zählt zu den führenden Nationen auf dem Gebiet der Biotechnologie, der Informatik und der medizinischen Forschung.

Die starke Position Israels geht nicht zuletzt auf die einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion in den 90er-Jahren zurück.

Eine Million Menschen reiste damals nach Israel aus, darunter viele hochqualifizierte Wissenschafter. Israel hat auch den weltweit höchsten Anteil an Ingenieuren in der Bevölkerung.

Skeptische Meinungen in der Schweiz

In der Schweiz gibt es gegenüber der angestrebten Zusammenarbeit mit Israel auch skeptische Stimmen: Daniel Vischer, Parlamentarier der Grünen und Präsident der Gesellschaft Schweiz-Palästina, ist der Meinung, dass jegliches Abkommen mit Israel das Image der Schweiz als Vermittlerin im Nahen Osten stört.

"Die Schweiz sollte beide Seiten gleich behandeln", sagt Vischer. "Pascal Couchepin und Verteidigungsminister Samuel Schmid unterminieren die Schweizer Aussenpolitik, wenn sie Kooperationen mit den Israelis suchen."

Das Verteidigungs-Departement hatte kürzlich erklärt, es werde von Israel ein Kommunikationssystem kaufen, eine Absicht, die einigen Parlamentariern mehr als sauer aufstiess.

Boykotte bisher kurzatmig

In der Vergangenheit gab es in der Schweiz immer wieder Boykott-Aufrufe für israelische Produkte - in Bezug auf Forschung oder Bildung jedoch noch nie.

Die Schweizer Behörden in Bern bezeichneten vorübergehende Boykott-Aktionen - wie z.B. seitens britischer Institutionen gegenüber israelischen Universitäten - als kontraproduktiv.

Zudem stehe die Mehrheit der israelischen Forscher der Politik ihrer Regierung in den besetzten Gebieten traditionell kritisch gegenüber.

Um die schweizerisch-israelischen Beziehungen stand es in den vergangenen Jahren nicht immer zum Besten. Israel prangerten die Schweiz an, als diese den jüdischen Staat aufrief, die Genfer Konventionen in den Palästinensischen Gebieten zu respektieren.

Bern unterstützt ausserdem die private Genfer Initiative.

Andererseits ist Couchepin nach Verteidigungsminister Schmid und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey das dritte Regierungsmitglied der Schweiz, das dieses Jahr nach Israel reist.

Von Biotechnologie bis IT

"Couchepins Reise soll mithelfen zu entscheiden, auf welche Gebiete man sich konzentrieren soll", sagt Fischer vom Staatssekretariat. "Sicher jedoch sind Biotechnologie, Medizin, Life Sciences und Informations-Technologie interessant für mögliche Abkommen."

Die israelischen Forscher gehören auf diesen Gebieten zu den besten. Deshalb hoffen die Schweizer Behörden, dass eine Deklaration - zusammen mit Subventionen und Austauschprogrammen - der Kooperation der beiden Länder förderlich sein wird.

Laut einem Bericht des Aussenministeriums bestehen bisher nur wenige wissenschaftliche Publikationen, die von israelischen und schweizerischen Forschern gemeinsam verfasst wurden.

"Israel hat hervorragende Universitäten", so Fischer, "und einige unserer Universitäten arbeiten bereits mit ihnen zusammen". Man möchte nun herausfinden, ob diese Kooperation auf eine formellere Basis gestellt werden sollte.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Schweiz hat Israel 1949 anerkannt.
Aussenhandel: Die Schweiz führte 2004 für 413,7 Mio. Franken Waren und Dienstleistungen ein.
Die Schweiz exportierte 2004 für 659,7 Mio. Franken nach Israel.
Die beiden Länder haben seit 1993 ein Freihandels-Abkommen, im Rahmen der Europäischen Freihandelszone EFTA.
2003 figurierte die Schweiz für Israels Aussenbilanz als fünftgrösster Lieferant.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.