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In der Schweiz wird das Rauchen noch teurer

In Zukunft kann eine Schachtel Zigaretten bis zu Fr. 6,40 kosten.

(Keystone)

Rauchen tötet, steht auf jeder Schachtel. Trotz aggressiven Antiraucher-Kampagnen bleibt der Anteil der rauchenden Bevölkerung bei rund 30%.

Die Prävention über das Portemonnaie zeigt durchzogene Resultate.

Rauchen ist teuer. Auch in der Schweiz. Eine Schachtel mit 20 Zigaretten kostet rund 6 Franken und mehr. 55% des Detailhandelspreises entfallen auf Steuern.

Ab 1. Oktober werden die Glimmstängel in der Schweiz nochmals um 30 Rappen teurer pro Box. Damit fliessen zusätzliche Millionen in die Staatskasse.

Die Einnahmen aus der Tabaksteuer müssen in der Schweiz zweckgebunden dem Sozialwerk der Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung (AHV) zugeführt werden. Im Jahr 2005 beliefen sich die Einnahmen aus der Tabaksteuer auf 2,1 Mrd. Franken; das sind 6% des Gesamtvolumens der AHV.

Die Fiskal- und Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass mit dem steigenden Preis der Konsum von Zigaretten und von anderen Tabakprodukten sinkt. Sie stützen sich dabei auf eine Studie der Weltbank aus dem Jahre 1999. Darin heisst es, der Konsum von Tabakprodukten sinke um 4%, wenn der Preis um 10% steige.

Wenn der Preis nicht abschreckt

In der Schweiz hat sich der Preis für Tabakprodukte seit den 1990er-Jahren verdoppelt. Trotzdem hat sich die Quote der Raucherinnen und Raucher im Land kaum unter die Marke von 30% drücken lassen. Mit diesem Raucheranteil liegt die Schweiz im europäischen Umfeld ungefähr im Schnitt.

Weltweit raucht ein Drittel der Bevölkerung über 15 Jahren regelmässig. Der Tabakkonsum und die damit verbundene Sucht fordern weltweit und pro Jahr rund 4 Millionen Todesopfer. In Europa sterben am Tabakismus rund 500'000 Menschen, in der Schweiz sind es 8'000 bis 10'000 Personen.

Pro Tag sterben in der Schweiz also rund 30 Personen an den Folgen des Tabakkonsums. Dazu kommen 16'000 Raucherinvalide, welche das Gesundheitssystem belasten.

Durch den Tabakkonsum sterben in der Schweiz mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, Aids, Alkohol, illegale Drogen, Morde und Selbstmorde zusammen.

Dazu schreibt das Raucherstoppzentrum: "Wenn in der Schweiz 30 Tote jeden Tag durch Flugzeugabstürze oder Zugsunglücke zu beklagen wären, würden sofort Sicherheitsmassnahmen erfolgen und die Verursacher zur Verantwortung gezogen. Wo sind unsere Politiker? Nehmen sie ihre Verantwortung wahr?"

Sucht mit Steuern bekämpfen?

Rauchen ist eine Sucht, die scheinbar mit dem Preisdruck für Tabak allein nicht bekämpft werden kann. Die Prävention über den Geldbeutel wirkt nur beschränkt. Die Konsumenten weichen auf Billigprodukte aus, decken sich grenzüberschreitend mit Tabakprodukten ein, greifen auf Raucherwaren auf dem Schwarzmarkt zurück oder wechseln auf Schnitttabak.

Die Anti-Raucher-Lobbies haben zwar erreicht, dass die Raucher weitgehend aus den öffentlichen Räumen von Betrieben, Airports, der Gastronomie und der Unterhaltungsindustrie verbannt sind. Die Werbung suggeriert jedoch nach wie vor, Rauchen mache sozial stark, unabhängig, reich und fördere die Gruppenzugehörigkeit.

Raucher sind Täter und Opfer. Sie führen dem Organismus psychoaktives und Abhängigkeit bildendes Nikotin zu, inhalieren Reizgase, Kohlenmonoxid und Teer. Gleichzeitig sind Raucher Opfer eines raffinierten Systems von Verführung und Desinformation zum Thema Rauchen.

Was die Raucher die Volkswirtschaft kosten

Umstritten ist, wie hoch die volkswirtschaftlichen Kosten des Rauchens sind. Neuere Studien beziffern diese Kosten in der Schweiz auf rund 5 Mrd. Franken. Wenn der Geldwert der durch die Raucherkrankheiten verursachten Leiden dazu gerechnet wird, steigt die Summe auf 10 Mrd. an.

Die Tabakindustrie macht geltend, ein Raucher lebe durchschnittlich fünf Jahre weniger lang als ein Nichtraucher. Der Verlust dieser Lebensjahre der Raucher entlaste die öffentlichen Finanzen, spare Gesundheitskosten und verursache weniger Renten und Pensionen.

swissinfo, Erwin Dettling

In Kürze

Seit 1992 ist der Schutz der Nichtraucher am Arbeitsplatz im Arbeitsgesetz festgeschrieben.

Im November 1993 lehnten mehr als 70% der Stimmenden die so genannte Zwillingsinitiative ab. Sie hatte ein umfassendes Werbeverbot für Tabak- und Alkoholwerbung verlangt.

Die Kantone Solothurn, Bern, Genf, Glarus und Graubünden sind daran, die gesetzlichen Grundlagen zugunsten der Nichtraucher zu ändern.

In Genf, Waadt, Freiburg und Zürich werden Unterschriften für Volksinitiativen gesammelt.

Eine Pionierrolle nimmt das Tessin ein. Hier haben die Stimmenden im März 2006 mit 80% ein Gesetz angenommen, das das Rauchen in öffentlichen Lokalen verbietet.

Seit Dezember 2005 ist das Rauchen in den Zügen der SBB nicht mehr erlaubt.

Auf nationaler Ebene ist ein parlamentarischer Vorstoss hängig, der zum Schutz der Passivraucher strengere Bestimmungen für Raucher fordert.

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