Schweizer Software entlastet Bestellungen von unnötigen Kosten

Die beiden Direktoren und Co-Gründer des Lausanner Start-up-Unternehmens GenLots SA. GenLots

Unternehmen, deren Auftrags- und Lagerhaltungskosten explodieren, können diese dank einer von einem Start-up-Unternehmen in Lausanne entwickelten Software rationalisieren. Die künstliche Intelligenz hilft dabei, zu bestimmen, wann und in welchen Mengen Bestellungen aufgegeben werden sollen.

Alain Meyer

Das Start-up-Unternehmen GenLots will schweizerischen und internationalen Unternehmen eine Software zur Verfügung stellen, die laut eigenen Angaben erhebliche Einsparungen ermöglichen kann, indem sie Warenbestellungen profitabel macht. Ein multinationales Unternehmen, den Pharmakonzern Merck GKaA (ehemals Merck-Serono), konnte GenLots bereits überzeugen.

"Dies ist der erste Kunde, der uns sein Vertrauen geschenkt hat", erklärt Matthieu Dumont, Sprecher des jungen Unternehmens, das seinen Sitz im Innovationspark der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hat. Das Start-up beschäftigt rund zehn Mitarbeitende und hofft, etwa 400 Unternehmen aus dem Industriesektor von der Bedeutung dieses innovativen Ansatzes zu überzeugen.

Und das macht die Software: Sie bewertet die Kosten für den Transit von Materialien, oft Rohstoffe, von einem Ort zum anderen auf dem Planeten, und zwar nach Parametern, die bisher wenig berücksichtigt und daher nicht quantifiziert wurden. Die Software plant auch die Aufträge der Unternehmen besser, indem sie künftige Produktionsschritte voraussieht.

Das Projekt entstand 2017 aus der Masterarbeit von Simon Schenker, einem der Direktoren von GenLots, und ist auch das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen der EPFL, ihrer Schwesterinstitution in Zürich (ETHZ) und der Universität Lausanne (UNIL).

Die Software, die in Form einer Jahreslizenz vermarktet wird, profitiert von einer Mittelbeschaffung in Höhe von einer Million Franken, die Ende letzten Jahres von Fly Ventures gewährt wurde, einem in Berlin ansässigen Unternehmen, das im Bereich der partizipativen Finanzierung des Industriesektors tätig ist, sowie von ACE & Company, einer privaten Investorengruppe in Genf.

Fragile Lieferketten

In Zeiten des Coronavirus litten die Lieferketten stark unter den staatlich verordneten Notstandsmassnahmen. "Diese Krise hat erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten der so genannten globalen Unternehmen, einschliesslich unserer Kunden", bestätigt Dumont.

"Deshalb haben wir ihnen geholfen, indem wir sie darüber informiert haben, welche Materialien knapp zu werden drohten." Die Software stellt sicher, dass so genannte "strategische" Materialien, die für die Herstellung eines bestimmten Produkts von entscheidender Bedeutung sind, insbesondere in Krisenzeiten nicht knapp werden.

Auch Klimaschutz ist ein Thema: Das junge Unternehmen möchte auf seine Weise an der Einhaltung von Kriterien im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung mitwirken. "Wir haben mehrere Forschungsprojekte. Und Ökologie ist ein Thema, das wir zunehmend mit Unternehmen diskutieren.

Wir haben damit begonnen, die Kosten der Kohlenstoffemissionen in die Berechnung der Gesamtbetriebskosten zu integrieren, um die Auftragspläne der Unternehmen zu optimieren", erklärt Dumont. Und gleichzeitig sollen auch die Logistiksektoren dieser Unternehmen in die Lage versetzt werden, ihren Klimaverpflichtungen nachzukommen.

Transport profitabel machen

Mehr als je zuvor stellt sich für diese Art von Unternehmen die Frage, wann Bestellungen für Rohstoffe wirtschaftlich und logistisch am besten sind... Und mit welcher Materialmenge es möglich ist, die Kosten zu minimieren. Die Software hinterfragt die Auftragspläne der Unternehmen.

Ein Algorithmus deckt alle denkbaren Variablen (Verderblichkeit, Qualitätskontrolle, Vorlaufzeiten) ab, die einen Einfluss auf die Auftragskosten haben. "Unser Forschungsprojekt unterstreicht die Bedeutung der versteckten Verluste aufgrund suboptimaler Beschaffungsplanung", fasst Dumont zusammen.

Das kleine Team besteht aus acht Vollzeitbeschäftigten im Innovationspark in Lausanne. GenLots

Der Algorithmus berechnet sorgfältig alle Lagerhaltungskosten (Lagerung, Opportunitätskosten des Kapitals), die direkt mit den Bestellungen (Transport) verbundenen Kosten und natürlich die Preise der transportierten Materialien. Darüber hinaus erfasst ein Filterverfahren die Auswirkungen von Mengenrabatten auf die Preise. GenLots kümmert sich zwar noch nicht um die eigentliche Transportorganisation, prüft aber die Möglichkeit, auch diesen Aspekt in Zukunft zu integrieren.

Bis zu 10% Einsparungen

"Mit diesem Ansatz der Gesamtkosten sparen wir im Durchschnitt bis zu 10 % bei den Lagerhaltungskosten, den Bestellkosten und dem Preis des Materials selbst", so Dumont. Je nach Art des Geschäfts kann dies ein beträchtliches Volumen darstellen. GenLots hat sich jedoch eine Bestellschwelle gesetzt: ein Mindestabnahmevolumen von 30 Millionen Franken.

"Der Algorithmus passt sich an eine fast unbegrenzte Anzahl von Materialien an", sagt er. Aber es sind vor allem Bestandteile und Rohstoffe, die von diesem globalen Ansatz profitieren. "Wir wenden uns hauptsächlich an Unternehmen der Pharma-, Chemie-, Konsumgüter- und Fertigungsindustrie. Zum Beispiel für den Transport von Alkohol, Chemikalien, Bolzen, Kokosnussbutter, Kakao, Farbstoffen, Öl, Kabeln...", führt er auf.

Da die Lieferketten immer komplexer geworden sind, kann die Erstellung eines Bestellplans schnell zu einem Albtraum werden. Doch während sich die Methode der Software für den einfachen Transport von einem Unternehmen zu einem anderen als effektiv erweist, räumt GenLots ein, dass es schwierig ist, kontinuierlichere Flüsse, wie z.B. Pipelines, zu optimieren.

Nachweis der Wirtschaftlichkeit

In den Augen von Simon Schenker ist die Software sehr zeitgemäss. "Eine ausgereifte Technologie in Verbindung mit der Bereitschaft, Daten auszutauschen, öffnet uns Türen", erklärte er im Dezember, gleich nach Bekanntgabe der Investitionssumme von einer Million Franken.

Doch obwohl die künstliche Intelligenz (KI) im Lauf der Zeit zu einem Mehrwert geworden ist, steht ihr die Mentalität noch immer entgegen, insbesondere in der industriellen Welt. Unternehmen wissen oft nicht, was sie von einer solchen Software erwarten können. Oder welche Einsparungen sie erzielen können. Um sie zu unterstützen, wurde das Konzept des "Artificial Supply Chain Brain" geboren – ein intelligenter Ausstatter für Lieferketten.

Der Schokoladenhersteller Barry Callebaut war eines der ersten Unternehmen, das auf die von GenLots entwickelte Software setzte. Keystone / Steffen Schmidt

Als ersten Schritt "bieten wir unseren Kunden einen 'Einsparungsnachweis' an", erklärt Dumont. Kurz gesagt, eine Analyse der historischen Daten, bei der verglichen wird, was der GenLots-Algorithmus mit denselben Daten empfohlen hätte. Dann werden diese Ergebnisse gegen das abgewogen, was das im Unternehmen eingerichtete System empfiehlt. "Es ist ein schneller Prozess, der keine Anstrengung seitens des Kunden erfordert und zeigt, ob es Potenzial gibt", erklärt Dumont.

Das Start-up schlägt dann vor, "ein Pilotprojekt mit Anwendern vor Ort" durchzuführen, welche die Software mit Echtzeitdaten über mehrere Wochen testen. "Das Unternehmen beginnt bereits in dieser Zeit Einsparungen zu erzielen", so Dumont. Wenn die Ergebnisse des Pilotprojekts gut sind, kann mit der echten Anwendung begonnen werden. Es wird eine Verbindung mit der Software hergestellt, die das Unternehmen für seine täglichen Aktivitäten verwendet (ERP). Dieser Schritt ermöglicht einen optimalen Datenaustausch zwischen diesem ERP und GenLots.

Bis jetzt hat nur der Privatsektor (der Schokoladenhersteller Barry Callebaut oder der Zürcher Industriekonzern Huber+Suhner) diesen neuen Modus zur Rationalisierung der Auftragskosten genutzt. Die meisten dieser Unternehmen haben ein Produktionsvolumen von mehr als 30 Millionen Franken.

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