Pharmakonzerne: Millionen-Deals mit Schweizer Unis

Die Pharmabranche ist mit den Schweizer Universitäten eng verbandelt. Keystone

Pharmakonzerne kaufen sich mit geheimen Verträgen für gesponserte Professuren und Lehrstühle Einfluss an Schweizer Universitäten – dies zeigen Recherchen des Schweizer Fernsehens. Der Pharmakonzern Merck kann gar die Publikation von Forschungsresultaten abändern.

Marc Meschenmoser, Schweizer Fernsehen SRF

Roche, Novartis, Merck Serono, der Branchenlobby-Verband Interpharma - fast alle, die in der Pharmabranche Rang und Namen haben, tauchen in vertraulichen Verträgen mit Schweizer Universitäten und Hochschulen auf.

Die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung an Universitäten ist in der Verfassung garantiert. Für Einfluss an angeblich unabhängigen Universitäten greifen die Konzerne tief in die Taschen: die Verträge reichen von 450‘000 Franken jährlich bis zu 12,5 Millionen über 25 Jahre Laufzeit.

Die der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens vorliegenden Verträge mit den Universitäten Basel, Bern und der eidgenössisch technischen Hochschule Lausanne, EPFL waren bisher unter Verschluss – dank dem Öffentlichkeitsgesetz mussten Universitäten ihre brisanten Verträge mit der Pharmaindustrie heraus geben.

Merck-Serono-Vertrag: «Änderungen am Forschungsresultat»

Besonders weit geht der Vertrag für 3 bezahlte Lehrstühle der ETH Lausanne (EPFL) mit dem deutschen Pharmakonzern Merck Serono. 12,5 Millionen Franken zahlt Merck Serono für Lehrstühle der Neurowissenschaft, Medikamentenabgabe und Onkologie. Dafür erhält der Konzern weitgehende Rechte, die die Unabhängigkeit der universitären Forschung gefährden. Der Vertrag sieht vor, dass Professoren ihre Forschungsresultate der Pharmafirma alle 3 Monate vorlegen müssen. Passt der Medikamentenfirma ein Forschungsresultat nicht, kann Merck Serono sogar «akzeptable Änderungen» an der Publikation der Forschungsresultate verlangen.

EPFL-Sponsoringchef Daniel Grosse beteuert im «Rundschau»-Interview: «Im Alltag sind die Forscher unabhängig.» Er muss aber eingestehen: «Vielleicht würden wir einen solchen Vertrag heute nicht mehr abschliessen.»

Merck verteidigt die Berechtigung, die Publikation von Forschungsresultaten abändern zu können. Diese beziehe sich jedoch «ausschliesslich auf die wissenschaftliche Veröffentlichung von Ergebnissen der Lehrstuhl-Teamprojekte.» Merck-Sprecher Gangolf Schrimpf hält dennoch fest: «Wir respektieren, wahren und unterstreichen explizit die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.»

Die Einflussnahme bei der wissenschaftlichen Veröffentlichung von Forschungsergebnissen betreffe vertrauliche Informationen sowie relevante Ergebnisse betreffend Patenten.

Staatsrechtsprofessor Müller: «Massiver Eingriff in Unabhängigkeit»

Der Berner Staatsrechtsprofessor Markus Müller reagiert empört. Er sagt im «Rundschau»-Interview: «Solche Deals mit privaten Pharmafirmen beeinträchtigen die Unabhängigkeit der Schweizer Universitäten massiv. In der Verfassung ist die Unabhängigkeit der Universitäten jedoch festgelegt.»

Die Grafiken von SRF-Data:

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