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Internationale Adoption:Gesucht sind Kinder für Eltern

Der Rechtsstreit um die via Internet von zwei Paaren gleichzeitig adoptierten Zwillinge Kimberley (l.) und Belinda machte weltweit Schlagzeilen Keystone

Zwischen 500 und 700 Kinder werden jährlich zur Adoption in die Schweiz geholt. Um diese Kinder besser vor Missbrauch und Fehlplatzierungen zu schützen, will die Schweiz dem Haager Adoptions-Übereinkommen beitreten. Doch ein Seilziehen zwischen Bund und Kantonen verzögert die Ratifikation.

Dieser Inhalt wurde am 14. April 2001 - 22:39 publiziert

Jedes Jahr werden weniger Schweizer Kinder zur Adoption freigegeben. Von den über 1'000 Kindern, die jährlich in der Schweiz adoptiert werden, sind nur gerade 300 im Inland geboren. Die grosse Mehrheit wird aus dem Ausland adoptiert, und zwar aus Ländern der Dritten Welt.

Vor allem bei Kindern aus Dritt-Welt-Ländern können Missbräuche wie Kinderraub und Kinderhandel nicht ausgeschlossen werden. Das Haager Adoptions-Übereinkommen will diesen kriminellen Machenschaften einen Riegel schieben und die Rechtsstellung der zur Adoption frei gegebenen Kindern verbessern. Die legalen Verfahren bei Auslandsadoptionen werden vereinheitlicht und somit besser kontrollierbar. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Behörden der Heimat- und der Aufnahmestaaten wird klar geregelt. So müssen etwa die Behörden im Heimatstaat prüfen, ob eine internationale Adoption tatsächlich dem Wohl des Kindes dient.

Kinderhandel bestrafen

Der Beitritt der Schweiz zum Haager Übereinkommen ist eigentlich beschlossene Sache, doch die Ratifikation verzögert sich. Grund: Kompetenz-Streitigkeiten zwischen Bund und Kantonen. Auch während der Frühlings-Session im Tessin konnten sich National - und Ständerat nicht einigen, ob eine zentrale Bundesstelle oder die Kantone für die Adoptions-Bewilligungen zuständig sein sollen.

Ein baldige Ratifikation ist jedoch dringend nötig: So ist beispielsweise Kinderhandel bis heute in der Schweiz nicht strafbar. Dies ändert sich erst mit dem Bundesgesetz, das nach der Ratifikation des Übereinkommens in Kraft treten wird und vorsieht, Kinderhandel mit bis zu zehn Jahren Gefängnis und einer Busse von bis zu 100'000 Franken zu bestrafen.

Adoption: Warten und Hoffen

Wer ein Kind adoptieren will, muss eine wahre Odyssee hinter sich bringen. Der seriöseste Weg führt über die kantonal anerkannten Adoptions-Vermittlungsstellen. Hier werden die Eltern kritisch auf ihre Eignung hin durchleuchtet. Nicht nur die finanzielle und gesundheitliche Situation wird genauestens überprüft, auch die Motivation der Eltern wird kritisch hinterfragt. Sind alle Tests überstanden, beginnt das grosse Warten. Weil aber auf jedes Kind, das in der Schweiz adoptiert werden kann, bereits sechs Elternpaare warten, verlieren viele die Geduld und auch die Hoffnung, auf legalem Weg zu einem eigenen Kind zu kommen.

Nur etwa ein Drittel der Kinder wird über die von den Kantonen bewilligten Vermittlungsstellen abgewickelt, die anderen kommen über inoffizielle Kanäle in die Schweiz. Das ist zwar legal, öffnet aber dubiosen Vermittlern Tür und Tor. Der Missbrauch beginnt bereits dort, wo die staatlichen Verfahren umgangen werden, um möglichst schnell zu einem Kind zu kommen. Einige Paare gehen noch weiter, um ihrer Kinderlosigkeit ein Ende zu bereiten: Sie bezahlen die leibliche Mutter, schmieren Richter und Heime und schrecken in seltenen Fällen auch nicht vor eigentlichem Kinderraub zurück.

Doch wer sich auf eine missbräuchliche Vermittlung einlässt, bekommt anstelle des Wunschkindes nicht selten ein Problemkind. So kommen Kinder mit gesundheitlichen und psychischen Schäden in die Schweiz, die von den anerkannten Vermittlungsstellen kaum ohne weiteres zur Adoption freigegeben worden wären. Die Mehrzahl der Adoptionen gelingt aber dennoch und die meisten Kinder schaffen es, sich von ihren emotionalen und gesundheitlichen Defiziten zu erholen, wie eine niederländische Langzeitstudie zeigt.

Mangelware Kind

Der Geburtenrückgang und der oft späte Kinderwunsch haben Kinder in den industrialisierten Ländern zur Mangelware werden lassen. In den Vereinigten Staaten wurden allein 1999 über 16'000 Kinder aus dem Ausland adoptiert. In Deutschland kamen 1998 auf 17'000 adoptionswillige Paare 3'000 vermittelte Kinder.

Bei der Suche nach dem Wunschkind geht oftmals vergessen, dass der zentrale Punkt einer Adoption immer das Wohl des Kindes ist. Doch bei der Adoption geht es längst nicht mehr darum, Eltern für elternlose Kinder zu finden, gefragt sind zunehmend Kinder für kinderlose Eltern.

Hansjörg Bolliger

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