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Internet aus der Steckdose - jetzt auch in der Schweiz

Mit PLC kann über jede Steckdose im Internet gesurft werden. Ascom

Besser spät als nie: Der Berner Technologie-Konzern Ascom hat mit den Freiburgischen Elektrizitätswerken (FEW) den ersten Vertrag in der Schweiz über seine Powerline-Technik abgeschlossen. Störungen des Funkverkehrs durch Powerline sind laut BAKOM nicht zu erwarten.

Dieser Inhalt wurde am 25. September 2001 - 16:56 publiziert

Den High-Speed-Zugang zum Internet bieten die FEW zusammen mit dem Telekommunikations-Unternehmen sunrise an. Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) hatte den FEW die Zulassung für die Einführung der Powerline-Technologie erteilt.

Kostengünstige Breitband-Lösung

Powerline Communication (PLC) überträgt die Daten mit einer Bandbreite von derzeit bis zu 4,5 Megabit pro Sekunde. Mit PLC kann der Kunde an jeder Steckdose im Haus auf das Internet zugreifen oder telefonieren, teure und aufwändige Installationen sind dabei nicht notwendig. Was es braucht, ist lediglich ein entsprechendes Modem, das wie das übrige Material für die Powerline-Verbindungen den Elektrizitätswerken von Ascom geliefert wird.

Ascom erhofft sich von dieser Partnerschaft eine Signalwirkung für weitere Schweizer Elektrizitätsversorgungs- und Telekommunikations-Unternehmen. Diese würden erst langsam realisieren, dass sie dank PLC Wettbewerbsvorteile hätten, sagte Ascom-Sprecher Stephan Howeg.

Wunderwerk mit Schwächen

PLC ist der grosse Hoffnungsträger von Ascom. Doch die Einführung der Powerline-Technologie stand bis jetzt unter einem ungünstigen Stern. Technische Schwächen und eine komplizierte Vermarktungs-Struktur liessen den grossen Durchbruch von PLC bis anhin als eher unwahrscheinlich erscheinen.

Weil Stromleitungen wie Antennen wirken, besteht die Gefahr, dass PLC Kurzwellenradio und Funksysteme stört. Powerline, so die Bedenken vieler Anaylisten, werde nur unter grössten Auflagen zugelassen werden und deshalb nie rentabel. Dies war auch der Grund, weshalb der kanadische Powerline-Pionier Nortel 1999 vorzeitig ausstieg. Nortel scheiterte daran, die Übertragungstechnik störfest zu machen.

BAKOM: PLC ist anwendbar

Mit der Zulassung durch den Bund sind die technischen Schwierigkeiten offenbar ausgeräumt. Wie BAKOM-Sprecher Berhnard Bürki gegenüber swissinfo ausführte, hätten ausführliche Tests der deutschen Behörden gezeigt, dass PLC keine Auswirkungen auf andere Funkdienste habe. Das BAKOM gehe deshalb davon aus, dass die Powerline-Technik in der Praxis anwendbar sei.

Dennoch empfehle das BAKOM, in der Nähe von kritischen Orten wie Botschaften oder Flughäfen PLC vorsichtig einzusetzen. Dies bedeute aber nicht, dass ganze Städte wie Bern oder Zürich von PLC ausgeschlossen würden, sagte Bürki. Allenfalls müssten direkte Anwohner von Botschaften auf einen Powerline-Anschluss verzichten, um den Botschaftsfunk nicht zu stören.

Herausforderung für Elektrizitätswerke

Mit der Zulassung durch das BAKOM hat Ascoms Powerline das grösste Hindernis genommen. Was bleibt, ist die komplizierte Vermarktungs-Struktur. Zudem muss sich PLC wegen dem späten Markteintritt gegen die bereits etablierten Breitbandzugänge über Fernsehkabel und Telefonleitung (ADSL) behaupten.

Weil Ascom die PLC-Geräte nicht direkt an die Endkunden, sondern über ihre Partner, die Stromversorger, vertreibt, hängt der Erfolg von Powerline nur bedingt von den eigenen Marketing-Anstrengungen ab. Zudem müssen die Elektrizitätsversorgungs-Unternehmen neue Dienstleistungen wie der Support der von ihnen vertriebenen Telekom-Produkte aufbauen.

Powerline doch nicht zu spät?

Zurzeit findet ein Rennen um Marktanteile bei den Breitband-Zugängen statt. Ob Powerline neben den bestehenden Kabel- und ADSL-Angeboten überhaupt eine Chance hat, ist offen. Profitieren könnte Powerline von der Schwäche der Cablecom.

Cablecom, der mit 1,4 Mio. Haushalten mit Abstand grösste Kabelnetzbetreiber der Schweiz, will aus Kostengründen auf einen Ausbau der Kabel-Infrastruktur ausserhalb der erschlossenen Gebiete verzichten. Davon betroffen sind vor allem ländliche Regionen. Diese Versorgungs-Lücke könnte Powerline zugute kommen, falls weitere Elektrizitätswerke dem Freiburger Beispiel folgen.

Hansjörg Bolliger

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