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Iran: Schweizer Experten warnen vor Kraftprobe

Stein des Anstosses: Die Atomanlage Bushehr in Südiran. Keystone

Verlangt der Westen Irans Verzicht auf ein eigenes Atomprogramm, muss er seine Strategie ändern, sagt der Schweizer Experte Bruno Pellaud.

Dieser Inhalt wurde am 27. Juni 2005 - 18:24 publiziert

Die einzige Chance bestehe aber im Verzicht auf eine Konfrontation, erklärt der frühere stellvertretende Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) weiter.

Pellaud veröffentlichte diese Ansicht am Montag in mehreren Zeitungsartikeln sowohl in der Schweizer als auch in der internationalen Presse. Er verfasste die Artikel zusammen mit Tim Guldimann.

Bruno Pellaud war 1993 bis 1999 stellvertretender Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Behörde.

Der Schweizer Diplomat Guldimann war früher in Teheran stationiert, wo er als Schweizer Botschafter auch die Interessen der Vereinigten Staaten (USA) bei der iranischen Regierung vertrat. Diese diplomatische Mission führt die Schweiz in Iran nach wie vor aus.

Pellaud und Guldimann nahmen in ihren Darstellungen Bezug auf die Äusserungen von US-Verteidigungsminister Rumsfeld, der den neugewählten iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad als "keinen Freund von Demokratie und Frieden" bezeichnet hatte.

Washington liess ebenfalls verlauten, dass die USA nur die komplette Einfrierung der Uran-Anreicherung in Iran akzeptierten. Diese Haltung jedoch kann Iran laut Pellaud und Guldimann davon abhalten, weiter mit der IAEA zu kooperieren.

Die Folge wäre ein heimliches Programm, das keinen internationalen Kontrollen mehr unterliegen würde, so die beiden Autoren. Die Europäische Union (EU) dagegen setzt auf die Weiterführung des Dialogs.

Das Ziel wäre ein Abkommen mit Iran, wonach das Land seine Atomaktivitäten einschränkt, dafür aber technologische Hilfe erhält, umreissen die beiden Schweizer Iran-Kenner ihre Position.

swissinfo sprach mit Bruno Pellaud über die aktuelle Situation nach den Präsidentenwahlen in Iran.

swissinfo: Vertrauen aufbauen statt Konfrontation, raten Sie den USA und der EU. Ist dies möglich, nach den ersten Kommentaren des neuen Präsidenten Ahmadinejad?

Bruno Pellaud: Heute kaum. Wir machten den Vorschlag nach Bekanntwerden des Wahlresultats. Alle müssen sich mit der neuen Realität auseinandersetzen.

Obwohl die gegenwärtige Situation sehr verfahren ist, kann der Westen kein Interesse an einem Abbruch der Verhandlungen mit Iran haben.

swissinfo: Würde sich Iran überhaupt auf eine Einfrierung der Urananreicherung einlassen?

B.P.: Was der neue Präsident gesagt hat, hat mich nicht allzu sehr überrascht, das war nichts Neues.

Ich setze auf die Tatsache, dass Mahmoud Ahmadinejad Ingenieur ist, wie ich. Das bedeutet, er ist in erster Linie Problemlöser, dann erst ein Idealist des moslemischen Glaubens.

Auch er muss sich an die Realitäten halten, und die haben nicht geändert, auch für den Iran nicht.

swissinfo: Kann die iranische Regierung nachgeben?

B.P.: Wird das Land in eine Ecke gedrängt, könnte es die Beziehungen zur IAEA abbrechen. Was Teheran tut, wäre nicht mehr unter Kontrolle, und das wäre problematisch. Dieser Ansicht sind übrigens auch Diplomaten und Wissenschafter, auch solche aus den USA.

Die iranische Seite muss ihr Gesicht wahren können. Das Atomprogramm startete nicht unter Khomeiny und den Mullahs. Es stammt von 1959, als der Schah die ersten Forschungsreaktoren kaufte - von den USA.

swissinfo: Will Iran tatsächlich die Atombombe bauen?

B.P.: Mein Eindruck ist Nein. Die IAEA sagt, dass es keine Hinweise auf ein Waffenprogramm gebe. 2003 erlaubte das Land der IAEA verschärfte Kontrollen, und das hätten sie nicht gemacht, gäbe es ein Atomprogramm. Fakt ist, dass Iran gewisse Dinge verstecken wollte.

Ich denke aber, dass Iran zu Verhandlungen bereit ist, denn das Land will der Welthandels-Organisation (WTO) beitreten und den Handel mit Europa ausbauen. Sogar der neue Präsident sagte, dass sein Land Investitionen aus dem Ausland brauche.

swissinfo-Interview: Jonas Hughes
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Pellaud und Guldimann publizierten ihre Vorschläge in den Montag-Ausgaben der Schweizer Zeitung "Le Temps" sowie in der "Financial Times", in "Le Monde" und in der "Süddeutschen Zeitung" .
Javier Solana, der EU-Aussenbeauftragte, sprach sich für die Weiterführung der Verhandlungen mit Iran aus, auch nach der Wahl des neuen konservativen Präsidenten.
Deutschland, Frankreich und Grossbritannien verlangen – wie die USA – die Aufgabe des Urananreicherungs-Programms durch Teheran. Iran lehnt dies ab.

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In Kürze

Pellaud und Guldimann schlagen einen Zwei-Phasen-Plan vor, um das Vertrauen zwischen Iran und dem Westen in der Atomfrage wieder herzustellen.

In einer ersten Phase soll Iran eine beschränkte Uran-Anreicherung erlaubt sein, aber nur unter internationaler Kontrolle.

Nach fünf Jahren dürfte die EU technische Unterstützung bieten und die Handelsbeziehungen ausbauen.

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