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Isländer zahlen Milliardenschuld ihrer Banken zurück

Dieser Inhalt wurde am 19. Oktober 2009 - 13:20 publiziert

REYKJAVIK (awp international) - Nach der Finanzkrisen-Katastrophe müssen die Isländer jetzt gemeinsam Milliarden-Schulden aus dem Scheitern ihrer heimischen Bankchefs zurückzahlen. Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardottir legte dem Parlament in Reykjavik am Montag ein Übereinkommen mit den Hauptgläubigern Grossbritannien und Niederlande vor, dessen Billigung als sicher gilt: Bis 2024 und möglicherweise darüber hinaus sind aus der Staatskasse umgerechnet 3,8 Milliarden Euro nach London und Den Haag zu überweisen, mehr als zwei Drittel eines kompletten Jahreshaushaltes.
Verursacht wurde die für die kleine Inselrepublik gewaltige Schuldenlast durch den Kollaps der isländischen Landsbanki und ihrer Internettochter Icesave vor ziemlich genau einem Jahr. Die Milliardeneinlagen von 340.000 britischen und niederländischen Kunden wurden zunächst von den dortigen Regierungen garantiert. Für insgesamt 320.000 isländische Bürger ist der erst jetzt beendete Streit um die Rückzahlungsmodalitäten zu einem besonders bitteren Symbol für die alles andere als gerechte Verteilung der Krisenlasten geworden: Ausgelöst durch die Grossmannssucht der inzwischen zwangsverstaatlichten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir, müssen die Bürger jetzt die Folgen über anderthalb Jahrzehnte tragen. So demonstrierten verbitterte Bürger, viele von ihnen durch die Finanzkrise arbeitslos und hoffnungslos überschuldet, sogar auf der Strasse gegen die kollektive Rückzahlung der Icesave-Schulden.
WIEDER OPTIMISTISCH
"Ich bin jetzt wieder optimistisch", meinte dagegen Finanzminister Steingrímur Sigfússon in Reykjavik nach der Einigung über die Modalitäten der Rückzahlungen an Den Haag und London tapfer. Dabei musste seine Regierung am Ende auch noch schlucken, dass etwaige Restschulden auch nach dem Jahr 2024 mit Zins und Zinseszins zurückzuzahlen sind.
Hätte Island diese lange umstrittene Klausel nicht geschluckt, wäre sehr viel schneller als 2024 neues Ungemach über die sturmumbrauste Insel hereingebrochen: Briten und Niederländer blockieren seit Monaten die Auszahlung zugesagter und dringend benötigter Kredite durch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Ebenso auf die Bremse treten könnten sie bei den bevorstehenden Beitrittsverhandlungen Islands mit der EU. Die möglichst schnelle Mitgliedschaft in der Union wird gerade von Regierungschefin Sigurdardottir als einziger wirklicher Rettungsanker für die ins Wanken geratenen Wikinger-Nachfahren propagiert. /tb/DP/js

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