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Italien nicht isolieren

Die Verkehrsminister Leuenberger (li) und Lunardi sprachen im Schweizer Zentrum in Mailand über den alpenquerenden Verkehr.

(Keystone)

Die Probleme und Projekte im Güterverkehr - auf der Strasse und auf der Schiene - standen im Zentrum des Treffens der Verkehrsminister Italiens und der Schweiz in Mailand.

Der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger und sein Amtskollege Pierto Lunardi waren sich bei ihrem Treffen am Montag einig, dass sich das Angebot von Schiene und Strasse ergänzen müsse. Man dürfe die beiden Transport-Arten nicht gegeneinander ausspielen.

Lockerungen beim Dosiersystem

Das nach dem katastrophalen Gotthard-Tunnelbrand letzten Dezember eingeführte Dosiersystem ist dem italienischen Transport-Gewerbe ein Dorn im Auge. Neben Grenz-Blockaden machen die Fuhrhalter auch Druck auf die Regierung in Rom.

Nun signalisierte die Schweiz etwas Entgegenkommen. Nach seinen Gesprächen mit Pietro Lunardi zeigte sich Moritz Leuenberger bereit, ab September den Einbahnverkehr für Camions im Gotthard-Tunnel unter bestimmten Bedingungen zu lockern.

Vor den Medien lobte Pietro Lunardi die Schweiz für die schnelle Wiedereröffnung des Gotthard-Strassentunnels nur zwei Monate nach der verheerenden Brandkatastrophe vom 24.Oktober. Dies sei in Europa einzigartig. Wie schon beim europäischen Verkehrsministertreffen vom November 2001 in Zürich zeigte Lunardi im Interesse der Sicherheit zwar Verständnis für das Dosiersystem.

Sicherheit prioritär

Allerdings, erklärte Lunardi weiter, müsse man auch nach neuen und besseren Lösungen suchen, denn die Verkehrsprobleme an den diversen Alpenübergängen isolierten Italien zusehends. "Wir wollen Italien nicht isolieren", lautete die Antwort Leuenbergers.

Man sei für alle Lösungen offen, wenn die Sicherheit gewährleistet werde: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, dass mehr Verkehr durch den Gotthard fährt, aber sicherer, sind wir sehr froh", so der Schweizer Verkehrsminister.

Verschiedene Vorschläge

Italien solle konkrete Vorschläge machen, sagte Leuenberger weiter. Und liess durchblicken, dass er auch die Wiedereinführung des Gegenverkehrs für Camions nach dem Ende der Arbeiten an der neuen Ventilationsanlage in Erwägung zieht, jedoch gebunden an ein Maximum an Durchfahrten pro Stunde.

Eine solche Lösung für den Schwerverkehr wird laut dem italienischen Minister Lunardi nun auch für den Mont-Blanc-Tunnel angestrebt, der seit Dienstag wieder für Camions befahrbar ist.

Der italienische Verkehrsminister kündigte indes auch an, das ins Gespräch gebrachte Reserviersystem für Transitfahrten prüfen zu wollen. Der alpenquerende Verkehr könne so unter Umständen besser verteilt werden.

Die NEAT und die nötigen Anpassungen

In Bezug auf die grossen Bahnprojekte teilten die beiden Minister die Auffassung, dass die Neuen Alpentransversalen (NEAT) via Lötschberg und Gotthard die beiden wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen für die Zukunft darstellen.

Für den Güterverkehr soll kurzfristig die Linie am rechten Langensee-Ufer via Cadenazzo-Luino verbessert werden. Insbesondere sollen Verbauungen helfen, das bestehende Gleis gegen Erdrutsche zu schützen. In jüngster Zeit hatte die Linie nach Unwetter wiederholt geschlossen werden müssen- mit sehr negativen Folgen insbesondere für den Hupac-Verkehr.

Grossraum Mailand entlasten

Langfristig ist auf der Cadenazzo-Luino der Bau eines zweiten Gleises vorgesehen, um die Kapazitäten für den Güterverkehr zu erhöhen. Italien will damit den Grossraum Mailand entlasten. Es handelt sich um ein umfangreiches, ambitiöses Projekt, das den Bau von zwei neuen Tunnels von 20 respektive 12 Kilometern Länge beinhaltet.

Neben der Verbindung zwischen Stabio und Varese via Arcisate, die bereits in Planung ist, erneuerte Minister Lunardi auch das schon von seinem Vorgänger Pier Luigi Bersani gemachte Versprechen, wonach bis zum Jahr 2014 zwischen Chiasso und Mailand zweie neue Gleise für Hochgeschwindigkeitszüge gebaut werden.

Italien nahm auch die Einladung der Schweiz an, zusammen mit den Niederlanden und Deutschland bei Arbeitsgruppe für Fernverbindungen mitzumachen.

Vier Arbeitsgruppen

Vier weitere, jedoch bilaterale Arbeitsgruppen erhielten in Mailand ihren ministeriellen Segen: Infrastruktur, Rollmaterial, rechtliche Probleme sowie Transportpolitik und Strasseninfrastrukturen. Die Gruppen sollen ihre Arbeit in den nächsten Wochen aufnehmen.

Leuenberger zog eine positive Bilanz des Mailänder Treffens. Die Schweiz habe schon 1999 eine Konvention mit Italien zur Harmonisierung der Bahninfrastrukturen unterschrieben. Er freue sich, dass es nun auch konkreter werde. Befürchtungen, dass Italien bei den Projekten hinterher hinke, hätten widerlegt werden können.

Gerhard Lob, Mailand


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