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Italiener kehren zu Schweizer Banken zurück

Italienische Bankkunden schätzen den Schweizer Service.

(Keystone)

Die erste Steueramnestie in Italien hat zirka 30 Mrd. Euro von der Schweiz ins südliche Nachbarland abfliessen lassen. Doch rund 10% dieser Summe sind wieder zurückgekehrt.

Der Grund: Viele Italiener vermissen in ihrem Land die helvetische Bankenqualität.

In Italien nennt man sie die "Reuigen der Steueramnestie". Es handelt sich um Italiener, die im Rahmen des von Finanzminister Giulio Tremonti erlassenen "Steuerschilds" ihr im Ausland deponiertes Vermögen nach Italien zurückgeführt und regulär angemeldet haben, nun aber erneut Gelder in die Schweiz zurücktransferieren.

Und diese Reuigen sind nicht wenige. Die renommierte italienische Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" bezifferte diese Woche den Rückfluss von Amnestie-Geldern in die Eidgenossenschaft auf zwei bis drei Mrd. Euro (3,09 bis 4,64 Mrd. Franken). Vermögen, die jetzt vorab wieder auf Bankinstituten im Tessin verwaltet werden.

Dieser Betrag entspricht zirka 10 bis 15% der im Rahmen der ersten Steueramnestie zwischen November 2001 und Juni 2002 abgeflossenen 31 Mrd. Euro, die auch Vermögenswerte wie Immobilien oder Kunstbilder beinhalteten.

Insgesamt sind in Italien durch den ersten Steuerschild 54,6 Mrd. Euro an Schwarzgeldern aufgetaucht beziehungsweise gemeldet worden. Mehr als die Hälfte stammte von Schweizer Banken.

Unzufrieden mit italienischem Private Banking

Dass die helvetischen Bankinstitute nun einen Teil der abgezogenen Gelder erneut verbuchen können, erfreut die Branche. "Es ist ein klarer Beweis für die Qualität unserer Banken", kommentiert Thomas Sutter, Mediensprecher von Swiss Banking in Basel.

Tatsächlich scheint das Hauptmotiv für die reuigen Italiener in der Unzufriedenheit über den Service im italienischen Private Banking zu liegen.

"Es sind Leute, die ihre Position gegenüber dem italienischen Fiskus geklärt haben, nun aber zu ihrem Vertauensbankier in Lugano oder in einer anderen Schweizer Stadt zurückkehren, weil sie von den italienischen Banken enttäuscht sind", schreibt "Il Sole 24 Ore".

Nach einem anfänglichen Enthusiasmus hätten viele Kunden gemerkt, dass die italienischen Banken eine sehr eingeschränkte Offerte für die Vermögensverwaltung hätten und es zudem mit der Diskretion hapere.

Tessin positiv überrascht

In Tessiner Bankkreisen will beziehungsweise kann niemand die konkreten Zahlen der italienischen Wirtschaftszeitung bestätigen, doch das Phänomen ist unter dem Stichwort "rimbalzo" (Rückprall) bestens bekannt.

Für den Direktor der Tessiner Bankiervereinigung (ABT), Franco Citterio, geben die gute individuelle Beratung und Betreuung sowie das Know-How den Ausschlag für Italiener, ihr Geld von Schweizer Banken verwalten zu lassen.

Auch die Unsicherheit in Bezug auf das Bankgeheimnis sei vom Tisch und habe das Vertrauen in den Schweizer Finanzplatz bei ausländischen Kunden wiederhergestellt.

Viele italienische Banken hätten zudem im Rahmen der Steueramnestie ihren Kunden grosse Versprechungen gemacht, diese aber nicht gehalten.

Den konkreten Betrag von zwei bis drei Mrd. Euro kann Citterio nicht bestätigen. Es handele sich aber um eine "signifikante Summe, die uns selber ein wenig überrascht hat", meint der ABT-Direktor.

Konkurrenz der eigenen Filialen in Italien

Die Banken im Tessin geben sich bedeckt. Nicht ohne Grund. Denn viele Schweizer Bankinstitute - von der UBS bis zur Gotthard-Bank - haben in Italien Niederlassungen gegründet, um dort das On-Shore-Banking voranzutreiben.

Sie wollen nicht mir ihren eigenen Filialen in Konkurrenz treten, bei denen die ebenfalls einen guten Anteil zurückgeführter Gelder aufgefangen haben.

Citterio weist aber darauf hin, dass die Dienstleistungen der Filiale einer Schweizer Bank in Italien noch nicht mit den Mütterhäusern in der Schweiz vergleichbar seien.

Ethik und Moral verstärkt zum Thema machen

Während der teilweise Rückfluss von Geldern aus der ersten Steueramnestie für den Finanzplatz im Tessin ein positives Zeichen setzt, wirken sich andere Tendenzen negativ aus.

Wenig vertrauensbildend sind jedenfalls die jüngsten Skandale um Treuhänder wie den ehemaligen FC Lugano-Präsidenten Helios Jermini oder andere Bankiers, die Kundengelder in Millionenhöhe abgezweigt haben. Die Tessiner Bankiervereinigung will daher das Thema Ethik und Moral verstärkt zum Thema machen.

Derweil wartet man auf die Zahlen für die Ende September abgelaufene zweite Auflage der Steueramnestie. Gemäss Schätzungen des italienischen Finanzministeriums haben die Italiener erneut Schwarzgelder in Höhe von 20 Mrd. Euro deklariert, von denen die Hälfte Schweizer Herkunft sind.

Auch Unternehmen konnten durch das Zahlen einer Busse ihre Steuersituation bereinigen, doch offenbar haben nur wenige Firmen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Einig sind sich die Banken im Tessin, dass die Auswirkungen der zweiten Steueramnestie wesentlich geringer sind als beim ersten Mal.

swissinfo, Gerhard Lob, Lugano

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