Italiens Staatschef Ciampi in der Schweiz

Staatspräsident Ciampi im Gespräch mit dem Bundesrat. Keystone

Der italienische Präsident Carlo Azeglio Ciampi weilte zu einem zweitägigen Staatsbesuch in der Schweiz.

Dieser Inhalt wurde am 14. Mai 2003 - 20:24 publiziert

Nach Gesprächen in Bern bezeichneten Ciampi und Bundespräsident Couchepin die Beziehungen als ausgezeichnet und betonten die gemeinsamen Werte der beiden Nachbarländer.

Am ersten Besuchstag diskutierte der italienische Staatschef mit einer Fünfer-Delegation des Bundesrats unter anderem über die EU-Erweiterung, den Transitverkehr und den G-8-Gipfel in Evian.

Carlo Azeglio Ciampi hoffe, dass sich die Schweiz aktiv an der Debatte über die Zukunft Europas und der EU beteiligen werde. Für Italien sei die Schweiz seit je ein Land der Freiheit, der Demokratie, des Wohlstandes und der Hoffnung gewesen, sagte der Staatsgast beim offiziellen Empfang im Bundeshaus.

Er lobte die engen historischen und kulturellen Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz. Diese müssten im Interesse Europas und der Welt noch verstärkt werden.

Der Euro ist Wirklichkeit

Europa und der Euro seien für die Schweiz eine Realität, sagte Ciampi. Die geografischen Grenzen seien aufgegangen. Allein die europäische Integration könne im Zeitalter der Globalisierung Wohlstand, Sicherheit und Freiheit garantieren.

Der italienische Staatspräsident würdigte die Gastfreundschaft, die die Schweiz den Vorreitern der Unabhängigkeit Italiens im 19. Jahrhundert und den politisch Verfolgten des Faschismus gewährt hat. Auch habe die Schweiz hunderttausenden von italienischen Emigranten Arbeit gegeben.

Ciampi lobte die Schweizer Verfassung von 1848 als Modell für Europa. Ausserdem trat er für eine Verstärkung der trans-atlantischen Beziehungen ein.

Brücke zur italienischen Kultur

Bundespräsident Pascal Couchepin erklärte, die moderne Schweiz sei ohne die italienischen Mitbürger und Mitbürgerinnen nicht denkbar. Diese schlügen die Brücke zum Kulturraum der italienischen Halbinsel.

Am Mittwoch unterzeichneten Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und ihr italienischer Amtskollege Franco Frattini ein Abkommen über wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.

Der erste Tag des Staatsbesuchs ging mit einem vom Bundesrat offerierten Nachtessen im Berner Rathaus zu Ende.

Am Donnerstag besuchten Ciampi und seine Delegation das Tessin. Bei einer Rede vor Studierenden an der Universität der italienisch-sprachigen Schweiz lobte der italienische Präsident den Schweizer Föderalismus als Modell für Europa.

"Die kulturellen und sprachlichen Unterschiede und Hindernisse zwischen den europäischen Nationen sind nicht kleiner als jene, welche die Schweizer Kantone glücklich überwunden haben", sagte Ciampi. Wie die alten Eidgenossen hätten auch die heutigen Bürger der EU-Staaten den Weg der Integration gewählt. Das Beispiel Schweiz sei für Europa eine Quelle der Inspiration.

Schatten im Vorfeld

Im Vorfeld der Staatsvisite hatte die vorübergehende Festnahme zweier italienischer Parlamentarier am letzten Donnerstag in Lugano einen leichten Schatten auf Ciampis Besuch geworfen.

Die beiden Parlamentarier waren in Zusammenhang mit der mutmasslichen Schmiergeldaffäre "Telekom Serbia" auf der Suche nach Beweismaterial ins Tessin gereist. Gegen die beiden Abgeordneten und vier Begleitpersonen ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Verdachts auf verbotene Handlungen für einen fremden Staat.

Als einen "Sturm im Wasserglas" bezeichnet der Schweizer Botschafter in Rom, Alexis Lautenberg, den "Polit-Skandal".

Die Schweiz und Italien betonten, dass dieses Ereignis keinen Einfluss auf die ausgezeichneten Beziehungen zwischen beiden Ländern habe - im Gegenteil.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

1. Tag
Gespräche mit einer Delegation des Bundesrats
Ministertreffen mit Micheline Calmy-Rey und ihrem Amtskollegen Franco Frattini
Unterzeichnung eines Abkommens über die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.
2. Tag
Exkursion ins Tessin und Besuch der Universität der italienischen Schweiz.

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