IWF und Weltbank bereiten Jahrestagung vor

In Prag hat am Sonntag (24.09.) die Sitzung des Internationalen Währungs- und Finanzkomitees (IMFC) begonnen. Das politische Lenkungsorgan des IWF bereitet die Jahrestagung von IWF und Weltbank vor, die am Dienstag (26.09.) in Prag beginnen wird.

Dieser Inhalt wurde am 24. September 2000 - 12:19 publiziert

Die Schweiz ist durch Finanzminister Kaspar Villiger und Nationalbank-Präsident Hans Meyer vertreten.

Im Mittelpunkt der Beratungen unter Vorsitz des britischen Schatzkanzlers Gordon Brown steht die künftige Rolle des IWF und der Schuldenerlass für ärmste Länder.

Der neue Generaldirektor Horst Köhler wird dazu seine Vorstellungen von einer neuen Ausrichtung des Fonds auf seine Kernaufgabe, die Sicherung stabiler internationaler Finanzstrukturen, erläutern.

Er will aber auch eine starke Rolle des IWF bei der Armutsbekämpfung. Weltbankpräsident James Wolfensohn unterstrich in einem Beitrag für die Sitzung die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit von Weltbank und IWF, ohne in Konkurrenz zu einander zu treten.

Kanada will Schuldenstopp

Kanadas Finanzminister Paul Martin fordert ein sofortiges Moratorium für die Schuldenzahlungen der reformbereiten Länder, die für die Initiative zur Entschuldung der ärmsten Länder (HIPC) in Frage kommen. Dies würde einer unmittelbaren Streichung aller ausstehenden Schulden gleichkommen.

Damit würden die reformbereiten Länder ermutigt, mit ihrer integren Politik fortzufahren, sagte der Minister laut Redetext. Für alle anderen HIPC-Länder sei dies ein Anreiz, Transparenz und Rechenschaftsberichte zu verbessern sowie Korruption zu bekämpfen.

Kanada werde sich dafür einsetzen, bis Ende Jahr 20 hochverschuldete Länder zum Entscheidungspunkt über ihren Schuldenerlass zu bringen. Denn der HIPC-Prozess sei zu langsam verlaufen. Bisher seien erst die 10 Länder Benin, Bolivien, Burkina Faso, Honduras, Mali, Mauretanien, Mosambik, Tansania, Senegal und Uganda für entschuldungsreif erklärt worden.

Schweiz: Nachhaltigkeit vor Geschwindigkeit

Diesem Ansinnen steht die Schweiz skeptisch gegenüber, die an der IMFC-Sitzung durch Bundesrat Kaspar Villiger und Nationalbankchef Hans Meyer vertreten wird. Bei aller Notwendigkeit einer schnellen Entschuldung der HIPC-Länder sollte die Nachhaltigkeit des Schuldenerlasses in den Vordergrund gestellt werden.

Die Schweiz will sich dafür einsetzen, dass die Entscheidungskriterien nicht aufgeweicht werden. Laut dem IWF-Delegierten des Eidg. Finanzdepartementes, Giorgio Dhima, macht es keinen Sinn, Staaten zu entschulden, die nicht reformbereit sind, denn sonst habe man in drei Jahren wieder einen Schuldenberg und sei keinen Schritt weitergekommen.

Insgesamt verfügt die HIPC-Initiative von IWF und Weltbank über einen Betrag von 28,6 Mrd. Dollar. Davon entfallen rund 16 Mrd. auf die 10 Länder, die für entschuldungsreif erklärt wurden.

G-10 für Einbindung der Privaten

Vor der Zusammenkunft der IMFC hatte der Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger die Sitzung der Finanzminister und Notenbankgouverneure der G-10 geleitet. Sie würden unter anderem die Bemühungen des IWF unterstützen, den privaten Finanzsektor zur Verhütung und Bewältigung von Finanzkrisen einbinden zu wollen, hiess es in einem Communiqué nach der Sitzung.

Zum Vorsitzenden der G-10 für das nächste Jahr wurde der deutsche Finanzminister Hans Eichel gewählt. Der G-10 gehören die Staaten der G-7 (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Kanada) sowie die Schweiz, die Niederlande, Belgien und Schweden an.

swissinfo und Agenturen

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