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Japan-Desaster reisst Munich Re in die roten Zahlen (Zus.)

(neu: Aussagen zu Dividende, Staatsanleihen, Aktienkurs, Abstimmungsergebnis)
MÜNCHEN (awp international) - Die Katastrophen in Japan, Australien und Neuseeland haben den weltgrössten Rückversicherer Munich Re zu Jahresbeginn tief in die roten Zahlen gerissen. Infolge von Erdbeben, Tsunami, Hochwasser und Sturm werde das Ergebnis für das erste Quartal "deutlich negativ ausfallen", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard am Mittwoch bei der Hauptversammlung in München. Allein die Ereignisse in Japan dürften die Munich Re etwa so teuer zu stehen kommen wie alle Naturkatastrophen von 2010 zusammen. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand jedoch weiter mit einem Gewinn und will möglichst auch eine Dividende ausschütten.
Die Aktie rutschte nach den Neuigkeiten zunächst ins Minus und ging dann mit einem deutlich unterdurchschnittlichen Aufschlag von 1,59 Prozent auf 115,20 Euro aus dem Handel. Aktionärsschützer lobten die Geschäftspolitik des Vorstands. "Wir hoffen, dass wir wenigstens mit einem einigermassen stabilen Gewinn aus diesem Jahr herauskommen", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Kritik gab es jedoch am Aktienkurs. Das Munich-Re-Papier liegt noch immer unter dem Niveau von Mitte 2007 - dem Jahr vor der Finanzkrise.
JAPAN AM TEUERSTEN
Insgesamt erwartet der Münchner Dax-Konzern , dass er für Schäden durch Naturkatastrophen im ersten Jahresviertel mit 2,7 Milliarden Euro geradestehen muss. Dies sei gut 14-mal so viel wie im langjährigen Durchschnitt, sagte von Bomhard. Mehr als die Hälfte davon dürfte mit 1,5 Milliarden Euro auf das Erdbeben und den Tsunami in Japan entfallen. Im gesamten Vorjahr hatte die Munich Re für die Folgen von Naturkatastrophen 1,56 Milliarden Euro aufbringen müssen. Die Auswirkungen der Atomunfälle in Japan gehen an den Versicherern weitgehend vorbei, weil solche Schäden in den Policen meist ausgeschlossen sind.
Die Ereignisse in Australien und Neuseeland dürften dieses Mal mit weiteren 1,1 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Im australischen Bundesstaat Queensland hatten Überschwemmungen und der Zyklon "Yasi" schwere Schäden angerichtet. Die neuseeländische Stadt Christchurch wurde im Februar von einem Erdbeben erschüttert. Alles zusammen kostet die Munich Re nun ihren Quartalsgewinn. Ein Jahr zuvor hatte der Rückversicherer im ersten Jahresviertel noch fast 500 Millionen Euro verdient.
STEIGENDE PREISE
Angesichts der schweren Schäden rechnet die Munich Re damit, bei ihren Kunden höhere Prämien durchsetzen zu können. Die Preissteigerungen dürften "spartenübergreifend" stattfinden, sagte von Bomhard. Genaue Aussagen liessen sich jedoch noch nicht treffen. Die Erneuerung der Rückversicherungsverträge im Katastrophenland Japan und Korea hätte eigentlich zum 1. April angestanden. Allerdings hatten die Münchner die bestehenden Verträge mit einigen japanischen Kunden zunächst zu den alten Konditionen verlängert, um die Ermittlung der Schäden abzuwarten.
Schon Ende März hatte Munich Re wegen der Katastrophen ihr ursprüngliches Ziel gekippt, im Gesamtjahr einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro einzufahren. Zudem hält der Vorstand das Geld des Konzerns zusammen. Der Rückkauf eigener Aktien, der nach der Hauptversammlung in eine neue Runde hätte gehen sollen, wird zunächst nicht wieder aufgenommen.
ERGO KÄMPFT
Zu kämpfen hat auch die Konzerntochter Ergo. Der Erstversicherer musste im weltweiten Schaden-Unfall-Geschäft erneut Belastungen verkraften, wie von Bomhard sagte. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Beitragseinnahmen in dem Segment nicht ausgereicht, um die Kosten für Schäden und Verwaltung zu decken. Im Gesamtjahr soll das Geschäft jedoch besser laufen, hiess es. Ihre Quartalsbilanz will die Munich Re am 9. Mai vorlegen.
Von einem möglichen Schuldenschnitt für Griechenland sieht sich die Munich Re nicht ernsthaft bedroht. Der Dax-Konzern habe derzeit etwa drei Milliarden Euro in Staatsanleihen der angeschlagenen Länder Griechenland, Portugal und Irland angelegt, sagte von Bomhard. Dies entspreche etwa zwei Prozent der festverzinslichen Kapitalanlagen des Konzerns. Sollte es zu einem Schuldenschnitt kommen, könne die Munich Re damit umgehen.
HÖHERE DIVIDENDE
Nach dem Gewinn von 2,4 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr stimmten die Aktionäre nahezu geschlossen einer Dividende von 6,25 Euro zu. Das sind 50 Cent mehr als ein Jahr zuvor. Ausserdem ermächtigten sie das Unternehmen zum Rückkauf von bis zu zehn Prozent der ausgegebenen Aktien. Sie segneten auch erneut das im Vorjahr eingeführte Vergütungssystem für den Vorstand ab. Die Zustimmung fiel hier allerdings niedriger aus als 2010./stw/he

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