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FRANKFURT/LONDON/TOKIO (awp international) - Die weltweiten Aktienmärkte haben sich trotz der anhaltend hohen Nervosität am Dienstag weiter erholt. Börsianer verwiesen vor allem auf die Kursgewinne in Japan als Stütze. Die Erholung des Marktes dort laufe der Entwicklung in anderen Ländern voraus, hiess es von Händlerseite. Der Nikkei-225-Index startete nach einem langen Wochenende mit einem Kursplus von mehr als vier Prozent in die neue Handelswoche. Seit dem Kurseinbruch nach der Naturkatastrophe und der Angst vor einem GAU am vergangenen Dienstag hat der japanische Leitindex damit mehr als 11 Prozent an Boden wieder gut gemacht.
Die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima blieb weiter "äusserst angespannt", wie der japanische Industrieminister Banri Kaieda am Dienstag erklärte. "Es ist nach meinem Gefühl schwierig, von Fortschritten zu sprechen", fügte der auch für die Atomaufsicht zuständige Minister nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo hinzu. Die Reaktorblöcke im teilweise zerstörten AKW sollen auch in den nächsten Tagen weiter mit Wasser besprüht werden, um eine Überhitzung zu vermeiden.
LIBYEN LENKT BLICKE WEITER AUF ROHSTOFFMÄRKTE
Neben Japan bleibt die Lage in Libyen das zweite marktbeherrschende Thema. In der dritten Nacht in Folge griffen die alliierten Truppen zur Durchsetzung der UN-Resolution gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi Ziele in Libyen an. Der arabische Sender Al-Dschasira berichtete am frühen Dienstagmorgen von Attacken auf Marine-Einrichtungen in Tripolis. Auch Luftabwehrstellungen der Gaddafi-Truppen nahe der Rebellen-Hochburg Bengasi seien beschossen worden; ebenso Flughäfen in Sirte und Sebha. Der Weltsicherheitsrat lehnte einen Antrag Libyens auf eine Dringlichkeitssitzung wegen der "militärischen Aggression" durch die Koalitionstruppen ab.
Wegen der Anspannung in dem nordafrikanischen Land bleiben die Rohstoffmärkte und dort vor allem die Ölpreisentwicklung unter genauer Beobachtung. Zuletzt fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent unter 115 US-Dollar. Hierfür machten Marktteilnehmer vor allem Gewinnmitnahmen verantwortlich. Kupfer und Gold zogen hingegen weiter an.
'ANLEGER WERDEN MUTIGER'
"Die Märkte stabilisieren sich weiter", hiess es im Morgenkommentar von Close Brothers Seydler Research. Zwar sei die Lage in Japan zweifelsohne nach wie vor kritisch und es sei schwer, die verbleibenden Risiken genau zu bewerten, dennoch kämen die Anleger zurück in den Markt. "Die Anleger werden wieder mutiger." Der zweite Gefahrenherd sei Libyen, aber auch hier sollten die Risiken nicht überbewertet werden. Dennoch sei es gut zu wissen, dass die verbleibenden Volkswirtschaften von den Geschehnissen in den kritischen Regionen nicht massiv beeinträchtigt würden. Darüber hinaus habe der "Übernahme-Montag" an der Wall Street den Märkten weitere Impulse gegeben.
Getrieben von einer 39 Milliarden US Dollar schweren Übernahme von T-Mobile USA durch AT&T hatten die US-Börsen am Montag zugelegt. Zudem habe das freundliche Bild der Europabörsen am Vortag die "Street of Dreams" gestützt, sagte Marktstratege David Buik von BGC Partners.
An diesem Dienstag ging es für die asiatischen Märkte zwar fast überwiegend aufwärts. Mit einem Plus von 4,36 Prozent gewann der japanische Nikkei am deutlichsten. Sogar um 4,54 Prozent legte der breiter gefasste Topix zu. In China, Schanghai und Hongkong beendeten die Börsen den Handelstag um 0,34 bis 0,76 Prozent fester. In Europa gewannen die wichtigsten Indizes wie der EuroStoxx 50 , der Dax und der britische FTSE 100 hingegen legten nur moderat hinzu. Der deutsche Leitindex gab leicht nach.
Gerade mit Blick auf Japan hiess es, die deutlich gefallenen Kurse riefen Schnäppchenjäger auf den Plan. Bereits am Montag hatte sich der US-Börsenguru Warren Buffett geäussert und erklärt, wenn er japanische Aktien hielte, würde er sie auf jeden Fall nicht verkaufen.
YEN UNTER ANHALTENDER BEOBACHTUNG
Unterstützung gibt es auch nach wie vor auf der Währungsseite. Die japanische Währung gewann zwar wieder etwas an Wert. Die Regierung warnte unterdessen Spekulanten vor neuen Wetten auf einen steigenden Yen. Am Freitag war der Dollar wegen des Einschreitens der G7-Staaten gegen den Höhenflug der japanischen Währung um bis zu knapp acht Prozent bis auf fast 82 Yen gestiegen. Das hatte auch dem Aktienmarkt geholfen. Gleichzeitig stützt die japanische Notenbank (BoJ) die Finanzmärkte weiter mit milliardenschweren Geldspritzen. Am Dienstag seien den Banken über kurzfristige Geschäfte weitere zwei Billionen Yen (rund 17 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt worden, hiess es in Tokio. Damit setzt die BoJ die Massnahmen der vergangenen Woche fort./rum/chs/la/wiz

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