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Tokio (awp/sda/dapd/afp/dpa) - Der Nordosten Japans ist am Donnerstag erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Das Beben erreichte eine Stärke von 7,1. Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima entstanden ersten Angaben zufolge keine weiteren Schäden.
Eine Tsunamiwarnung für die Küste im Nordosten Japans wurde 90 Minuten nach dem Beben wieder aufgehoben.
Der Erdstoss am späten Donnerstagabend (Ortszeit) ereignete sich nach Angaben der Behörden in 25 Kilometer Tiefe vor der Küste der Präfektur Miyagi, etwa 65 Kilometer von der Stadt Sendai und 125 Kilometer von Fukushima entfernt. Die Stärke wurde zunächst mit 7,4 angegeben und von der US-Erdbebenwarte später auf 7,1 korrigiert.
In der Stadt Ichinoseki gerieten Gebäude heftig ins Wanken, Gegenstände fielen aus den Regalen und Möbel stürzten um. Wenig später fiel der Strom aus. Sogar in der mehr als 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio war das Beben zu spüren.
FUKUSHIMA-MITARBEITER IN SCHUTZRÄUME EVAKUIERT
Der japanischen Atomaufsicht NISA lagen nach dem Beben keine Informationen über "Anomalien" in den schwer havarierten Reaktoren in Fukushima-Daiichi vor. Die Mitarbeiter hätten sich allerdings in erdbebensichere Schutzräume zurückgezogen.
Fachleute hatten in den vergangenen Tagen mehrfach davor gewarnt, dass ein starkes Beben die ohnehin instabile Lage in den Unglücksreaktoren weiter verschärfen könnte.
Im Kernkraftwerk in Onagawa und in der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho fiel nach dem Beben die externe Stromversorgung aus, eine Versorgung per Diesel-Generator aber funktioniere, erklärte die NISA.
Von dem jüngsten Erdbeben betroffen ist dieselbe Region, die von dem Tsunami nach dem Erdstoss der Stärke 9,0 am 11. März schwer verwüstet worden war. Seitdem wurde die Region von mehr als 1'000 Nachbeben erschüttert.
SUCHE NACH TSUNAMI-OPFERN IM SPERRGEBIET
Bergungstrupps suchten unterdessen an der verwüsteten Nordostküste verstärkt nach Todesopfern. Hunderte Polizisten und Soldaten rückten am Donnerstag aus, um Leichname zu finden, bevor die Opfer bis zur Unkenntlichkeit verwest sind. Die Katastrophe kostete vermutlich über 27'000 Menschen das Leben.
Vor allem in der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi hatte radioaktive Strahlung die Suche bislang verzögert.
Im AKW ist das Leck mittlerweile gestopft, durch das radioaktives Wasser ins Meer strömte. Am Donnerstag begannen Techniker mit der Einleitung von Stickstoff in Reaktor 1.
Damit soll die Gefahr weiterer Wasserstoffexplosionen verringert werden, die kurz nach dem Tsunami Reaktorgebäude gesprengt hatten. Innerhalb der nächsten sechs Tage soll das Gas in alle drei problematischen Reaktorblöcke gepumpt werden.
GEFAHR NICHT GEBANNT
Gefahr geht weiterhin auch von der Strahlung rund um das beschädigte Atomkraftwerk aus. Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo vom Donnerstag soll nun ein unbemanntes US-Flugzeug die Strahlenbelastung über dem Meiler prüfen.
Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, die Behörden prüften, ob die Bewohner der Evakuierungszone für kurze Zeit in ihre Häuser zurückkehren und nach dem Rechten sehen könnten.
ASIEN FÜRCHTE SICH VOR RADIOAKTIVER WOLKE
In Asien wuchs die Furcht vor tödlichen Strahlen aus Japan. Südkorea schloss aus Angst vor radioaktivem Regen mehrere Schulen, die Behörden rieten den Menschen von Aktivitäten im Freien ab.
Unterdessen zeichnen sich die Auswirkungen der Erdbebenkatastrophe und ihrer Folgen auf das japanische Wirtschaftsklima immer stärker ab. Die Notenbank stufte am Donnerstag ihre Prognose herab und beliess zugleich den zur Ankurbelung der Konjunktur herabgesetzten Leitzins bei praktisch Null.

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