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MÜNCHEN (awp international) - Das Erdbeben und der Tsunami in Japan haben dem weltgrössten Rückversicherer Munich Re das Gewinnziel zerschlagen. Der Vorstand schätzt, dass das Unternehmen für die Schäden mit 1,5 Milliarden Euro vor Steuern geradestehen muss. Das Ziel, in diesem Jahr einen Konzerngewinn von 2,4 Milliarden Euro zu erreichen, sei daher nicht mehr zu halten, teilte der Münchner Konzern am Dienstagabend mit. Die Schadenprognose für Japan sei noch sehr unsicher. Wegen der starken Zerstörung, möglicher weiterer Nachbeben und schwieriger Aufräumarbeiten werde es noch viele Wochen dauern, bis die Schäden erfasst seien. Die Atomunfälle dürften die Versicherungsbranche allerdings kaum belasten.
Der Kurs der Munich-Re-Aktie gab nachbörslich nach. Bei Lang & Schwarz lag das Papier gegen 20 Uhr 1,36 Prozent im Minus bei auf 108,50 Euro. Das Gewinnziel der Munich Re hatte bereits nach Erdbeben und Überschwemmungen in anderen Teilen der Welt im Januar und Februar auf der Kippe gestanden.
SCHWER GETROFFEN
Die Kette der Katastrophen in Japan trifft den Dax-Konzern Munich Re deutlich schwerer als seinen Schweizer Mitbewerber Swiss Re. Der weltweit zweitgrösste Rückversicherer aus Zürich hat seine Belastung auf 1,2 Milliarden US-Dollar (846 Mio Euro) geschätzt. Das Swiss-Re-Management schloss am Montag jedoch nicht nicht aus, dass es seine Prognose im Nachhinein "erheblich" anpassen muss. Die Hannover Rück hat zu ihrer Belastung noch keine Angaben gemacht.
Bei der Munich Re schlägt vor allem durch, dass der Rückversicherer in Japan Anlagen und Gebäude von Industrie- und Geschäftskunden versichert hat. Aus diesem Bereich stamme der Grossteil der Schäden, hiess es. Die Schadensprognose stammt allerdings alleine aus Modellrechnungen, weil die konkreten Schadensmeldungen bislang fehlen.
In vielen Versicherungsfällen muss die Munich Re den Angaben zufolge erst dann einspringen, wenn bei einem versicherten Kunden hohe Schadensummen erreicht sind. Die tatsächliche Belastung stelle sich daher erst später heraus. Zudem ist noch offen, wie sich Produktionsausfälle in japanischen Unternehmen auf die internationalen Warenströme und Lieferketten auswirken. So klagen Handyhersteller und Autobauer in Europa bereits über fehlenden Nachschub. Auch für solche Fälle haben Unternehmen Versicherungen abgeschlossen. Für Wohngebäude gibt es in Japan ein staatliches Versicherungsprogramm, das durch einheimische Erstversicherer gedeckt wird.
KATASTROPHEN-QUARTAL
Für die Rückversicherungsbranche kommt es seit Jahresbeginn knüppeldick. Schon das Erdbeben in der neuseeländischen Stadt Christchurch im Februar, die Überschwemmungen in Brisbane in Australien und der Zyklon Yasi, der Anfang Februar an Australiens Nordküste eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte, dürften die Munich Re nach bisherigen Angaben 1,1 Milliarden Euro kosten.
Zusammen mit dem Japan-Beben liege die Grossschadenslast nun bei über 2,5 Milliarden Euro vor Steuern und übersteige damit das zu erwartende Ausmass bereits bei weitem, rechneten die Münchner nun vor. Die Munich Re hat die übernommenen Risiken zwar teilweise an andere Rückversicherer abgegeben. Diese Beträge sind bei den Schätzungen jedoch schon herausgerechnet. Eine neue Prognose für den Konzerngewinn wagte der Vorstand zunächst nicht.
ATOMUNFÄLLE TREFFEN VERSICHERER NICHT
Klar scheint, dass die Assekuranz kaum für die Unfälle in den Atommeilern in Fukushima geradestehen muss. Der Swiss Re zufolge sind die Folgen von Erdbeben, Feuer nach Erdbeben und Tsunami bei der Versicherung von Kernkraftwerken in Japan ausgeschlossen. Dies gelte sowohl für die Versicherung der Anlagen selbst als auch für die Haftpflichtversicherung, die sonst für die Schäden an Menschen und Unternehmen einspringen müsste. Auch die Munich-Re-Führung erwartet, dass die Unfälle im Atomkraftwerk Fukushima die Versicherer nicht nennenswert treffen./stw/ksb

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