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Tokio (awp/sda/afp/rtd/dpa/dapd) - Japan scheint den Kampf gegen den drohenden Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima 1 zu verlieren. Nach gescheiterten Versuchen, die heiss gelaufenen Reaktoren zu kühlen, drohten am Mittwoch zwei von vier Reaktoren zu überhitzen und damit eine Kernschmelze auszulösen.
Experten warnten vor einer massiven Verstrahlung, sollte es in den nächsten 48 Stunden nicht gelingen, das Wasserniveau im Abklingbecken der gebrauchten Brennstäbe von Reaktor 4 zu heben.
Da sich die Brennstäbe dann "quasi an der freien Luft" befänden, würde die Strahlung so hoch sein, dass jeder weitere Einsatz in der Anlage unmöglich würde, warnte das französische Institut für Atomsicherheit IRSN. Zudem könnten sich die Brennstäbe selbst entzünden, sollte das Wasser in dem Abklingbecken weiter sinken.
Zunächst hatten die AKW-Betreiber versucht, mit Militärhelikoptern Wasser in den Reaktoren 3 und 4 nachzufüllen. Nachdem dieser Einsatz jedoch wegen der hohen Strahlung und böigen Winden abgesagt werden musste, sollte ein Wasserwerfer der Polizei eingesetzt werden.
Am Morgen hatte sich zudem im Gebäude von Reaktor 3 erneut eine Explosion ereignet. Dabei könnte der Reaktor nach Angaben der Regierung beschädigt worden sein. Auch in den abgeschalteten Blöcken 5 und 6 gab es Probleme. Experten erwarteten eine Erhitzung der Brennelemente. In den Blöcken 1 und 2 lagen die Brennstäbe bereits teilweise frei.
Die Internationale Atomenergieagentur IAEA zeigte sich erstmals frustriert über Japan und verlangte detaillierte und schnellere Informationen. IAEA-Chef Yukiya Amano kündigte an, er werde so schnell wie möglich selbst nach Japan fliegen und danach eine Sondersitzung des Gouverneursrats, dem IAEA-Leitungsgremium, einberufen.
Nach Einschätzung der EU ist die Lage faktisch ausser Kontrolle. EU-Energiekommissar Günther Oettinger befürchtet in den nächsten Stunden "weitere katastrophale Entwicklungen".
Am Mittwochmorgen hatten die 50 Techniker des Notteams vorübergehend die Atomanlage verlassen, da ein starker Anstieg der Strahlung gemeldet worden war. Als sich diese Meldung als falsch herausgestellt habe, seien die Arbeiter wieder zurückgekehrt, teilte die Betreiberfirma Tepco mit.
Regierungssprecher Yukio Edano sagte, die Strahlung vor Ort schwanke stark, bleibe aber auf einem gesundheitsgefährdenden Niveau. Die Behörden der Präfektur Ibaraki, südlich von Fukushima, sprachen von einer Strahlung, die das 300-fache des Normalen betragen habe.
Wie ernst die Lage ist, zeigte eine Fernsehansprache des Kaisers Akihito, der sich gewöhnlich nur zu offiziellen Anlässen zeigt. Er sprach seinem Volk Mut zu. Die Lage sei "unvorhersehbar". "Ich hoffe aufrichtig, dass wir verhindern können, dass sich die Situation verschlimmert", sagte der in Japan hochangesehene Kaiser.
Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, Yuhei Sato, sagte dem Fernsehsender NHK, es fehle in den Notlagern an Nahrung und Treibstoff. "Die Sorge und Wut der Menschen in Fukushima haben ihre Grenze erreicht", warnte er. Im Umkreis von 20 Kilometern rund um das AKW waren mehr als 200'000 Menschen in Sicherheit gebracht worden.
Ein Kälteeinbruch und Schneefall verschärften die Notlage der Erdbeben-Opfer zusätzlich. Tausende Menschen mussten in den Trümmern ihrer Siedlungen ausharren. In der Nacht waren die Temperaturen deutlich unter null Grad gefallen.
Die Rettungskräfte haben die Hoffnung so gut wie aufgegeben, in den Trümmern noch Lebende zu finden. Die offizielle Zahl der Todesopfer stieg am Mittwoch auf 4'277, wie die Polizei mitteilte.
Bei den Vermissten gingen die Angaben weit auseinander. Während die Polizei von 8194 Vermissten sprach, ging Regierungschef Naoto Kan von mehr als 10'000 aus. Die Regierung hat 80'000 Rettungskräfte im Einsatz, unter ihnen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute.
mk

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