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Jean Ziegler räumt das Katheder

Wozu ist ein Intellektueller gut? - Über diese Frage referierte Jean Ziegler in seiner letzten Vorlesung.

(Keystone)

Mit 66 Jahren tritt der berühmte Schweizer Soziologe und Polemiker Jean Ziegler von seiner Professur an der Universität Genf zurück.

Im Vorwort zu einem seiner Bücher erzählt Jean Ziegler, dass nach der Veröffentlichung von "Die Schweiz wäscht weisser" nicht weniger als sieben Bankiers, Financiers und Wirtschaftsanwälte "in fünf verschiedenen Ländern gerichtlich gegen mich vorgingen, die Zahlung von Entschädigung und Zinsen von über 24 Millionen französischen Francs verlangten" (rund 6 Millionen Schweizer Franken).

In wenigen Zeilen beschrieb der in Frankreich bekannteste Schweizer sein Leben als "das Leben eines von der Macht des Geldes bedrängten Revolutionärs in einem der konservativsten Länder der Welt". Nach dreissig Jahren als Professor ging der frühere sozialdemokratische Nationalrat Jean Ziegler am 30. Mai 2002 in Pension.

Seine Abschiedsvorlesung an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Genf trug den Titel "Die Welt verstehen - die Welt verändern: Wozu ist ein Intellektueller gut?".

Ab jetzt wird der Berner Soziologe sein Mandat als Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung in Vollzeit wahrnehmen.

Internationale Ausstrahlung

Es war sicher sein Werk "Eine Schweiz über jeden Verdacht erhaben", das den Soziologen und grossen Kenner von Schwarzafrika und Brasilien über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt machte.

Er wird wohl immer jener Mann der Linken bleiben, der es wagte, gegen den Filz der internationalen Finanzwelt im Allgemeinen und der Schweiz im Besonderen anzuschreiben.

Der streitbare Soziologe nennt Summen, beschreibt Bankkonten. Und wenn es in Wirklichkeit ein wenig anders ist, kümmert ihn das wenig. Beim Sturz des nächsten afrikanischen oder südamerikanischen Diktators werden - wie immer in derartigen Situationen - viele Reporter gebannt an den Lippen von "Genosse Jean" hängen.

Der warmherzige, sympathische, immer zugängliche erfolgreiche Schriftsteller hat bei den Genferinnen und Genfern immer Beifall gefunden.

Ein Bewunderer von Che

Die Menschen in der Deutschschweiz dagegen haben diesem Vertreter der sozialistischen Internationale nie das gleiche Ansehen entegegengebracht wie jene in der Romandie. Seine Kandidatur für den Nationalrat auf der Liste der Zürcher Jungsozialisten (Juso) 1999 war eine totale Pleite. Ziegler erhielt nicht einmal 2% der Stimmen, als er damit wieder einen Sitz anstrebte.

"Als ein ehemaliger Student mir sagte, dass er Vermögensverwalter sei, wurde mir ganz schlecht", erzählte der Soziologieprofessor kürzlich in einem Interview. Mit 66 Jahren glaubt Ziegler, der mit der kommunistischen Genfer Abgeordneten Erica Deuber-Poli verheiratet ist, noch immer an seine Revolution: "Ich hege eine grenzenlose Bewunderung für alle, die den Mut haben, wie Che ihr Leben für ihre Überzeugungen aufs Spiel zu setzen."

Ian Hamel

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