Jeder Zweite unzufrieden mit Papstwahl

Draussen vor der Tür: Der neue Papst ist gegen die Ordination von Frauen. Keystone Archive

Eine neue Umfrage zeigt, dass die Hälfte der Schweizer Bevölkerung nicht zufrieden ist mit der Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger zum Papst.

Dieser Inhalt wurde am 23. April 2005 - 11:33 publiziert

Eine grosse Mehrheit ist auch gegen seine Haltung zum Zölibat, zur Empfängnisverhütung und zum Ausschluss von Frauen vom Priesteramt.

20% der Befragten finden die Wahl "gar nicht gut" und 29% "weniger gut", wie aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demoscope hervorgeht.

Das Institut befragte im Auftrag der Fernsehsendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens am 20. und 21. April 1012 Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren.

Empfängnisverhütung praktisch unumstritten

Nur 20% finden die Wahl Ratzingers "gut" und lediglich 8% betrachten diese als "sehr gut". Über 80% der Befragten finden, der Papst solle die Heirat von katholischen Priestern erlauben. 13% sprechen sich für die Beibehaltung des Eheverbots aus.

Drei Viertel der Befragten spricht sich für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt aus, fast 20% sind dagegen. Bei der Empfängnisverhütung sprechen sich 86% für eine Erlaubnis aus. 7% finden, diese solle verboten bleiben.

Auf "jungen" Papst gehofft

Zu ähnlichen Ergebnissen hatte eine Befragung vor der Wahl des Papstes am 18. April geführt. Damals erhofften sich rund drei Viertel der Katholiken in der Schweiz, dass ihr künftiges geistiges Oberhaupt innerhalb der Kirche fortschrittlichere Positionen vertritt als sein Vorgänger Johannes Paul ll.

Auch damals sprachen sich grosse Mehrheiten zudem für eine Aufhebung des Zölibats und für die Zulassung der Frauen zum Priesteramt aus. Eine Mehrheit wünschte sich einen Papst, der nicht älter als 60 ist.

Den aussenpolitischen Weg von Karol Wojtyla sollte der neue Papst dagegen weiterführen, wie die Befragung weiter zeigte. Von ihm erwarteten über 90% der Schweizer Katholiken, dass er sich "in die Weltpolitik" einmischt und gegen jede Art von Krieg protestiert.

Historische Amtseinführung

Am Sonntag werden in Rom mehr als 200 Staatsgäste aus aller Welt und eine halbe Million Menschen zur Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. erwartet. Drei Wochen nach dem Tod von Johannes Paul II. erhält Joseph Ratzinger bei einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz die Insignien der päpstlichen Macht - das Petrinische Pallium und den Fischerring.

Rund 7000 italienische Sicherheitskräfte sollen am Sonntag für den Schutz der Gäste sorgen. Wie schon bei der Beisetzung Johannes Pauls wird der Luftraum über dem Vatikan gesperrt. Die US-Luftwaffe stellt erneut mehrere Aufklärungsflugzeuge zur Verfügung, um einen möglichen terroristischen Angriff aus der Luft verhindern zu helfen.

swissinfo und Agenturen

Fakten

49% der Befragten lehnen die Wahl von Joseph Ratzinger ab, 28% stimmen ihr zu.

81% sind gegen ein Zölibat, 13% dafür.

76% wünschen eine Ordination von Frauen, 19% lehnen sie ab.

86% glauben, dass die Empfängnisverhütung erlaubt werden soll, 7% wollen das Verbot beibehalten.

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In Kürze

Die Umfrage führte das Meinungsforschungs-Institut Demosope im Auftrag es Schweizer Fernsehens SF DRS vom 20. bis 21. April durch.

Befragt wurden 1012 über 15-jährige Schweizerinnen und Schweizer (704 Deutschschweizer, 206 Romands und 102 Tessiner).

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