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Journalistische Ethik wird ein Thema

Die Borer-Serie in der Ringierpresse wird die Diskussionen um journalistische Ethik und Qualitätssicherug verstärken. Diese Meinung teilen der Zürcher Soziologe Kurt Imhof und der Berner Medienwissenschaftler Roger Blum.

"Ein Pyrrhus-Sieg für Ringier", bringt Kurt Imhof sein Urteil über den bundesrätlichen Entscheid, Thomas Borer als Berliner Botschafter abzuziehen, auf den Punkt. "Es wird jetzt zu Mediendiskussionen kommen", sagt der Soziologe und meint damit etwa die Frage, was Medien dürfen.

Auch der in Bern lehrende Medienwissenschaftler Roger Blum sagt, dass die Affäre um Borer dem medienethischen Diskurs hierzulande einen Schub geben wird. "Alle Medien werden sich künftig überlegen, ob sie eine solche Geschichte bringen", meint er.

Blum macht auch handwerkliche Fehler aus - etwa, dass der Betroffene anfänglich nicht befragt wurde. Hier zeige sich ein Qualitätsproblem.

Skandalisierungslogik

Aus der Perspektive des Boulevard-Journalismus habe sich Borer ideal verhalten, sagt Imhof: In der Skandalisierungs-Logik sei es am besten, wenn sich ein Opfer wehre. "Dann kann man die Geschichte verarbeiten und bewirtschaften." Neu ist für Imhof, dass die "ganze Medienarena" die Skandalisierung übernommen hat.

Solche Skandalisierungen könnten sich indes als Eigentor erweisen. Die Medien schadeten dadurch ihrem Image, sagt Daniel Cornu, Leiter des Westschweizer Medienausbildungs-Zentrums. Sie riskieren zudem, dass ihnen das Parlament wieder feindlicher begegne. Dem stimmen Imhof und Blum zu.

Es sei denkbar, dass im Rahmen der aktuellen medienpolitischen Diskussionen die Rufe nach einer stärkeren Regularisierung der Printmedien lauter werden, sagt Imhof.

Für Imhof hat der Bundesrat innenpolitisch falsch entschieden - selbst wenn er "ohne Zweifel aussenpolitische Gründe hatte". Indirekt jedoch gebe die Landesregierung der Ringierpresse Recht. Ein "Schwächebeweis" ist der bundesrätliche Entscheid auch für Daniel Cornu.

Dass die Politik auf Themen reagieren muss, die Medien vorgeben, ist nicht neu. «Diese defensive Politik datiert aus den 70-er Jahren», sagt Imhof. Damals begann sich die Parteipresse aufzulösen. Themen zu setzen und Diskussionen vorzustrukturieren - darin sieht auch Blum die heutige Macht der Medien.

Politik fällt Entscheide

Die Entscheide würden aber immer noch von den Politikern gefällt, hält der Berner Medienwissenschafter fest. Medien könnten nur dann Einfluss nehmen, wenn sie tatsächlich auf einen wunden Punkt stiessen. "Veränderungen bewirken sie nur, wenn die politischen Verantwortlichen gleich denken."

swissinfo und Agenturen

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