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Jugendliche begingen mehrheitlich leichte Delikte

Jugendliche müssen meist nur wegen Bagatellfällen vor Gericht.

(Keystone)

In der Schweiz wurden Jugendliche und Kinder im Jahr 2002 meist wegen leichten Delikten wie Kiffen, Diebstahl oder Schwarzfahren verurteilt.

Der Anteil von Gewaltdelikten betrug nur gut 10% und blieb damit stabil, wie aus der Statistik hervorgeht.

Jugendliche und Kinder wurden im letzten Jahr in insgesamt 13'000 Fällen verurteilt. Davon gingen knapp 10'500 Urteile auf die Kappe von Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren, derweil der Rest Kinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren betraf. Dies geht aus der am Montag vom Bundesamt für Statistik (BfS) veröffentlichten Strafurteils-Statistik 2002 hervor.

Weitere Fakten: Vier Fünftel aller Urteile erfolgten allein wegen Diebstahls oder Drogendelikten. Fast zwei Drittel der verurteilten Minderjährigen sind schweizerischer Nationalität.

Mit Zahlen gegen Bilder ankämpfen

"Im aktuellen Diskurs, wo manchmal davon ausgegangen wird, dass fast jeder Jugendliche ein Gewalttäter sei, zeigen unsere Zahlen, dass Kinder und Jugendliche meist wegen Bagatelldelikten wie Schwarzfahren, Kiffen und Diebstählen verurteilt werden", relativiert Daniel Fink vom Bundesamt für Statistik.

2002 sei es zu 1371 Verurteilungen von Gewalttaten Jugendlicher gekommen, wovon 893 Fälle Körperverletzungen betroffen hätten. "Der grösste Teil davon waren Tätlichkeiten, Raufereien und Drohungen. Dies zeigt den relativ geringen Anteil an Jugendgewalttaten auf", so Fink gegenüber swissinfo.

Weitere Relativierung: Gewalttaten Jugendlicher seien grösstenteils mit leichten Massnahmen wie Verweisen, Arbeitsleistungen und Bussen geahndet worden.

Einzelereignisse nicht verallgemeinern

Fink zieht bei der Herstellung ungerechtfertigter Bilder auch Teile der Medien in die Pflicht. "Bei den Boulevard-Medien sind im Kriminalitätsbereich Bad News die Good News." Schwere Einzelereignisse würden aber oft nicht richtig eingeordnet.

"Es wäre beispielsweise auch wichtig zu sehen, dass Jugendliche immer noch viel häufiger Opfer von Gewalttaten Erwachsener werden", sagt Fink weiter. Die Opferhilfe habe sich im letzten Jahr mit 5537 Fällen von Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene befassen müssen.

94% Diebstähle, Kiffen und Strassenverkehr

Laut BfS haben die Verurteilungen durch Jugendanwaltschaften, Jugendgerichte und zuständige kantonale Stellen seit Beginn der Statistik 1999 nur leicht zugenommen. 42% aller geahndeten Fälle waren Vermögensdelikte, wovon zwei Drittel Diebstähle und ein Drittel Sachbeschädigungen.

An zweiter Stelle folgten mit 40% Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dabei ging es in neun von zehn Fällen um den Konsum. 12% der Strafurteile wurden wegen Strassenverkehrsdelikten gefällt, meist wegen Fahrzeug-Diebstahls zum Gebrauch und wegen Schwarzfahrens.

31% der Urteile zogen einen Verweis, 28% eine Arbeitsleistung und 19% eine unbedingte Busse nach sich. In 5% der Fällen wurde eine bedingte, in 2% eine unbedingte Einschliessung verfügt.

Täter vor allem männliche Schweizer

Rund vier Fünftel der Strafentscheide betrafen im letzten Jahr Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, die übrigen Kinder ab sieben Jahren. Ebenfalls gut vier Fünftel der Verurteilten sind männlich.

Von den verurteilten Minderjährigen waren 62% schweizerischer Nationalität, gegenüber 54% bei den Erwachsenen. 31% waren in der Schweiz wohnhafte Ausländer, 4% Asylsuchende und weitere 4% Ausländer ohne Wohnsitz in der Schweiz.

Die in der Schweiz wohnhaften ausländischen Minderjährigen werden proportional gesehen öfter verurteilt als ihre Schweizer Altersgenossen und -genossinnen. Bei ihnen beträgt die Verurteilungsrate 2%, bei Schweizerinnen und Schweizern 1%. Insgesamt liegt die Rate bei 1,3%.

swissinfo und Agenturen

Fakten

2002: Jugendliche und Kinder in 13'000 Fällen verurteilt

Nur 11% Gewaltdelikte, sonst meist Bagatell-Delikte

62% der Delikte von Schweizern begangen

Vier Fünftel der Urteile gegen männliche Jugendliche

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In Kürze

Die Gewaltbereitschaft von Schweizer Jugendlichen ist gemäss jüngsten Erhebungen nicht angestiegen. Im vergangenen Jahr war nur eine von zehn geahndeten Straftaten ein Gewaltdelikt.

Am häufigsten wurden Jugendliche wegen Drogenkonsums und Diebstahls verurteilt, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte.

Der Anteil der Gewaltdelikte verharrte 2002 mit elf Prozent auf dem Niveau der Jahre 1999 bis 2002. Laut BFS ist auch kein Anstieg der schweren Gewalttaten festzustellen.

2002 waren rund zwei Drittel der Gewaltdelikte Körperverletzungen. Bei einem Viertel handelte es sich um Drohungen oder Nötigung.

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