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Jugendsport: Rotstift bei Fördermassnahmen

Jugend und Sport im Dienst der Jugend: Mehr als 60 Sportarten werden gefördert.

(Bundesamt für Sport)

Auch die Jugend bekommt die Sparmassnahmen des Bundes zu spüren: Die Beiträge zum Programm Jugend + Sport werden um 5 Mio. Franken gekürzt.

Dass Bundesrat und Parlament gerade bei der Sportförderung den Rotstift ansetzen, hat auch Kritik ausgelöst.

Die Schweizer sind ein bewegungsfaules Völkchen. Jeder dritte Einwohner ist übergewichtig; jeder 20. Einwohner sogar fettleibig. Dieses Phänomen betrifft alle Bevölkerungsgruppen, auch Kinder.

Eine Studie der ETH Zürich ergab im Jahr 2003, dass 16,7% der Kinder zwischen 6 und 12 Jahren zu viele Kilos mit sich herumschleppten. Bei 3,8% stellte man gar Fettleibigkeit fest.

Falsche Ernährung und zuviel Stress können für diesen Besorgnis erregenden Zustand verantwortlich sein. Aber auch ein Übermass an Videospielen in der Freizeit und der daraus resultierende Bewegungsmangel werden als Begründung angeführt.

Laut Schätzungen erzeugen Übergewicht und dessen Folgen für die Gesundheit jährlich Kosten von 1 bis 2 Mrd. Franken. Und diese Kosten könnten paradoxerweise noch ansteigen, da der Bund seine Beiträge für das Förderprogramm Jugend und Sport kürzt.

Mehr als 500'000 machen mit

Ob Synchronschwimmen oder Fussball, Snowboard oder Karate: Das nationale Programm "Jugend + Sport" (J + S) fördert mehr als 60 Sportarten für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren.

Und das Programm ist erfolgreich: Von den 900'000 Jugendlichen in der Schweiz ist mehr als die Hälfte in einer Disziplin von J + S aktiv. Einige können sich dank der Unterstützung zu Leistungssportlern ausbilden. Für viele Jugendliche ist es aber einfach eine gute Möglichkeit, sich fit zu halten.

Die Zukunft des Förderprogramms sieht allerdings nicht rosig aus. Im Rahmen der Sparmassnahmen hat das eidgenössische Parlament im Dezember beschlossen, die Bundeszuschüsse für J + S um 5,2 Mio. Franken im Jahr zu kürzen.

Doch im Parlament gibt es auch kritische Stimmen. Der Walliser CVP-Nationalrat Christophe Darbellay findet es absurd, dass der Staat Millionen in die Gesundheitsprävention pumpt, aber bei der Förderung von Sportaktivitäten spart.

Nur in wenigen Glücksfällen kommt überraschend das Schicksal zu Hilfe, wie beim Skisport. Ein Unbekannter hat gerade einige Mio. Franken für die Förderung des Jugend-Skisports gespendet. Dies wird wohl die Ausnahme bleiben.

Kantone müssen mehr geben

"Wir müssen J + S unbedingt erhalten", sagt Maximilan Reimann, SVP-Ständerat und Präsident der parlamentarischen Gruppe Sport, gegenüber swissinfo. Die Frage dürfe aber gestellt werden, wer diese Fördermassnahmen finanzieren soll.



Gemäss Reimann erhalten die Kantone im Rahmen des Finanzausgleichs künftig mehr Mittel. Sie könnten daher ihren Anteil am Programm J + S erhöhen und für die Eidgenossenschaft in die Bresche springen.

Eine schrittweise Dezentralisierung ist auch vom Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport aus dem Jahr 1972 vorgesehen, das den Anstoss zum Programm J + S gab.

Regionale Ungleichheiten

Eine stärkere Umverteilung der Kosten zu Lasten der Kantone schürt jedoch Ängste. Denn ärmere Kantone werden mit der Finanzierung mehr Mühe haben als reiche. Und bekanntlich haben viele Kantone bereits jetzt grosse Schwierigkeiten mit ihrem Budget.

Die Folge könnte ein Ausdünnen der J + S-Programme oder eine stärkere Beteiligung der Jugendlichen sein. "Bis jetzt haben wir es geschafft, unser Programm so anzupassen, dass die Jugendlichen nicht darunter gelitten haben", sagt ein Verantwortlicher von J + S, der anonym bleiben will. Doch wenn Bern den Sparkurs beibehalte, könne sich das Blatt schon bald wenden.

swissinfo, Marzio Pescia
(Aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Fakten

500'000 Jugendliche nehmen an J + S-Aktivitäten teil.
Das Entlastungs-Programm des Bundes sieht insgesamt Einsparungen von 6 Mrd. Franken vor.
Folge: Jährlich 5,2 Mio. Franken weniger in der J + S-Kasse.

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In Kürze

Das Jahresbudget des Förderungsprogramms Jugend und Sport beträgt zirka 60 Mio. Franken.

54 Mio Franken gehen direkt an Sportvereine. Der verbleibende Betrag wird zur Ausbildung von Trainern und Lehrern verwendet. Das ganze Budget wird vom Bund getragen.

Zur Zeit steuern die Kantone zusätzlich 12 Mio. Franken bei. Das Geld wird für Infrastrukturen oder Büros von J+S verwendet.

Die Einsparungen von 5,2 Millionen Franken könnten der Anfang eines nachlassenden Engagements des Bundes zu Gunsten des Jugendsports sein.

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