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Kanadier gestaltet Schweizer Skigebiete

Paul Mathews analysiert die Pisten rund um Melchsee-Frutt.

(swissinfo.ch)

Die Schweizer Skigebiete müssen sich modernisieren, um im harten Wettbewerb weiter bestehen zu können. Einige vertrauen auf die Hilfe eines Kanadiers.

swissinfo traf sich mit dem Skigebiet-Designer Paul Mathews und fragte ihn nach seiner Evaluation der Schweizer Skigebiete nach seinen Eindrücken.

Mathews und seine Firma, Ecosign, spielten eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des kanadischen Skiortes Whistler sowie bei vielen erfolgreichen Skiorten auf der ganzen Welt. Whistler wird die alpinen Skiveranstaltungen bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver beherbergen.

Ecosign hat Skigebiete in mehr als 20 Ländern gebaut oder umgestaltet. Die Firma ist unter anderem auch in Russland am Bau einer Multimilliarden-Dollar-Skiregion in der Nähe von Sochi beteiligt, wo der russische Präsident Wladimir Putin ein Ferienhaus besitzt.

Die Skigebiete von Zermatt, Verbier und Davos zählen zu den Schweizer Kunden von Mathews. Zudem hat er einen Masterplan präsentiert für die Bildung einer Mega-Skiregion, in der die Region Titlis mit den Regionen Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg verbunden werden soll.

swissinfo: Wehalb sehen Sie für Schweizer Skigebiete ein grösseres Wachstumspotenzial als es die Schweizer sehen?

Paul Mathews: Wir Kanadier sind halt viel optimistischer als die Schweizer. Diese fühlen sich eingeschränkt, weil das zur Verfügung stehende Land limitiert, der Markt klein ist - und somit auch das Potenzial. Für mich als Kanadier ist das Glas halb voll, die Schweizer betrachten es als halb leer.

swissinfo: Ihre Firma, Ecosign, ist aktiv beim Bau oder der Weiterentwicklung von Skigebieten in mehr als 20 Ländern. Wo stufen Sie die Schweizer Skigebiete auf einer globalen Skala ein?

P.M.: Ich habe drei Sichtweisen: Die Berge und die Schneekonditionen sind mehr oder weniger exzellent hier – Weltklasse. Zweitens: Die Schweizer sind gute Manager. Was ich aber vermisse, und dies versuche ich hier einzubringen, ist eine übergreifende Planung und Organisation.

Sie (die Schweizer) realisieren ihre Sachen in kleinen Schritten. Oft treten dann auch Koordinationsmängel zu Tage, wenn neue Infrastruktur zu erstellen ist. Die Lifte führen nie so weit nach oben, dass man eine Verbindung zum nächsten Lift hat. Oder die Skipiste hat eine flache Partie, die man durchlaufen muss. Dies ist nicht sehr komfortabel, wenn man ein Snowboarder oder schlechter Skifahrer ist.

swissinfo: Die Schweizer sind neidisch über den Erfolg der österreichischen Skigebiete, welche in den vergangen Jahren schwarze Zahlen schreiben konnten, während die Besucherzahlen in der Schweiz stagnierten oder sogar zurück gingen. Sind die österreichischen Skigebiete einfach besser?

P.M.: Die Österreicher sind den Schweizern zehn Jahre voraus bei der Erkenntnis, was man tun muss, um mit der Zeit zu gehen. Doch ich finde, es hat in vielen österreichischen Skiorten zu viele Leute auf den Pisten.

So ersetzen sie zum Beispiel einen Zweier-Bügellift mit einem Zweier-Sessellift, dann folgen die Dreier-Sessel, dann die Vierer und schliesslich vielleicht die Achter – und all dies, ohne je die Abfahrten zu verbreitern oder mehr Pisten zu bauen.

Die Österreicher bewegen sich in Richtung eines industrialisierten Tourismus. Deshalb bevorzuge ich wohl etwas zwischen den beiden.

swissinfo: Wie schwierig ist es, die Schweizer davon zu überzeugen, einem Aussenseiter zuzuhören?

P.M.: Zuerst lachten sie über meine Ideen, wie wenn es sich um eine Art Spass handeln würde. Doch jetzt, mit den Referenzen von führenden Schweizer Skigebieten, habe ich viel mehr Glaubwürdigkeit. Heute heisst es: "Das ist derjenige, der diesen Platz gemacht hat." Mein Ruf eilt mir nun voraus.

swissinfo: Mit welchen Methoden analysieren Sie die Gebiete?

P.M.: Wir verlassen uns stark auf technische Hilfsmittel. Wir benutzen topografische Karten, um Computermodelle zu machen, und wir haben spezielle und exakte Tests für Exposition und Neigung, Lawinenrisiko und Windrichtung.

Wir messen auch die bestehende Infrastruktur um zu sehen, wie ausgewogen sie ist: Die Restaurant-Kapazität sollte der Sessellift-Kapazität entsprechen, diese sollte zur Anzahl Betten passen, die wiederum mit der Zahl der Skipisten oder Parkplätzen in Einklang stehen sollte.

Alles sollte zusammenspielen, doch das tut es selten. Jede allzu grosse Investition in den einen oder andern Bereich ist mehr oder weniger vergeudet.

swissinfo: Die Schweiz hat viele asiatische und amerikanische Besucher im Sommer, doch wenige im Winter. Weshalb?

P.M.: Schlecht geplante Investitionen sind teuer und es ist unvermeidlich, die Kosten auf die Konsumenten überzuwälzen. Japanische Skifahrer können in Whistler, Kanada, für etwa 1200 Franken eine Woche Ferien machen. Es würde sie drei Mal mehr kosten, in die Schweiz zu kommen.

swissinfo: Sie entwerfen jeweils einen Masterplan für ein Gebiet. Dieses soll während eines Zeitraums von 20 Jahren solid wachsen. Doch welche Art von Ski-Industrie wird es in 20 Jahren noch geben, wenn sich die Voraussagen von wärmeren Wintern wegen der Klimaerwärmung bewahrheiten?

P.M.: Meine Meinung ist: Es wird in den Alpen oberhalb von 1400, 1600 Metern zum Skilaufen sicher sein. Das Problem ist, dass viele kleine Kinder in tiefer gelegeneren Gebieten näher bei ihrem Wohnort Skifahren lernen.

Und das wird eine Herausforderung sein, wenn diese Orte "verschwinden". Dazu kommt: Wenn in Städten wie Luzern, Zürich oder Bern kein Schnee mehr fällt, werden die Leute die Lust verlieren, in die Berge Ski fahren zu gehen. Das beunruhigt mich mehr als der Verlust von kleinen, tief gelegenen Skigebieten.

swissinfo-Interview, Dale Bechtel
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Fakten

Paul Mathews von Ecosign ist einer der führenden Skigebiet-Planer.
Die Firma hat eine Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung einiger Schweizer Skigebiete wie Davos, Zermatt und Flims-Laax-Falera.
Ecosign erarbeitet Machbarkeitsstudien und Masterpläne um Skigebiete neu zu erstellen oder bestehende weiterzuentwickeln.

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