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Kantone verstärken Kampf gegen Borkenkäfer

Borkenkäfer lassen, hier im Churer Rheintal, nur noch Baumskelette zurück.

(Keystone)

2003 hat der Borkenkäfer den Schweizer Wäldern stark zugesetzt. Jetzt haben die Kantone eine Strategie für den Kampf gegen den Borkenkäfer vorgestellt.

Aus Kostengründen wurden Prioritäten gesetzt: Schutzwälder in Bergregionen geniessen oberste Aufmerksamkeit.

Den grossen Fichten (Rottannen), die einen Hauptteil der Schweizer Wälder ausmachen, setzt ein kleines Tierchen besonders zu: Der Borkenkäfer. Dieser frisst sich unter die Rinde und legt dort seine Eier ab.

Das bedeutet für Bäume, die geschwächt sind - sei es durch Stürme oder Trockenheit - das Todesurteil. Denn das Fressen und Raspeln in der Rinde unterbindet den Stofftransport von der Krone zu den Wurzeln.

Im letzten Jahr bescherten die Borkenkäfer dem Wald in der Schweiz infolge der sommerlichen Rekordhitze ein Katastrophenjahr. Insgesamt 2 Mio. Kubikmeter befallenes Fichtenholz mussten geschlagen werden. Experten gehen davon aus, dass dem Borkenkäfer bis ins Jahr 2006 insgesamt 4 bis 4,5 Mio. Kubikmeter Holz zum Opfer fallen.

Kein Superrezept, aber...

"Es gibt keine neue, sensationelle Bekämpfungsmethode gegen den Borkenkäfer. Trotz der Anstrengungen der Kantone ist es bis heute nicht gelungen, das 'Grounding' der Borkenkäfer herbeizuführen", sagte Walter Schwab, Präsident der Konferenz der Kantonsförster (KOK) und Chef des Amtes für Wald, Jagd und Fischerei des Kantons Freiburg, am Freitag in Bern vor den Medien. "An Bilder von rot verfärbten Wäldern müssen wir uns gewöhnen."

Dennoch sind die Kantonsförster aber weit davon entfernt, vor dem kleinen, zahlenmässig aber überlegenen Feind der Bäume zu kapitulieren. Weil sie davon ausgehen, dass auch im laufenden Jahr grosse Schäden bevorstehen, haben die Kantonsförster eine Strategie erarbeitet, die in einem differenzierten Risikomanagement besteht.

Gezielte regionale Bekämpfung

"Risikomanagement heisst, dass es keine flächendeckende, einheitliche Strategie bei der Käferbekämpfung gibt. Das Risiko eines Käferbefalls kann örtlich und zeitlich sehr unterschiedlich sein", erklärte Schwab.

Mit der Beschränkung auf gezielte, regionale Eingriffe fangen die Kantone die Kürzungen der Bundesgelder für den Kampf gegen den Käfer auf. Denn infolge des Entlastungsprogramms wurde das Waldgesetz geändert.

Nachdem der Bund in den letzten Jahren insgesamt 85 Mio. bezahlte, 45 Mio. allein im letzten Jahr, werden es 2004 nur noch 18 Mio. Franken sein.

Beim Risikomanagement steht im Vordergrund, dass die Prävention des Befalls, die Bekämpfung des Käfers sowie die Wiederherstellung des Waldes lokal und regional differenziert beurteilt werden.

Einen Monat Zeit zum Handeln

"Wir schauen beispielsweise bei uns im Kanton Freiburg, ob es grossen Käferbefall gibt, wo es gefährdete Fichtenbestände hat, die eine wichtige Schutzfunktion haben gegen Steinschlag, Erosion und Hangrutsche", erläutert Schwab zum Vorgehen. Falls die Förster befallene Bäume entdeckten, werde sofort der Waldeigentümer informiert.

Danach bleibe rund 4 Wochen Zeit für eine Intervention, so Schwab. "Das heisst entweder die Bäume sofort fällen und abtansportieren oder sie entrinden und die Rinde verbrennen, damit die Käfer nicht mehr ausfliegen können."

Risikobestimmung in "Geländekammern"

Zum Risikomanagement gehört laut Schwab eine Risikoabschätzung, in der die langfristigen Auswirkungen des Käferbefalls auf die Funktion des Waldes geprüft würden. Weiter werden so genannte "Geländekammern" definiert, in denen bestimmte Faktoren wie die Häufigkeit von Tannen und Fichten, Trockenstandorte oder die Interessen des Waldbesitzers bestimmt werden.

Neben dem Setzen von Prioritäten, die in den meisten Fällen beim Schutzwald liegen, umfasst die Strategie auch den optimalen Einsatz der knappen Ressourcen.

Folge der Priorisierung ist, dass Wälder, welche Dörfer und Verkehrswege vor Lawinen und Felsstürzen schützen, für Bund und die Kantone beim Kampf gegen den Schädling Vorrang haben. Die Waldbesitzer müssten im Kampf gegen die zerstörerischen Käfer in aller Konsequenz unterstützt werden, fodert Schwab. Sei kein Schutzwald betroffen, sei die Initiative der Eigentümer gefragt.

Borkenkäfer hätten dort leichtes Spiel, wo der Wald seine Vitalität und Stabilität eingebüsst habe, sagte der Walliser Kantonsförster Christian Werlen. Als Gründe zählte er die Überalterung des Baumbestandes, zu dichten Wuchs, mangelnde Artenvielfalt und meteorologische Extremereignisse der letzten Jahre auf.

Fatale Folgen

Was passiert dort, wo aus Prioritäts- oder Kostengründen der Borkenkäfer nicht bekämpft wird? Laut Beat Forster, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf, verjünge sich der Wald auf natürliche Art und mit grosser Dynamik. "Viele Bäumen sterben auf einmal ab und brechen in den Folgejahren zusammen."

swissinfo, Renat Künzi

Fakten

Der Sturm Lothar von 1999 hat die Verbreitung des Borkenkäfers stark begünstigt (viel Fallholz, geschwächte Bäume).

Der Hitzesommer und die Trockenheit haben 2003 zur explosionsartigen Vermehrung des Schädlings geführt.

In den letzten Jahren gaben Bund und Kantone je 85 Mio. Franken für den Kampf gegen den Borkenkäfer aus.

2004 zahlt der Bund noch 18 Mio. Franken.

Die Kantone haben deshalb beim Bund einen Notkredit verlangt.

Das Entlastungsprogramm des Bundes sieht vor, bei der Forstwirtschaft bis zum Jahr 2006 rund 50 Mio. Franken einzusparen.

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In Kürze

2003 war ein Rekordjahr, was den Baumbefall durch Borkenkäfer angeht.

Insgesamt zählten Förster 17'000 neue Infektionsherde. Über 2 Mio. Kubikmeter Fichtenholz mussten geschlagen werden.

Die Kantone befürchten 2004 einen ähnlich schlimmen Befall.

Die am meisten betroffenen Kantone sind Graubünden, Aargau, Solothurn, Bern, Freiburg, Luzern, Zürich und Thurgau.

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