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Zürich (awp) - Das als spätzyklisch geltende Lagerlogistik-Unternehmen Kardex hat im Geschäftsjahr 2010 die Folgen der Wirtschaftskrise noch nicht komplett abgeschüttelt und ist in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen will sich nun mit einer Kapitalerhöhung frisches Geld zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und für weiteres Wachstum beschaffen. Vor diesem Hintergrund müssen die Aktionäre auf eine Dividende verzichten.
Der Gruppenumsatz stieg im vergangenen Jahr um knapp 4% auf 356 Mio EUR. Der Spätzykliker war deutlich später in die Rezession gerutscht, als andere Unternehmen der Industriebranche. Kardex-CEO Jos de Vuyst sprach bei der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag von "mindestens einem Jahr". Der Auftragseingang zum Jahresende wurde mit einem Plus von einem Fünftel auf 391 Mio EUR ausgewiesen.
Das Betriebsergebnis (EBIT) rutschte im vergangenen Jahr ins Minus und liegt bei -6,4 Mio EUR nach einem Gewinn von 6,3 Mio EUR im Vorjahreszeitraum.
Auf der untersten Zeile der Erfolgsrechnung resultierte ein Verlust von 9,8 Mio EUR nach einem kleinen Gewinn von 0,8 Mio EUR im Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Wie bereits im Vorjahr, müssen die Aktionäre auf eine Dividende verzichten.
KAPITALERHÖHUNG GEPLANT
Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und zur Erhöhung der finanziellen Flexibilität will das Unternehmen die Schaffung von genehmigtem Kapital beantragen. Damit soll ermöglicht werden, dass die Ende Juni 2011 fällige Wandelanleihe von 55 Mio CHF je rund zur Hälfte durch die Ausgabe neuer Aktien und durch eine Fremdfinanzierung abgelöst werden kann.
"Die Kapitalerhöhung wird rund 50% des bestehenden Aktienkapitals betragen", sagte Verwaltungsratspräsident Leo Steiner. Die gegenwärtige Eigenkapitalquote von 30% sei zu wenig. Ziel sei es, über eine Quote von 40% zu verfügen.
Der Grossaktionär bei Kardex, die der Unternehmerfamilie Buhofer gehörende private Beteiligungsgeseschaft Buru, will die Kapitalerhöhung mittragen. "Wir machen mit und je nach Kapitalerhöhungsmodell gehen wir sogar darüber hinaus", sagte Philipp Buhofer. Buru verfüge gegenwärtig über etwas mehr als 20% an Kardex. Nach Darstellung von Buhofer laute der Antrag an die Generalversammlung auf 30,9 Mio CHF zu schaffendes genehmigtes Kapital.
Im umsatzstärksten Geschäftsbereich Remstar sanken die Verkaufszahlen um 3,4% auf 192,8 Mio EUR. Als Ursache wird die langsame Erholung der Nachfrage in Europa und in Nordamerika ausgemacht. Im Semestervergleich übertraf der Segmentumsatz im zweiten Halbjahr 2010 die ersten sechs Monate um ein Drittel.
Der Geschäftsbereich Stow erzielte mit knapp 136 Mio EUR rund 5,5% weniger Umsatz. Ursache seien Überkapazitäten und hoher Preisdruck in den meisten Märkten.
Der ab Mai 2010 konsolidierte Geschäftsbereich Mlog steuerte in den acht Monaten seit der Integration knapp 28 Mio EUR zum Gruppen-Umsatz bei. Der tiefe Auftragsbestand zum Akquisitionszeitpunkt hätten auf dem Ergebnis von Mlog gelastet.
AUFSCHWUNG SICHTBAR
Das Management sieht jedoch den Gesamtkonzern wieder im Aufschwung. "Wir erwarten im 1. Quartal des laufenden Jahrs einen Auftragseingang, der 35% über dem des 1. Quartals 2010 liegt", sagte Konzernchef Jos de Vuyst. Der Auftragseingang der ersten drei Monate dürfte weiteren Angaben zufolge rund 25% über dem des vierten Quartals 2010 liegen.
Der Markt für Lagersysteme wachse wieder und die Auftragseingänge kommen nach Darstellung des CEO überwiegend aus Asien und Europa. Nordamerika hinke etwas hinterher.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management eine Umsatzsteigerung im Rahmen des Marktwachstums sowie eine Verbesserung der Profitabilität.
Die Titel stehen am Mittag deutlich unter Abgabedruck und verlieren in einem etwas leichteren Gesamtmarkt um mehr als 8%. Die Geschäftszahlungen haben aus Sicht der Experten enttäuscht und die Kapitalerhöhung habe überrascht.
ps/rt

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