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Keine Gnade für häusliche Gewalt

Amnesty's Mobil gegen häusliche Gewalt auf der Tour de Suisse. 

(Amnesty International)

Zum Internationalen Tag der Frau hat Amnesty International am Dienstag die Kampagne "Mobil gegen häusliche Gewalt" gestartet.

Ein Wohnmobil wird bis Mitte Oktober in sechs Kantonen Halt machen. Ziel der Tour: Sensibilisierung der Bevölkerung, hauptsächlich der Männer und Jugendlichen.

Mit einer symbolischen Aktion auf dem Waisenhausplatz in Bern hat die Schweizer Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) am Dienstag eine Aktionstournee gegen häusliche Gewalt gestartet.

Am 8. März, dem Internationalen Tag für die Rechte der Frau, geht ein Wohnmobil der Organisation auf Reise. Es macht bis im Oktober Station in den Kantonen St. Gallen, Schwyz, Jura, Wallis, Graubünden und Tessin.

Mit der Aktionstournee soll die Öffentlichkeit für die Thematik der Gewalt in den eigenen vier Wänden sensibilisiert werden. Auf die Behörden soll Druck erzeugt werden, damit diese verstärkt Massnahmen gegen häusliche Gewalt ergreifen: Geld für Frauenhäuser, Täterprogramme, Schulung von Fachpersonen, Präventionsarbeit an Schulen und vieles mehr.

"Wer seine Frau schlägt, ist kein Mann"

Mit einem Schlag auf den "Power-o-meter" - bekannt als "Hau den Lukas" - lancierte am Dienstag in Bern AI-Generalsekretär Daniel Bolomey die Aktion. Der "Power-o-meter" dient dazu, besonders Jugendlichen und Männern ihre körperliche Kraft aufzuzeigen und sie zu ermutigen, sich gegen häusliche Gewalt stark zu machen.

"Wer seine Frau schlägt, ist kein Mann." Mit dieser Aussage wies Bolomey darauf hin, dass Männlichkeit nicht automatisch den Einsatz von Gewalt bedeute und dass Männer dieses Männerbild fallen lassen müssten.

In der Schweiz, wie auch in anderen Ländern, gebe es zwar zunehmend Gesetze gegen häusliche Gewalt. "Aber diese Gesetze greifen noch zu wenig", bedauerte Kampagnenkoordinatorin Stella Jegher. "Vielen Leuten sind sie gar nicht bekannt." Und die strafrechtlich verfolgten Delikte seien nur die Spitze des Eisbergs.

Gewalt gegen jede 5. Frau

Gemäss AI ist häusliche Gewalt die alltäglichste Verletzung der Menschenrechte: Jährlich würden Zehntausende von Frauen weltweit an den Folgen häuslicher Gewalt sterben. In der Schweiz ergebe die Auswertung von Medienberichten rund vierzig Todesopfer pro Jahr.

Schläge, Psychoterror und sexuelle Gewalt gehörten für viele Menschen zum Alltag in den eigenen vier Wänden, in der Schweiz beispielsweise für jede fünfte Frau. Hinter "heilen Fassaden" würden tagtäglich grundlegende Menschenrechte verletzt.

Mit einer aufgemalten "heilen Fassade" präsentiert sich das AI-Wohnmobil. Auch im Innern herrscht auf den ersten Blick eine heile Welt; öffnet man aber die diversen Schränke und Schränkchen, so finden sich dahinter erschreckende Zeugen von Gewalt: von einem Ledergürtel über eine Rasierklinge bis zu Küchenmesser und Pistole.

"Jetzt muss ich gehen"

Auch ein Ausländerinnen-Ausweis ist zu sehen, versehen mit der Notiz: "Ohne mich hast du hier sowieso keine Chance." In einem anderen Schränkchen sind Alkoholika aufgereiht, da Alkohol bei häuslicher Gewalt oft eine Rolle spielt. Auch ein Koffer steht bereit: "Da wusste ich, jetzt muss ich gehen", heisst es dazu.

In den Kantonen, in denen das AI-Wohnmobil Halt macht, finden zahlreiche Strassenaktionen, öffentliche Veranstaltungen und Workshops an Schulen zum Thema häusliche Gewalt statt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Gemäss AI sterben jedes Jahr zehntausende von Frauen infolge häuslicher Gewalt. Allein in Russland sind es beispielsweise 14'000 Opfer.
Für die Schweiz gibt es keine Statistiken, aber AI geht von rund 40 Todesfällen jährlich aus.
Jede fünfte Frau wird einmal in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt. Darunter fallen Drohungen, Erpressungen, Schläge und sexuelle Gewalt.
Die volkswirtschaftlichen Kosten werden auf 400 Mio. Franken geschätzt.

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In Kürze

Die häusliche Gewalt ist in der Schweiz seit 1. April 2004 ein Offizialdelikt.

Die Behörden müssen also von Amtes wegen ermitteln, ohne vorgängige Anzeige.

Es wird zwischen physischer, psychischer, sexueller und wirtschaftlicher Gewalt unterschieden.

St. Gallen war der erste Kanton der Schweiz, der die häusliche Gewalt als Offizialdelikt erklärt hat.

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