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Keine Türen mehr aus illegalem Tropenholz

Der Vertrag soll verhindern, dass illegal geschlagenes Tropenholz zu Schweizer Türen verarbeitet werden. (Bild: Gabun, WWF)

Die Schweizer Türenfabrikanten wollen auf Tropenhölzer zweifelhafter Herkunft verzichten. Dies vereinbarte die Branche in einem Vertrag mit Greenpeace und WWF Schweiz.

Im Kampf gegen den Raubbau an Regenwäldern verpflichtet sich die Branche, nur noch zertifizierte Hölzer einzukaufen.

Jährlich werden in der Schweiz gut 400'000 Türen hergestellt, davon 60% aus Holz aus den Regenwäldern. Damit hält die Türenbranche einen Marktanteil von 30% an den Tropenholzimporten in die Schweiz.

Die Schweizer Umwelt-Organisationen Greenpeace und WWF hatten die heimische Holzbranche schon lange aufgefordert, auf die Verarbeitung von Tropenhölzern ohne Gütesiegel zu verzichten.

Keine Nachhaltigkeit

Hölzer ohne zertifizierte Herkunftslabel stammen meist aus illegaler Abholzung des Urwaldes, welche einerseits für Flora und Fauna eine Katastrophe ist, andererseits grosse Landstriche erodierter Landschaftsflächen zurücklässt.

Auch kommt der Profit nicht der einheimischen Bevölkerung zu gut, sondern wandert in die Taschen von grossen Holzkonzernen.

Die Schweizer Regierung will den Handel mit Tropenholz nicht einfach verbieten, sondern über Nachhaltigkeit in die gewünschten Bahnen leiten. Das bedeutet, der Schutz der Wälder soll über den Markt erfolgen, wie das auch die Internationale Tropenholz-Organisation (ITTO) anstrebt.

Die Unterzeichnung des Abkommens zwischen den Türen-Fabrikanten und den Umwelt-Organisationen beendet nun zweijährige Verhandlungen, welche unter Federführung des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) standen.

Die im Verband Schweizerische Türenbranche (VST) zusammengeschlossenen Betriebe verpflichten sich, künftig kein Tropenholz mehr aus unklarer oder gar illegaler Herkunft zu verwenden. Stattdessen wollen sie schrittweise nur noch Hölzer einkaufen, die aus umwelt- und sozialverträglich bewirtschafteten Wäldern kommen und die über die entsprechenden Gütesiegel verfügen.

Gegenseitige Zugeständnisse

Keine Verbote, sondern freiwillige Massnahmen, lautet der Grundsatz, auf dem der Vertrag basiert.

Die in vielen Ländern verbreitete illegale Holznutzung unterwandere die nachhaltige Waldnutzung, steht im Abkommen. Die Umweltverbände akzeptierten ihrerseits das Interesse der Wirtschaft am Rohstoff Holz, solange die Nutzung ökologischen und sozialen Kriterien folge.

FSC-Gütesiegel

Die Türfabrikanten einigten sich auf den FSC-Standard. Das Holz mit diesem Label stammt aus Wäldern, die nach den Vorschriften des Forest Stewardship Council (FSC) umwelt- und sozialverträglich bewirtschaftet werden.

Nebst dem Herkunftsnachweis wird im Abkommen von den VST-Mitgliedern auch eine Produkte-Deklaration verlangt, die unter anderem über die Holzart Auskunft gibt.

"Hand und Fuss"

Freiwillige Zusammenarbeit kann laut dem seco mehr bewirken als Verbote. "Das Abkommen sollte wegweisend sein", sagte Hans-Peter Egler, Ressortleiter Handels- und Umweltkooperation im seco, am Montag vor den Medien. Es sei das erste seiner Art in Europa zwischen der Importbranche und Umweltorganisationen.

Das Zustandekommen des Abkommens sei nicht selbstverständlich gewesen, sagte Stefan Füglister, Kampagnenleiter bei Greenpeace. Der Prozess sei für alle anstrengend gewesen. Das Abkommen sei kein Feigenblatt, es habe Hand und Fuss, so Füglister. Deshalb werde sich Greenpeace für die Umsetzung einsetzen.

Kein Tropfen auf heissen Stein

Lobende Worte fand auch Hans-Peter Fricker, Geschäftsleiter von WWF Schweiz: "Das Abkommen sprengt in mehrerer Hinsicht Grenzen." Der WWF hoffe auf eine Signalwirkung und auf Nachahmer in den verschiedensten Ländern. Was der VST schaffe, sollten auch andere Tropenholz-Verarbeiter schaffen.

Eine Hoffnung, der sich VST-Präsident Roger Herzig anschloss: "Wenn dieses Abkommen keine Nachahmer findet, dann ist es ein Tropfen auf einen heissen Stein." Das Problem des Raubbaus könne nur in Zusammenarbeit von Politik, Umweltverbänden und Industrie beseitigt werden.

Kritische Konsumenten

Der Bund unterstütze solche privatwirtschaftlichen Abkommen, machte Egler den seco-Standpunkt klar. Damit könne man den Konsumenten in der Schweiz entgegenkommen, die für zertifizierte Produkte sensibilisiert seien.

Das seco fördert die Exportkapazitäten für Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Tropenwäldern sowie die Zertifizierung von Hölzern und Holzprodukten.

Als Meilenstein für diese Politik wertet es auch die viertägige Jahreskonferenz der Internationalen Tropenholz-Organisation, die am Dienstag in Interlaken im Berner Oberland beginnt.

Schwerpunkt der Tagung ist der nachhaltige Tropenholzhandel. Insbesondere sollen neue Wege für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Tropenwälder ausgelotet und die internationale Zusammenarbeit gestärkt werden.

swissinfo und Agenturen

Fakten

90% der 1,2 Mrd. Menschen, die in bitterster Armut leben, brauchen den Tropenwald in irgendeiner Art, um ihre Bedürfnisse zu decken.
Jedes Jahr werden weltweit 190 Mio. Kubikmeter Tropenholz geschlagen.
Die Schweiz importiert 30'000 Kubikmeter.
60% der in der Schweiz verbauten Türen sind aus Tropenholz.

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In Kürze

1983 gab es ein erstes internationales Abkommen zum Schutz der am meisten gefährdeten Waldgebiete in den Tropen.

Am Erdgipfel in Rio 1992 wurde Nachhaltigkeit als Grundprinzip für den Schutz des Regenwaldes in die Agenda 21 aufgenommen.

Im Mai 2000 wurde das United Nations Forum of Forest (UNFF) gegründet.

An der UNFF-Konferenz vom Mai 2004 schlug die Schweiz eine internationale Konvention über Tropenwälder vor.

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