Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Kinder kommen noch zu kurz

Kinder haben in der Schweiz kaum Mitsprache- und andere Rechte.

(Keystone)

In der Schweiz geht es Kindern im internationalen Vergleich gut. Und doch gibt es gravierende Mängel kritisieren die UNO und andere Organisationen.

Die UNO-Kinderrechts-Konvention ist der am häufigsten ratifizierte Menschenrechts-Vertrag überhaupt. Die Schweiz hat ihn als letztes europäisches Land 1997 ratifiziert. Jetzt - fünf Jahre danach - musste die Schweizer Regierung vor dem UNO-Kinderrechts-Ausschuss erstmals über ihre Umsetzungs-Schritte berichten.

Und heute - fünf Jahr danach - hapert es immer noch damit. Zu diesem Schluss kommen die UNO und gegen 50 inländische Nichtregierungs-Organisationen (NGOs), die ihre Kritik in einem sogenannten "Schattenbericht" dargelegt haben.

Enttäuschte UNO

"Ich war sehr enttäuscht, dass der Bericht an die UNO für die Schweiz nicht eine Gelegenheit ist, um uns zu sagen, dass sie die Vorbehalte zurückziehen will", sagte die israelische Expertin Judith Karp.

Die Vorbehalte der Schweiz betreffen u.a. das Recht auf Familien-Nachzug, die elterliche Gewalt und die Trennung von Minderjährigen und Erwachsenen in Haft. Die UNO-Experten kritisierten, dass die Schweiz den Kantonen zehn Jahre zugesteht, bis diese die Kinderrechts-Konvention in diesem Punkt respektieren müssen.

Kritik an föderaler Umsetzung

Das UNO-Gremium forderte weiter, dass die Umsetzung der Konvention vereinheitlicht wird. Die Experten halten die unterschiedliche Handhabung in den Kantonen für diskriminierend. "Als ich den Bericht der Schweiz las, hatte ich den Eindruck, es handle sich um 26 Länder", sagte der thailändische Experte Saisuree Chutikul.

Kritisiert wurden auch der Mangel an Krippenplätzen, das schweizerische Schulsystem mit seinen langen Mittagspausen, das eine Berufstätigkeit der Eltern erschwert, sowie fehlendes Datenmaterial.

Antwort: Zusammenarbeit verbessert

Der Leiter der Schweizer Delegation, Nicolas Michel, sagte zur Umsetzung der Konvention, die Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen sowie unter den verschiedenen Ministerien sei verstärkt worden. Zudem habe sich die Lage der Kinder in der Schweiz verbessert, seit im Januar 2000 das neue Scheidungsrecht in Kraft trat.

Kritikpunkte der Nichtregierungs-Organisationen

In ihrem "Schattenbericht" kritisieren die NGOs auch, dass es in der zivilisierten Schweiz nach wie vor kein Gesetz gibt, das die Körperstrafe und andere erniedrigende Behandlungen von Kindern ausdrücklich verbietet.

Kind als Armutsrisiko

Als weiteren Punkt führen die NGOs an, dass immer mehr Familien an den Rand des Existenz-Minimums gedrängt werden. Ein Kind werde so zum Armutsrisiko. In der Schweiz seien etwa 190'000 Kinder - also bis zu 12% aller Minderjährigen - vom Mangel an ausreichenden finanziellen Mitteln betroffen.

Die mangelnde Integration von ausländischen Kindern und minderjährigen Asylsuchenden wird ebenfalls kritisiert. Dieser Umstand zeige sich unter anderem darin, dass diese Kinder überdurchschnittlich häufig in Sonderklassen vertreten seien. Auch die Frage der Einschulung sei in der Praxis nur ungenügend geregelt.

Kinder sollten mehr Möglichkeiten haben, ihre Anliegen vorzubringen, fordern die Autoren des Berichts vom UNO-Kinderrechts-Komitee: Denn die zahlreichen Kinderparlamente seien praktisch ohne Einfluss. In die Entscheidungs-Prozesse der Erwachsenen könne so nicht wirksam eingegriffen werden.

Kein Bundesamt für Familienfragen

Einen Hauptgrund für diese Probleme sieht die Generalsekretärin von Pro Familia, Lucrezia Meier-Schatz, in der "fehlenden nationalen Politik für Kinder." Die Schweiz sei das einzige Land ohne ein Bundesamt für Jugend- und Familienfragen.

Zu den am "Schattenbericht" beteiligten NGOs gehören unter anderem die Schweizer Sektion von Amnesty International, das UNICEF-Komitee, Pro Juventute, die Schweizerische Flüchtlingshilfe und die Kinderlobby Schweiz.

Die Konvention von 1989 garantiert den Kindern unter anderem das Recht auf ein Leben ohne Hunger und Armut, das Recht auf eine qualifizierte Bildung sowie das Recht auf Schutz vor Krankheiten, einschliesslich Aids, sowie vor Kriegen und vor der Zerstörung der Umwelt.

swissinfo und Agenturen


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.