Kirche geräumt -Papierlose "verlegt"

In einer Nacht- und Nebelaktion wurde die Kirche St. Paul geräumt. Anwesend waren nur noch Sympathisanten. Keystone Archive

Die Polizei hat in der Nacht auf Samstag (25.08.) die St. Paul-Kirche in Freiburg geräumt. Die Papierlosen befinden sich laut Angaben des Unterstützungs-Komitees in Sicherheit. 21 Sympathisanten der Papierlosen wurden zur Identifizierung auf den Polizeiposten gebracht und anschliessend wieder freigelassen.

Dieser Inhalt wurde am 25. August 2001 - 11:20 publiziert

Gemäss Jean Kunz vom Unterstützungs-Komitee für die Papierlosen sind die aus der Kirche geschafften Personen ausschliesslich Sympathisanten. Diese hatten eine Menschenkette gebildet und leisteten nur passiven Widerstand. Die Sympathisanten stammen laut Polizei mehrheitlich nicht aus dem Kanton Freiburg. Unter ihnen befand sich kein Papierloser.

Räumung in früher Morgenstunde

Die Sicherheitskräfte hätten gegen 3 Uhr früh interveniert. "Dies zeigt den Mut unserer Behörden. Sie wagten nicht, tagsüber zu handeln, vor den Journalisten", sagte Kunz. Am Freitag hatten über 80 Sympathisanten der Sans papiers, unter ihnen die Nationalräte Patrice Mugny (Grüne/GE), Josef Zisyadis (POP/VD), Liliane Chappuis (SP/FR), Ruth-Gaby Vermot-Mangold (SP/BE) sowie der Westschweizer Sänger Michel Buehler den Zugang zum Pfarreigebäude blockiert.

Die Papierlosen befänden sich in Sicherheit, erklärte er weiter. "Sie wurden nach der polizeilichen Intervention umverlegt". 30 der 84 Papierlosen, die die Kirche besetzt hatten, befinden sich nun im Zentrum für moderne Kunst Fri-Art in der Altstadt. Eine Gruppe von rund 20 Papierlosen haben in Wohnungen von Ingenbohl-Schwestern Unterschlupf gefunden. Hier sind seit einiger Zeit bereits Familien aus dem Kreis der Kirchenbesetzer untergebracht.

Bischof erleichtert

In einer ersten Stellungnahme zeigte sich der Freiburger Bischof Bernard Genoud erleichtert über den gewaltlosen Verlauf der Räumung. Sein Pressesprecher Nicolas Betticher teilte mit, es sei immer das Bestreben des geistlichen Oberhaupts gewesen, eine Polizeiaktion zu vermeiden.

Ein letzter Mediations-Versuch des Bischofs sei aber am Montag gescheitert. In einem solchen Falle müsse der Rechtsstaat respektiert werden. Die Intervention von Oberamtmann Deiss sei gerechtfertigt gewesen.

Bischof Genoud werde sich weiterhin für die Papierlosen einsetzen. Dabei sei aber jeder Einzelfall zu prüfen und eine Globallösung abzulehnen. Einzig die Prüfung der Einzelfälle könne einerseits Willkür und andererseits die Ungerechtigkeit einer Globallösung verhindern. Die Schweizerische Bischofskonferenz werde sich des Problems annehmen und ihre Stellungnahme am 6.September bekannt geben.

Die Kirche St. Paul und die übrigen Räumlichkeiten der Pfarrei bleiben über das ganze Wochenende geschlossen. Die Messe vom Sonntag wird in einer anderen Kirche unweit von St. Paul gelesen.

Kampf für gerechte Sache

Die Papierlosen-Bewegungen in Lausanne und La Chaux-de-Fonds haben die Polizeiaktion in Freiburg bedauert und verurteilt. Sie bekräftigten, der Kampf für die Anliegen der Sans papiers gehe weiter.

Für Sandra Antrilli von der Lausanner Papierlosen-Organisation "En quatre ans on prend racine", die hinter der Kirchenbesetzung durch Papierlose in Lausanne steht, zeigt die Polizeiaktion den Willen, soziale Bewegungen zu kriminalisieren.

Das sei traurig, doch mache sie sich für die Zukunft keine Sorgen, sagte Antrilli: "Die Sache ist gerecht". Und je hartnäckiger man in der Sache bleibe, desto mehr Sympathisanten würden sich finden. Nach der Räumung der Kirche in Freiburg sei der politische Kampf wichtiger denn je.

Sans-Papiers wünschen Globallösung

Rund 80 Papierlose hatten am vergangenen 4. Juni Räumlichkeiten der Pfarrei besetzt. Sie verlangen eine kollektive Lösung für alle Papierlosen der Schweiz. Justizministerin Ruth Metzler hatte mehrmals festgehalten, eine solche Globallösung komme für den Bundesrat nicht in Frage. Die Kantone könnten die Härtefälle dem Bund zur individuellen Überprüfung übergeben.

Der Kanton Freiburg hatte die Dossiers von 21 Kirchenbesetzern und 15 weiteren Papierlosen den Bundesbehörden übergeben. Das Unterstützungskomitee reichte nach eigenen Angaben unterdessen eine weitere Liste von 19 möglichen Härtefällen bei den Freiburger Behörden ein.

swissinfo und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen