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Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Marc Rich (links) und Josef Estermann.

(swissinfo.ch)

Die Schweizer Prominenz hat sich für die Begnadigung des umstrittenen Financiers Marc Rich eingesetzt. In Briefen wurde Bill Clinton um die Begnadigung Richs ersucht.

Das Westschweizer Magazin "L'Hebdo" veröffentlicht in seiner jüngsten Ausgabe vom Donnerstag Briefe des Zürcher Stadtpräsidenten Josef Estermann und des UBS-Konzernleitungsmitglieds Pierre de Weck. In diesen vom vergangenen 4. Dezember datierten Briefen wird Präsident Bill Clinton um die Begnadigung von Rich ersucht.

Dank für Wohltätigkeit?

Ähnliche Schreiben haben laut dem Magazin auch die frühere Rektorin der Universität Zürich, Verena Meyer, der Basler Kunsthändler Ernst Beyeler, der ehemalige Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes und alt Korpskommandant Kurt Bolliger sowie der Genfer Bankier Michael de Picciotto an Clinton verfasst.

Rich habe ihn angefragt, ob er bereit sei, seine soziale und kulturelle Tätigkeit zu bestätigen, sagte Estermann. Im Brief an Clinton schrieb Estermann, Rich sei ein "ehrlicher, aufrechter Bürger" und habe sich seit vielen Jahren wohltätig engagiert und damit verdienstvoll für Institutionen eingesetzt.

Er kenne drei Bereiche von Richs Engagement für die Allgemeinheit, sagte Estermann. Der Unternehmer finanziere die Doron-Stiftung, die jährlich Preise für mehrere 100'000 Franken an kulturelle und soziale Institutionen oder Personen verleihe.

Zudem sei Rich ein "spendabler und grosszügiger Mäzen und Donator" zugunsten von Charity-Veranstaltungen der jüdischen Gemeinden in der Schweiz. Rich betreibe auch Kultur-Sponsoring, beispielsweise für die Internationalen Musikfestwochen Luzern oder die Zürcher Tonhalle.

Ein Brief zugunsten einer Person wie Rich sei eher selten, sagte Estermann. Er habe aber in seiner Amtszeit schon einige Schreiben zur Unterstützung von Begnadigungsgesuchen - oft auf Anfrage von Amnesty International - verfasst, erklärte der SP-Politiker.

Estermanns Pressesprecher, Dominik Schaub, präzisierte, dass der Stadtpräsident den Brief nicht direkt an Clinton abgeschickt, sondern dem US-Anwalt Jack Quinn für dessen Begnadigungsdossier zugunsten Richs zur Verfügung gestellt habe.

Auf die Passage über die Wiedergutmachung von vorgeworfenem Unrecht durch Geldleistungen angesprochen, räumte Estermanns Sprecher ein, dass dies nur wohlhabenden Leuten möglich sei. Das vorgeworfene Unrecht liege aber fast 20 Jahre zurück und betreffe ein Steuerdelikt, das in der Schweiz nicht strafbar sei. Schaub erinnerte auch an die Verjährungsfristen.

Prominente Hilfe

Pierre de Weck, UBS-Konzernleitungsmitglied, bestätigte auf Anfrage, dass er einen Brief verfasst habe, gab aber keinen Kommentar dazu ab.

Unterstützung erhielt Marc Rich auch aus Israel. Ehud Barak legte bei Bill Clinton telefonisch ein gutes Wort für Rich ein. Rich ist seit 1983 israelischer Staatsbürger und fördert seither wohltätige Organisationen in Israel.

Zu den Fürsprechern Richs gehörte auch dessen geschiedene Frau Denise, die mit Clinton befreundet ist und die demokratische Partei mit Wahlkampfspenden unterstützt hatte.

Richs Begnadigung hatte in den USA scharfe Kritik ausgelöst, gehörte er doch in den 80-er Jahren in den USA zu den meistgesuchten Steuerbetrügern: Die Staatsanwaltschaft in Manhatten hatte ihn in 65 Punkten angeklagt. Er habe eine riesige Verschwörung angezettelt, um Ölpreise zu manipulieren, 48 Mio. Dollar Steuern hinterzogen und mit Iran gehandelt, als US-Bürger im Land als Geiseln gehalten wurden. Er flüchtete in die Schweiz, um sich der Strafverfolgung zu entziehen.

Rebecca Vermot und Agenturen

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