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Klimawandel IPCC, die "Bibel" der Schweizer Klimapolitik

Thermometer, Nahaufnahme

Seit der vorindustriellen Zeit ist die durchschnittliche Erdtemperatur um etwa 1°C gestiegen. In der Schweiz betrug der Anstieg rund 2°C.

(Keystone)

Der Weltklimarat (IPCC), der seinen Sitz in Genf hat, ist die massgebliche Stimme zum Thema Klimawissen. Seine Berichte trugen zur schweizerischen Politik der Energiewende bei.

Tausende Forscherinnen und Forscher in aller Welt prüfen tausende wissenschaftliche Studien, um einen Überblick über den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel zu bieten. Das ist kurz zusammengefasst die Arbeit des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderungexterner Link (IPCC). Diese Organisation der Vereinten Nationen (UNO) wurde 1988 von der Weltorganisation für Meteorologie und dem UNO-Umweltprogramm gegründet.

Eigene Forschung betreibe der IPCC nicht, sagt Andreas Fischlinexterner Link, Vizepräsident der Arbeitsgruppe II des IPCC und Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH).

"Seine Rolle ist, die bestehende wissenschaftliche Literatur zu untersuchen. Alle Studien werden geprüft, egal, wer sie finanziert hat. Entscheidend sind die wissenschaftliche Qualität und die Zuverlässigkeit der Forschung."

IPCC

Der IPCCexterner Link hat seinen Sitz bei der Weltorganisation für Meteorologie in Genf. Ihm gehören 195 Länder an.

Der IPCC ist in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich den verschiedenen Aspekten des Klimawandels widmen: Die Arbeitsgruppe I (WGI) ist für die wissenschaftlichen Grundlagen verantwortlich; die WGII bewertet die Auswirkungen auf natürliche und menschliche Systeme und befasst sich mit Anpassungsmöglichkeiten; die WGIII konzentriert sich auf die Verminderung (Reduktion von Treibhausgasen).

2007 erhielten der IPCC und der amerikanische Vizepräsident Al Gore den Friedens-Nobelpreis.

2015 wurde bei der Neuwahl des IPCC-Präsidenten der Südkoreaner Hoesung Lee dem Schweizer Klimatologen Thomas Stocker vorgezogen. Dieser war von 2008 bis 2015 Vizepräsident der WGI.

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Fünf Berichte, um den Klimawandel zu verstehen

Die analytische Überprüfung und die Einschätzungen der ehrenamtlich arbeitenden Expertinnen und Experten finden Eingang in Berichte, die sich besonders an politische Entscheidungsträger richten. Die Schlussfolgerungen werden in einer Plenarsitzung angenommen und bestätigt. An diesem Treffen nehmen auch die Autoren der verschiedenen Kapitel und Regierungsvertreter teil.

Seit seiner Gründung hat der IPCC fünf Berichte mit wissenschaftlichen Einschätzungen (Assessment Reportsexterner Link, AR) und zahlreiche Sonderberichte veröffentlicht. Laut IPCC-Sekretär Abdalah Mokssit sind diese Beiträge die Säulen des aktuellen Wissens über die globale Erwärmung.

Der erste solche Report von 1990 führte zur Schaffung des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungenexterner Link, das den Beginn der Klimaverhandlungen markiert habe, wie Mokssit diesen Sommer in einem Interview sagte. Der zweite AR von 1995 war entscheidend für die Umsetzung des Kyoto-Protokollsexterner Link, während der dritte Bericht von 2001 die Bedeutung von Anpassungsstrategien betonte.

Dank einer immer detaillierteren Forschung konnte der IPCC vor rund zehn Jahren die ersten Zahlen zum Klimawandel liefern. "Der vierte Bericht im Jahr 2007 stellte die Frage nach einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius", sagte Mokssit.

2013 wurde ein weiterer Meilenstein auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel gesetzt: Im fünften Report kam der IPCC zum Schluss, dass die gegenwärtige Klimaveränderung "offensichtlich" und der Mensch für den Temperaturanstieg verantwortlich ist.

Objektivität, Transparenz und einige Kritik

Die Stärke dieser Berichte sei, dass die akademische Freiheit absolut garantiert sei, sagt José Romero, Mitarbeiter beim Bundesamt für Umweltexterner Link (Bafu) und Schweizer Referent beim IPCC.

Der Prozess der Überprüfung durch Experten (peer review), die Möglichkeit, zu den Entwürfen Stellung zu nehmen und ein konsensorientiertes Verfahren würden eine vollständige und objektive Bewertung der derzeit verfügbaren Informationen sicherstellen, sagt Romero. "Interessenskonflikte und Einflussversuche auf die Schlussfolgerungen der Berichte können rasch identifiziert und verworfen werden."

Das Mandat des IPCC sei klar, sagte Mokssit: "Der IPCC sagt den Ländern nicht, was sie tun sollen. Er beschränkt sich darauf, ihnen wissenschaftliche Informationen zu liefern, mit grösstmöglicher Transparenz und Neutralität. Jede Regierung ist frei, über ihre eigene Politik zu entscheiden."

Die Arbeit des IPCC ist allerdings nicht immer tadellos und frei von Kritik: 2010 räumte das UNO-Gremium zum Beispiel ein, dass die Prognosen für das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya im Bericht von 2007 ungenau waren.

"Informations-Bibel"

Die Schweiz sei eines der Länder, welche die Schlussfolgerungen des IPCC in ihre eigene Klimapolitikexterner Link aufgenommen hätten, sagt Romero. "Die Informationen des IPCC sind für die Schweiz sehr wichtig. Wir sind ein Binnenland, das sich nicht auf die regulierende und CO2-absorbierende Wirkung der Ozeane verlassen kann. Ein weltweiter Anstieg der Temperatur um 1,5 Grad Celsius bedeutet für die Schweiz praktisch das Doppelte."

So seien die Projektionen des IPCC dazu benutzt worden, die nationalen Reduktionsziele der Treibhausgas-Emissionen festzulegen. Bis 2030 will die Schweiz ihre Emissionen im Vergleich zu 1990 halbieren.

Laut Romero ist der IPCC für die Eidgenossenschaft eine "Bibel von sozioökonomischen Informationen". Er bezieht sich dabei auf die in den verschiedenen Berichten enthaltenen Hinweise auf Technologien sowie Techniken zur CO2-Reduktion in der Atmosphäre und Marktmechanismen für den Emissionshandel.

Auch die Schweizer Klimaszenarien 2018, die im November präsentiert werden sollen, basieren laut Romero auf jenen Szenarien, die vom IPCC für die ganze Welt ausgearbeitet wurden.

Ein um 1,5 Grad heisserer Planet

Am 8. Oktober 2018 wird der IPCC einen Sonderbericht über die Folgen eines globalen Temperaturanstiegs um 1,5°C (im Vergleich zum vorindustriellen Niveau) veröffentlichen.

Dieser wurde schon lange erwartet, weil das Pariser Klimaabkommen das Ziel verfolgt, die Erwärmung auf "deutlich unter 2 Grad Celsius" zu begrenzen, mit dem Ziel einer maximalen Erhöhung von genau 1,5°C.

Diese Obergrenze wurde bereits 2009 in Kopenhagen auf Antrag bestimmter Inselstaaten vorgeschlagen, die sich Sorgen über den Anstieg des Meeresspiegels machen.

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(Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub)

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