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Kontroverser Atom-Ausstieg

Wegen einer Störung wurde am Montag der Reaktor im Kernkraftwerk Beznau vorsorglich abgeschaltet.

(Keystone Archive)

Die Befürworter der Kernenergie beziffern die Kosten eines Ausstiegs mit 1 Mrd. Franken jährlich. Die Atomkraft-Gegner verweisen auf das Windenergie-Potential.

Die Schweiz soll ihre AKW abstellen und stattdessen Windenergie aus dem Ausland beziehen. Dies sei billiger, sicherer und sauberer, erklärten Vertreter der Schweizerischen Energiestiftung (SES), der Sozialdemokraten und der Grünen am Montag an einer Medienkonferenz in Bern.

Den Atomenergie-Gegnern schweben riesige Windkraftwerkparks an und in der Ost- und Nordsee vor. Um den Ersatzbedarf der Schweiz zu decken, bedürfe es einer Fläche von 500 Quadratkilometern oder einem Promille der Nordseefläche, sagte der sozialdemokratische Nationalrat Rudolf Rechsteiner.

Neue Arbeitsplätze in der Schweiz

Energiegewinnung aus Wind sei im Kommen, so Rechsteiner. Die Gewinnung von Windstrom verursache keine Brennstoffkosten, keine Emissionen, keine Entsorgungs- und Transportprobleme und zeichne sich durch grosse Versorgungssicherheit aus. Mit ihrer Winterspitze seien Windkraftwerke die ideale Ergänzung zur Schweizer Wasserkraft.

Der Ausbau des Windenergie-Kraftwerkparkes in Nordeuropa sei auch eine Chance für die Schweizer Wirtschaft. Schweizer Firmen besässen grosses Know-How. Je nach Auftragslage könnten in den Jahren 2015 bis 2030 1300 bis 2300 neue Arbeitsplätze entstehen, rechnete die grüne Nationalrätin Franziska Teuscher vor.

Jährlich 1 Mrd. Franken Mehrkosten



Anders sehen es die Befürworter der Kernenergie. Ein Ausstieg würde den Schweizer Strommarkt durcheinander bringen und bis 2044 zu volkswirtschaftlichen Mehrkosten von jährlich 1 Mrd. Franken führen. Dies erklärten Fachleute an einer Tagung der Schweizerischen Vereinigung für Atomenergie (SVA) am Montag in Bern.

Eine beschleunigte Stilllegung der fünf Schweizer KKW sei zwar grundsätzlich technisch machbar, und es bestehe auch genügend Zeit für die Umstellung auf nicht-nukleare Quellen, sagte Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie. Es sei aber schwer, die in einer solchen Situation entstehenden, zusätzlichen CO2-Emissionen wieder wegzubringen.

Windstrom-Technologie mit Problemen

Die Idee, Windstrom aus Nordeuropa zu importieren, bezeichnete Steinmann als interessanten Denkansatz. Trotz rasanten Wachstumsraten seien aber wie bei anderen Zukunftstechnologien noch zahlreiche technische und politische Probleme zu lösen, bis dass diese Produktion marktwirksam wird.

Bei einem Anteil von 40 Prozent an der schweizerischen Stromproduktion würde ein Wegfall des Atomstroms den Strommarkt arg erschüttern, sagte Martin Pfisterer von der BKW FMB Energie AG. Ein Ersatz durch ausländische Kernenergie oder fossile Energien brächte, soweit überhaupt politisch akzeptiert und vom Ausland her verfügbar, neue Probleme mit der Versorgungssicherheit mit sich.

Hintergrund der SVA-Tagung und der Medienkonferenz von SES, SP und Grünen bildeten die beiden Kernenergie-Ausstiegsinitiativen "Strom ohne Atom" und "Moratorium plus", über die voraussichtlich nächstes Jahr abgestimmt wird. Der Bundesrat will diesen Initiativen das neue Kernenergiegesetz als indirekten Gegenvorschlag gegenüberstellen.

swissinfo und Agenturen


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