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Kriminalität in Schweizer Teppichetagen

Manager erliegen oft dem Reiz des süssen Geldes.

(Ex-press)

Gut ein Drittel der Schweizer Unternehmen sind von Wirtschaftskriminalität betroffen. In der Hälfte der Fälle sind Mitglieder des oberen Managements in die unlauteren Machenschaften involviert.

Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers. Triebfeder seien häufig Geldgier und der Traum vom luxuriösen Lebensstil.

In der Schweiz waren in den letzten zwei Jahren 37% der Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen.

Die Zahl der Delikte sei im Vergleich zur letzten Studie 2005 nicht zurückgegangen, sagte John Wilkinson vom Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) gegenüber swissinfo. Dies trotz verbesserter Überwachung.

Ein Grund für die Stagnation dürfte laut der Studie "Economic Crime Survey 2007" aber auch sein, dass dank mehr Kontrollen auch mehr Täter erwischt würden. "Es gibt hier ein Paradox bei der Kontrolle von Wirtschaftskriminalität: Je mehr man sucht, desto mehr findet man", sagte Wilkinson.

Veruntreuung und Produkte-Fälschung

Das häufigste Delikt, mit dem Schweizer Firmen konfrontiert sind, ist die Unterschlagung und Veruntreuung von Vermögen (22%). Danach folgen Produktfälschung (15%), Geldwäscherei (8%), Korruption und Bestechung (5%) sowie Bilanzfälschung (4%).

Weltweit waren laut der Studie 43% der Unternehmen von Wirtschaftsdelikten betroffen - gegenüber der letzten Studie ein Rückgang um 2 Prozentpunkte. Für die Studie wurden weltweit 5400 Unternehmen befragt, in der Schweiz waren es 84 Firmen.

Millionenschaden

Der Schaden durch Wirtschaftsdelikte ist beträchtlich: Im Durchschnitt lag er bei westeuropäischen Unternehmen bei rund 2,7 Mio. Franken.

Dazu kommen immaterielle Kosten, die oft höher als der finanzielle Verlust seien, sagte Wirtschaftskriminalitäts-Spezialist Wilkinson: Etwa Reputationsschäden oder sinkende Motivation der Mitarbeitenden.

Manager und Temporäre

Diese Kosten seien umso grösser, je höher der Täter in der Firmenhierarchie stehe, sagte Wilkinson. So waren bei schweren Fällen von Wirtschaftskriminalität der Eigentümer oder einer der Top-Manager die Täter, in weiteren 36% war es eine weitere Führungskraft des Unternehmens.

Vielleicht etwas überraschend sei auch, dass über ein Viertel der Wirtschaftsdelikte von Aushilfen oder temporären Mitarbeitenden begangen werde, sagte PwC-Partner Rolf Schatzmann: "Diese Risikogruppe wird häufig übersehen."

Keine juristischen Konsequenzen

Allzu oft müssen die Täter auch keine juristischen Konsequenzen befürchten, wie die Spezialisten einräumten.

Wegen der Furcht vor negativer Publizität, aber auch wegen befürchteter hoher Kosten werde oft auf eine Anzeige bei den Strafverfolgungs-Behörden verzichtet.

"Sehr häufig geht man auch mit Kadern humaner um als mit gewöhnlichen Mitarbeitenden", meinte Schatzmann. Diese seien eben auch schwieriger zu ersetzen.

Auch seien schon Mehrfachtaten vorgekommen, weil man es bei einer einfachen Verwarnung belassen habe: "Denn die Leute ändern ihre Verhaltensweise nicht."

Informanten

Entdeckt werden die Täter in mehr als der Hälfte der Fälle durch Informanten: Dies können interne (26%) oder externe (30%) Hinweise sein.

Das zeige die Wichtigkeit, sogenannte "Whistleblower"-Systeme einzuführen, wo Informanten ohne Furcht vor beruflichen Nachteilen Beobachtungen melden können, betonte Wilkinson.

"Wir haben in den letzten Jahren in jeder Untersuchung gesehen, dass die beste Art, Wirtschaftskriminalität zu entdecken und damit auch zu verhindern, ein System ist, das den Leuten erlaubt, Fälle zu melden, ohne ihren Job zu gefährden."

Neben internen Kontrollsystemen sei für die Verhinderung von Wirtschaftsdelikten auch die Firmenkultur entscheidend. So seien sich die Täter oft nicht richtig bewusst, welche Verhaltensweisen im Unternehmen nicht akzeptabel seien, meinte Schatzmann.

Zudem fehle immer öfter eine Identifikation mit dem Unternehmen, für das man arbeite.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Täterprofil in den betroffenen Unternehmen in der Schweiz:
Inhaber, CEO, Direktoren: 14%
Erweitertes Management: 36%
Mitarbeitende: 23%
Aushilfen und temporäre Mitarbeitende: 27%

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In Kürze

PricewaterhouseCoopers (PwC) ist als Unternehmens-Berater und Treuhänder in 150 Ländern präsent.

PwC hat die Delikt-Studie zum vierten Mal durchgeführt.

Weltweit wurden 5400 Unternehmen befragt, in der Schweiz 84.

Durchschnittlich wurde ein betroffenes Unternehmen um 2,7 Mio. Franken geschädigt.

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