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Krise und Pannen bei Grossprojekten belasten EADS (2. AF)

Dieser Inhalt wurde am 16. November 2009 - 16:00 publiziert

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz)
AMSTERDAM/MÜNCHEN (awp international) - Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS leidet unter Pannen bei seinen Airbus-Grossprojekten, der schlechten Nachfrage und dem schwachen US-Dollar. Besonders der um Jahre in Verzug geratene Militärtransporter A400M könne noch deutliche Ergebnisbelastungen verursachen, teilte das Unternehmen am Montag in Amsterdam mit. Eine Gewinnprognose für 2009 sei daher schlicht nicht möglich. Im dritten Quartal brach das operative Ergebnis um mehr als drei Viertel ein, unterm Strich fiel ein Verlust an. Analysten hatten dennoch mit Schlimmerem gerechnet. Die Aktie von EADS stand zeitweilig rund 3,5 Prozent im Plus bei 13,61 Euro.
Zwischen Juli und Ende September fiel ein Verlust von 87 Millionen Euro an. Im Vorjahr hatte EADS noch 679 Millionen Euro verdient. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Wertminderungen, Abschreibungen und ausserordentlichen Posten - bei EADS als EBIT bezeichnet - brach von 860 auf 201 Millionen Euro ein. Das Vorjahresergebnis war allerdings auch durch einen Sondereffekt aufpoliert worden. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Das Auftragspolster bleibt zwar komfortabel, wird aber dünner. Ende September lag der Auftragsbestand mit gut 378 Milliarden Euro sechs Prozent niedriger als Ende 2008.
Eine Gewinnprognose für das laufende Jahr blieb EADS vor allem wegen der Dauerbaustelle A400M schuldig. Das Militärtransporter- Projekt ist mittlerweile fast drei Jahre verspätet. Derzeit verhandelt EADS mit der europäischen Rüstungsbehörde Occar und den Käufernationen über eine neue Vertragsgrundlage. Es ist aber noch unklar, welche Belastungen hier auf EADS zukommen. Bislang hat das Unternehmen bereits 2,4 Milliarden Euro für den A400M zur Seite gelegt. "Je nach Entwicklungsfortschritt und Verhandlungsausgang wird das A400M-Programm in den kommenden Perioden möglicherweise noch wesentliche Ergebnisbelastungen nach sich ziehen", warnte der Konzern.
Ausserdem läuft die Produktion des Airbus A380 nicht rund. Der Produktionsplan für den grössten Passagierflieger der Welt werde jetzt überprüft, hiess es. Ein oder zwei Flieger, die Ende dieses Jahres ausgeliefert werden sollten, sollen nun erst Anfang 2010 den Kunden übergeben werden. Damit dürften im kommenden Jahr rund 20 Maschinen ausgeliefert werden, sagte Finanzvorstand Hans Peter Ring bei einer Telefonkonferenz.
Der EADS-Konzern will in diesem Jahr bereinigt um Sonderbelastungen auf ein EBIT von zwei Milliarden Euro kommen nach 2,8 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Umsatz soll etwa stabil bleiben. 2008 hatten die Erlöse bei 43,3 Milliarden Euro gelegen. Bei ihrer wichtigsten Tochter Airbus rechnet die EADS-Führung in diesem Jahr weiterhin mit 300 neuen Flugzeug-Bestellungen. Mit insgesamt 490 Auslieferungen soll Airbus sogar einen neuen Rekord aufstellen.
Auf der Luftfahrtmesse in Dubai konnte Airbus einige Grossaufträge verbuchen und damit seinem Jahresziel beim Auftragseingang näherkommen. So bestellte Ethiopian Airlines zwölf Maschinen des Typs Airbus A350XWB. Damit stehen knapp drei Jahre nach Programmstart 505 Maschinen des Langstreckenflugzeugs in den Auftragsbüchern. Der Jet soll ab 2013 an die Kunden gehen. Die jemenitische Yemenia unterzeichnete am Montag eine Absichtserklärung für den Kauf von zehn Flugzeugen der A320-Familie.
Für 2010 machte der Mutterkonzern EADS noch keine Aussagen. "Wir haben unsere Planungen für das kommende Jahr noch nicht beendet", sagte Ring. Ein grosser Unsicherheitsfaktor bleibe auch der Kurs des US-Dollar. "Das Kursgefälle zwischen Dollar und Euro macht uns in der Tat Kopfschmerzen. Die Frage ist, in welche Richtung sich der Dollar bewegt."
Die anderen Sparten schafften im dritten Quartal überwiegend solide Ergebnisse. So fuhr der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter ein Umsatzplus von 15 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro ein. Das EBIT verbesserte sich um zehn Prozent auf 66 Millionen Euro. Auch die Raumfahrttochter Astrium steigerte das operative Ergebnis um acht Prozent auf 56 Millionen Euro. Der Umsatz blieb mit 1,03 Milliarden Euro nahezu stabil./mf/stw/nl

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