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Krisenresistenter globaler Tourismus

Ägyptens Tourismus brauchte nach dem Massaker 1997 in Luxor ein Jahr, um sich davon zu erholen.

(Keystone)

Naturkatastrophen oder Terrorangriffe hätten das Wachstum im Tourismus nicht eingeschränkt, sagen internationale Tourismusexperten, die sich in der Schweiz trafen.

Rund 70 Experten aus der ganzen Welt haben im Kurort Pontresina über die unberechenbare Nachfrage im Fremdenverkehr diskutiert.

Der Einfluss von politischem Unruhen, Katastrophen und Terrorattacken auf die Tourismusindustrie sei unterschiedlich ausgeprägt, sagte Stephen Witt, Lehrbeauftragter der Polytechnischen Universität von Hongkong.

Am Jahrestreffen der "Internationalen Vereinigung Wissenschaftlicher Fremdenverkehrs-Experten", AIEST, meinte Witt im weiteren: "Unvorhersehbare Ereignisse haben keinen Einfluss auf die Gesamtheit der Ankunfts-Statistiken aller Destinationen. Denn die Touristen wwechseln ihre Reiseziele auf Grund von Preisangeboten und wohl auch von Sicherheit."

Laut Witts Forschungs-Ergebnissen wiesen die Terrorattacken im September 2001 und die SARS-Epidemie 2003 Folgen auf, die einmalig waren, da sie generell zu einer Schrumpfung im globalen Tourismus führten.

Gegenüber swissinfo meinte Witt, dass die Schweiz innerhalb der Feriendestinationen gute Voraussetzungen bezüglich "sicheres Reiseziel" aufweise. Dies gelte besonders im Hinblick auf die kürzlichen Ereignisse in den Londoner Flughäfen und die Attacken auf die Pendlerzüge in Madrid und London in den Jahren 2004 und 2005.

Reisende werden immun

Thomas Bieger, Professor an der Universität St. Gallen, sprach von der Immunität, die Reisende gegenüber solchen Schocks langsam an den Tag legten. Nach dem Attentat in Scharm-el-Scheik in der ersten Hälfte 2006 habe es nur einen geringen Einbruch bei den Buchungen gegeben.

Demgegenüber hatte 1997 das Touristen-Massaker bei Luxor, bei dem auch 36 Schweizer umkamen, den ägyptischen Fremdenverkehr zwölf volle Monate gekostet.

Die jüngsten Statistiken der Welt Tourismus Organisation (WTO) zeigen ausserdem, dass die Reisenden der Industrieländer und vermehrt auch jene der aufkommenden Märkte wie Indien immer weniger bereit sind, ihre Ferien aufzuschieben.

Vielflieger

Letztes Jahr kam mit einer Summe von 800 Millionen weltweiten Ankünften ein neuer Rekord zu Stande. Deutschland zum Beispiel meldet eine Zunahme der Vielflieger um 58% in den letzten 30 Jahren.

Gemäss Ulf Sonntag vom Forschungs-Institut in Kiel stelle sich weniger die Frage, ob die Deutschen reisen, sondern wohin sie reisen und was sie tun, wenn sie dort ankommen.

Sie seien von der grossen Auswahl schon verwöhnt. Die Anzahl von Ferienzielen sei förmlich explodiert, genau so wie deren Erreichbarkeit und das vereinfachte Reisen dorthin, vor allem dank der Airline-Industrie.

Um in dieser neuen Marktsituation weiterhin mitzuhalten, sollte sich die Schweiz als Ferienziel anstrengen und sich als "sichere Destination" bekannt zu machen.

Peter Keller, Chef der Tourismusabteilung des Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), sagte, eine der grossen Herausforderungen für den Schweizer Tourismus bestehe darin, die Sommer-Gäste davon zu überzeugen, länger zu bleiben.

Nischen wie Gesundheits-Kliniken

"Wir müssen Nischen-Märkte kreieren, und dafür mit anderen Wirtschaftsbranchen zusammen arbeiten", so Keller weiter. Keller, der auch AIEST-Präsident ist, sagte gegenüber swissinfo: "Die Schweiz verfügt zum Beispiel über viele Gesundheits-Kliniken mit bestem Ruf."

Die Schweiz könnte auch mehr dafür tun, die Billigflüge der Low-Cost-Airline easyJet aus Grossbritannien oder aus Spanien besser auszunutzen.

"Wenn beispielsweise Schweizer Universitäten Schulungs-Kurse anbieten, könnten auch Leute in London und Barcelona angesprochen werden", so Keller. Auch das wäre ein Weg, neue Besucher anzuziehen.

swissinfo, Dale Bechtel, Pontresina
(Übertragen aus dem Englischen: Alexander Künzle)

In Kürze

Die "Internationale Vereinigung Wissenschaftlicher Fremdenverkehrs-Experten" (Int. Association of Scientific Experts in Tourism, AIEST) wurde nach dem Weltkrieg von den Tourismus-Instituten der Universitäten St. Gallen und Bern gegründet.

Das erste Treffen fand 1951 in Rom statt.

Das Ziel der Vereinigung besteht darin, wissenschaftliche Aktivitäten im Tourismus weltweit auszulösen und zu beschleunigen.

Der AIEST-Kongress in Pontresina Ende August ist der erste in der Schweiz seit 20 Jahren.

Das Thema lautet: Wie lässt sich die Unberechenbarkeit der Nachfrage im Tourismus bewältigen.

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