Kudelski mit erwartetem Halbjahresverlust

André Kudelski: Zuversicht trotz roter Zahlen. swissinfo.ch

Die Westschweizer Technologiegruppe Kudelski schliesst das erste Halbjahr 2002 mit einem Verlust von 18 Mio. Franken ab.

Dieser Inhalt wurde am 12. September 2002 - 16:58 publiziert

Begründet werden die roten Zahlen vor allem mit der fortwährenden Baisse im Bereich Digital-TV-Bereich. Die Jahresziele werden nach unten korrigiert.

Kudelski, das Wunderkind der Schweizer Technologiebranche, hat am Donnerstag einen Halbjahresverlust von 18 Mio. Franken bekannt geben müssen. Ein Bestellungseinbruch, höhere Kosten sowie der schwache Dollar sollen für die Einbusse verantwortlich sein.

Trotz der schlechten Nachrichten erklärte André Kudelski gegenüber swissinfo: "Die Grundlagen der Gesellschaft sind gut, und wir besitzen feste Reserven."

Kudelski will bis Ende Jahr wieder in die Gewinnzone vorstossen. Die drastisch reduzierte Gewinnerwartung soll zwischen 5 und 25 Millionen Franken liegen.

Langjähriger Börsenliebling

Fast zehn Jahre lang konnte die Waadtländer Hightech-Schmiede mit Zutrittssystemen für Digital- und Pay-TV ein horrendes Wachstum verzeichnen. Schnell avancierte sie zum Börsenliebling. Damit ist vorerst Schluss.

Das Unternehmen musste Ende August seine Jahresziele stark reduzieren, nachdem erwartete Bestellungen ausgeblieben waren. Der Halbjahresverlust von 17,9 Mio. Franken steht einem Vorjahresgewinn von 21,8 Mio. Franken gegenüber.

Beim Umsatz konnte sich Kudelski dennoch um 4,5 Prozent auf 165,7 Mio. Franken steigern. Verantwortlich dafür sind die stark gestiegenen Verkäufe in Asien.

Enttäuschender europäischer Markt

Während die Umsatz-Entwicklung für die USA den Erwartungen entsprochen hätte, sei sie für den europäischen Markt enttäuschend verlaufen, meint Kudelski.

Der operative Verlust (Ebit) von 14,2 Mio. Franken sei durch Kosten in Zusammenhang mit dem digitalen TV-Sektor entstanden, schreibt Kudelski. Diese Kosten seien durch Vorleistungen auf den erwarteten Aufschwung im zweiten Semester 2002 entstanden.

Im Digital-TV-Bereich seien insbesondere in Spanien und Grossbritannien tiefere Umsätze erzielt worden. Der Sektor physische Zugangskontrollen habe sich hingegen erwartungsgemäss entwickelt, schreibt das Management.

André Kudelski weist in einem Gespräch mit swissinfo auch auf den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums in Deutschland hin sowie auf das Vivendi-Debakel in Frankreich.

Investitionen in die Zukunft

Kudelski erwartet für dieses Jahr einen Gesamtumsatz im Bereich von 400 bis 500 Millionen und will bis Ende Jahr wieder in die Gewinnzone vorstossen.

Das Unternehmen ist überzeugt, dass die getätigten Investitionen sich in Zukunft dennoch auszahlen werden. Im Hinblick auf die Übernahme von DirecTV durch EchoStar, Kudelskis Hauptkunde in den USA, hatten die Waadtländer Ende Januar 2002 Wandelanleihen in der Höhe von 325 Mio. Dollar gezeichnet.

Kudelski beabsichtigte, damit EchoStar finanziell unter die Arme zu greifen. Die Übernahme würde rund zehn Millionen neue US-Kunden bringen. Kudelski zögert nun, EchoStar eine feste Zusage für die 325 Mio. Dollar zu geben. Insgesamt verfügt das Unternehmen per Ende Juni 2002 über 835 Mio. Franken an liquiden Mittel.

Unternehmenschef André Kudelski erklärte swissinfo: "Man kann nicht mehr Aufträge erhalten als grundsätzlich zu vergeben sind. Unsere Konkurrenten leiden mehr als wir."

Obwohl Analysten mit einem Verlust in der erzielten Höhe rechneten, halten die ungewissen Aussichten die Kudelski-Aktie weiterhin unter Druck. An der Börse folgte ein erneuter Absturz der Kudelski-Titel. Trotz zeitweiliger Kurserholungen verlor die Aktie 9,3 Prozent oder 2,15 Franken und lag bei Handelsschluss auf 21,00 Franken.

swissinfo und Agenturen

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