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Kuhn schiesst den Vogel ab

Ende des Spiels für den Captain Johann Vogel.

(Keystone)

Eklat in der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft: Coach Köbi Kuhn verzichtet ab sofort auf seinen bisherigen Captain Johann Vogel.

Kuhn bot den 94-fachen Internationalen von Betis Sevilla für das Trainingscamp in den USA nicht mehr auf. Dieses beginnt am 20. März und dient als Vorbereitung für die Spiele gegen Jamaika und Kolumbien.

Die Trennung scheint sogar endgültig zu sein. Kuhn begründete die Ausbootung Vogels mit seiner Lagebeurteilung der Zeit nach der WM 2006 bis heute.

Der Nationalcoach ist zum Schluss gekommen, "dass die Chemie nicht nur ausserhalb des Spielfeldes, sondern auch auf dem Platz seit längerem nicht mehr stimmt."

Kuhn: "Ich musste jetzt einen Schnitt machen, denn die Einheit war nicht mehr da. Und nur mit einer starken Einheit können wir gegen grosse Gegner bestehen. Wir haben uns in den letzten Spielen damit selber geschwächt."

Emotional reagiert

Köbi Kuhn informierte Vogel am Mittwochabend telefonisch über seinen Entscheid, den er ganz alleine und ohne Kontakt mit anderen Teamspielern getroffen habe. Vogel habe sehr emotional reagiert.

Aufgrund dieser Reaktion sieht Kuhn kaum noch eine Möglichkeit, dass der Betis-Söldner nochmals in die Nationalmannschaft zurückkehren wird.

Der Nationalcoach wirft seinem Captain vor, dass er auf dem Spielfeld zu wenig Einfluss genommen habe. Nicht nur im spielerischen Bereich, sondern auch bei der Verständigung untereinander und bei der Stärkung des Teamgeistes.

Notwendiges Zeichen

"Ein solches Zeichen war für mich jetzt dringend notwendig", sagte Kuhn an einer Pressekonferenz in Bern. "Ich habe die Aufgabe, ein möglichst kompetitives Team an die EM zu führen."

Kuhn begründet seine Entscheidung weiter: "Leider war der Teamgeist in den letzten Spielen gegen Österreich, Brasilien und Deutschland unser grosses Manko. Und dabei müsste eben gerade der Teamgeist unsere grosse Stärke sein. Zwistigkeiten unter den Spielern kann ich nur eine kurze Weile akzeptieren."

"Ich akzeptiere die Begründung von Kuhn nicht", sagte Vogel am Donnerstag im LeMatin.

Kuhn schloss nicht aus, dass aufgrund der Ausbootung Vogels noch weitere Spieler von sich aus das Team verlassen könnten.

"Es ist jedem selber überlassen, wie er darauf reagiert. Ich würde natürlich bedauern, wenn beispielsweise Patrick Müller, der ein enger Kollege von Johann Vogel ist, einen solchen Schritt tun würde."

"Ich erwarte aber von jedem Spieler, dass er sich bei mir meldet, wenn er sich nicht mehr hundertprozentig ins Team einbringen kann", sagte Kuhn.

Nicht das erste Mal

Der Entscheid von Kuhn rund 15 Monate vor dem Beginn der EM-Endrunde in der Schweiz und Österreich erinnert an frühere Vorfälle.

Unmittelbar nach seiner Amtsübernahme hatte Kuhn die drei Stammspieler Stéphane Henchoz, Stéphane Chapuisat und Ciriaco Sforza auf die Ersatzbank gesetzt. Henchoz und Chapuisat kehrten bald wieder zurück, auf Sforza hatte der Coach danach verzichtet.

Noch einschneidender war der Entscheid von Nationalcoach Arthur Jorge unmittelbar vor der EM-Endrunde 1996 in England, als der Portugiese Spielmacher Alain Sutter und Topskorer Adrian Knup aus dem Aufgebot kippte.

Vogel vernahm am Tag vor seinem 30. Geburtstag vom Rauswurf. Vor zwölf Jahren, am 8. März 1995, hatte der Genfer sein erstes von 94 Länderspielen bestritten.

swissinfo und Agenturen

Johann Vogel

Johann Vogel wurde am 8. März 1977 in Genf geboren.

Heute spielt er im spanischen Club Bétis Sevilla.

1992-99 hat er bei Grasshoppers Zürich gespielt, 1999-2005 bei PSV Eindhoven (Niederlande) und 2005-06 bei AC Milan (Italien).

Sein erstes Länderspiel für die Schweiz hat er am 8. März 1995 gegen Griechenland bestritten.

Vogel trug 94 Mal das weiss-rote Trikot; seit August 2004 war er Captain der Nationalmannschaft.

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DAS PROGRAMM

Am 20. März beginnt das Nationalteam in Florida sein Trainingscamp. Dort wird die Schweiz gegen Jamaika und Kolumbien spielen.

Die nächsten wichtigen Begegnungen in Hinblick auf die Euro 2008 sind die Spiele gegen Argentinien (2. Juni in Basel) und Niederlande (22. August in Genf).

Ausserdem trifft die Schweiz im September an einem Vierländer-Turnier in Österreich auf Chile (7.9.) und Japan (11.9).

Am 13. Oktober trifft die Schweizer in Zürich gegen Österreich, Ko-Organisator der Euro 2008.

Für zwei Partien von Mitte Oktober und Mitte November stehen die Gegner der Schweiz noch nicht fest.

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