Kultur aus dem Zedernstaat

Libanon ist reich an kulturellen Schätzen: Ruinen in Byblos. swissinfo.ch

Ab Mittwoch (20.06.) findet in Basel das Festival "Musik der Welt" statt. Ehrengast ist Beirut. Auf dem Image der libanesischen Hauptstadt lastet noch immer der Schatten des fünfzehnjährigen Bürgerkrieges. Zu Unrecht. In der levantinischen Metropole blüht das Kulturleben. Allerdings leidet die Arbeit der Kulturschaffenden unter der ökonomischen Krise.

Dieser Inhalt wurde am 19. Juni 2001 - 17:12 publiziert

Fairuz, die Botschafterin der Sterne, ist die Königin des arabischen Liedes und Kultursymbol des Libanon. Sie erschuf - gemeinsam mit den Brüdern Rahbani - das libanesische Lied, das keine Berührungsängste kennt und Einflüsse aus der byzantinischen Liturgie, aus der arabischen und islamischen Musik, aber auch aus dem Westen einbindet und zu eigenständigen Kompositionen vereint. "Fairuz ist eine der populärsten Sängerinnen im Libanon, aber auch in der restlichen arabischen Welt", sagt Mahmoud Turkmani, selbst Musiker aus Libanon und Gast am Basler Festival.

Die Musikszene in Beirut ist vielfältig und aufregend. Doch viele Musikerinnen und Musiker leiden unter mangelnder Unterstützung. Eine Folge der grossen ökonomischen Krise, in welcher das Land steckt. Libanon gehört zu den höchstverschuldeten Ländern der Welt und kämpft mit den Auswirkungen der Rezession. Aber auch die Zensur ist Thema vieler Gespräche. Obwohl im Libanon ein grosses Mass an Freiheit und Toleranz herrscht - im Vergleich mit den anderen arabischen Ländern - sollten religiöse, sexuelle oder politische Tabus nicht verletzt werden.

Suche der Literaten

Was in der Musikszene zu bemerken ist, ist auch in literarischen Kreisen zu beobachten. "Die Literaturszene steckt in einer Krise", beschreibt Rana Idriss, Leiterin des Verlages "Dar Al-Adab", die momentane Lage. "Aus finanziellen Gründen müssen viele Schriftsteller ihre Tätigkeit als Autor aufgeben und eine andere Arbeit annehmen."

Idriss ist daran interessiert, Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftsteller ins Arabische zu übersetzen. Der Verlag kann dies jedoch ohne fremde Hilfe nicht tun. "Wir müssen die Autorenrechte kostenlos erhalten", meint die Verlegerin. "Auch eine finanzielle Beteiligung an der Übersetzung wäre willkommen." Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia zeigt sich interessiert. "Wir bemühen uns sehr um den arabischen Raum", bestätigt Erica Benz-Steffen, verantwortlich für den Bereich Literatur bei der Pro Helvetia. "Insofern wäre diese Zusammenarbeit eine gute Idee."

Vielfälige Kultur: Segen und Fluch

Der Libanon ist wohl eines der kulturell vielfältigsten Länder des Mittleren Ostens. Dort, so heisst es immer wieder, spiegelt sich die ganze Komplexität der arabischen Welt wider. Mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Konfessionen sind registriert. Die Regierung setzt sich jeweils aus einem Maroniten, Sunniten und einem Schiiten zusammen. Die Menschen orientieren sich ebenso sehr nach dem Westen wie sie vom arabischen Raum geprägt sind. Es wird nebst Arabisch Französisch und Englisch gesprochen.

Auch geographisch prägt Vielfalt das Land. Herrscht an der Küste und im Hügelland Mittelmeerklima, dominiert, nur rund zwei Autostunden entfernt, kontinentales Klima die fruchtbare Beqaa-Ebene. Die kulturelle Vielfalt ist Libanons Reichtum und macht seine Einzigartigkeit aus. Andererseits muss aber auch stets nach einem Weg gesucht werden, wie diese Multikulturalität gelebt werden kann, ohne Minderheiten zu diskriminieren.

Carole Gürtler, Beirut

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