"Französisch, Nationalsprache und Türöffner für die Welt"

Das Schweizer Berufsbildungs-System ist eine Inspirationsquelle für die französischsprachige Welt. Keystone

Die gesamte Schweiz habe ein Interesse am internationalen Netzwerk der frankophonen Welt, sagt Didier Berberat, Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der Frankophonie. Eine Idee, die langsam auch in der deutschsprachigen Schweiz Fuss fasst.

Wenn es um die Frankophonie in der Welt geht, tut sich namentlich die "Internationale Organisation der Frankophonie" (OIF) hervor. Doch auch die Parlamentarierinnen und Parlamentarier der Mitgliedsländer haben das Recht, sich auszudrücken. In diesem Rahmen tagt die Parlamentarische Versammlung der Frankophonie (APF) gegenwärtig in Bern.

Didier Berberat Keystone

Die Schweiz wird durch eine Delegation von zehn Personen vertreten, darunter der sozialdemokratische Ständerat Didier Berberat. In diesem Rahmen präsidiert der Schweizer Vertreter das parlamentarische Netzwerk für den Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria, wie auch die Bildungskommission der APF.

swissinfo.ch: Die Deutschschweiz hat lange Zeit wenig Interesse an der frankophonen Welt gezeigt. Hat sich die Mentalität verändert? Kann dieses Treffen in Bern das Interesse der deutschsprachigen Schweiz verstärken?

Didier Berberat: Die Frankophonie betrifft natürlich die französischsprachigen Romands viel mehr als ihre deutschsprachigen Landsleute, ist doch auch die Schweizer Delegation zusammengestellt aus lauter Parlamentariern aus der Romandie.

Bern, Hauptstadt der Frankophonie

In der Schweizer Hauptstadt im zweisprachigen Kanton Bern treffen sich diese Woche etwa 400 Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus allen Ländern der frankophonen Welt (etwa 80 Länder und Regionen sind Mitglieder, Beobachter oder Beisitzer).

Sie diskutieren und verabschieden Resolutionen zu Handen der "Internationalen Organisation der Frankophonie" (OIF) und deren Mitgliedsländer.

Die Parlamentarische Versammlung der Frankophonie (APF) spielt innerhalb der OIF eine beratende Rolle.

Auf Vorschlag der Schweizer Delegation ist das Thema der 41. Sitzung der APF "Bildung für alle: eine prioritäre Herausforderung für die frankophone Welt".

Zwei Stossrichtungen wurden festgelegt: Berufsbildung und Online-Bildung. In diesen beiden Bereichen interessieren sich die anderen frankophonen Staaten stark für das schweizerische Wissen.

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Es erwacht aber langsam ein Bewusstsein dafür. Dies begann, als man darum kämpfen musste, einen Kredit für den Frankophonie-Gipfel in Montreux im Jahr 2012 zu erhalten.

Unsere Delegation ist nicht nur da, um die Romandie zu vertreten, sondern um die Interessen der gesamten Schweiz zu verteidigen. Teil der OIF und der APF zu sein, erlaubt es uns, mehr Solidarität zu erhalten und Netzwerke aufzubauen. Eine Möglichkeit, welche die Schweiz allein nicht hat.

Das Treffen mit den Ländern der OIF, die mehr als ein Drittel der UNO-Mitgliedstaaten repräsentieren, erlaubt uns, Verbündete für Genf im Wettbewerb mit anderen Städten und Ländern zu gewinnen, wenn es um die Ansiedlung internationaler Organisationen geht.

swissinfo.ch: Verstehen Deutschschweizer Parlamentarier diese Dimension?

D.B.: Wir mussten ihnen das ganz genau erklären, als es um den Kredit für den Gipfel in Montreux ging. Wir haben gemeinsam mit Alain Berset (heute Bundesrat, die Red.), damals Parlamentarier und Präsident der Schweizer Delegation bei der APF, dafür kämpfen müssen. Diese Realität wird ihnen langsam bewusst, auch wenn sich die Deutschschweizer in einer anderen sprachlichen und kulturellen Konstellation befinden.

swissinfo.ch: Einige Deutschschweizer Kantone möchten Englisch in der Schule dem Frühfranzösisch vorziehen. Begreift die Deutschschweiz die Bedeutung des Französischen als Weltsprache zu wenig?

D.B.: Dass Französisch eine Weltsprache ist, zeigt in der Tat das Interesse, das die Deutschschweiz daran hat, diese Sprache zu erlernen. Eine Versammlung wie diese erlaubt uns, unseren Deutschschweizer Freunden zu zeigen, dass Französisch nicht nur die Sprache der Romands oder von Nutzen während der Ferien an der Côte-d’Azur. Man kann auch auf Französisch Geschäfte machen oder an einer Universität studieren. Es ist eine Nationalsprache und ein Türöffner für die Welt.

swissinfo.ch: Können Sie sich vorstellen, dass ein Deutschschweizer Parlamentarier Teil der Schweizer Delegation werden könnte?

Bildung der Jugend dringliches Thema

Der oberste Schweizer Diplomat, Bundesrat und Aussenminister Didier Burkhalter, rief am 9. Juli vor der Parlamentarischen Versammlung der Frankophonie in Bern die OIF dazu auf, sich mehr für die Jugend einzusetzen. "In Zeiten, in denen der gewalttätige Extremismus zunimmt, in denen ganze Länder von Krisen aller Art und mutige Länder wie Tunesien vom Terrorismus heimgesucht werden, ist es zentral, dass sich die internationale Gemeinschaft entschlossen für die heutige und die zukünftige Jugend einsetzt", erklärte er.

Eine Sorge, die auch OIF-Generalsekretärin Michaëlle Jean teilt. In ihrer Rede betonte sie: "Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatten wir derart viele Jugendliche. In der französischsprachigen Welt leben 245 Millionen. 12 Millionen von ihnen drängen jedes Jahr in den Arbeitsmarkt, ohne aber Fuss fassen zu können. Eine Katastrophe!"

Die Berufsbildung müsse im Zentrum der Schweizer Kooperation stehen, betonte Burkhalter. "Nächstes Jahr werden wir die Prioritäten unserer internationalen Hilfe überprüfen, wobei wir die Tätigkeiten der Schweiz im Bereich Bildung stark intensivieren wollen."

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D.B.: Wir sind offen und überlegen uns diese Möglichkeit, zumal wir nach den Eidgenössischen Wahlen vom 18. Oktober die Delegation neu zusammenstellen müssen.

Es ist durchaus möglich, dass eine Partei einen Deutschschweizer oder eine Deutschschweizerin vorschlägt, sofern diese Person über Französischkenntnisse verfügt, denn die Debatten sind natürlich nur auf Französisch. Unter den Deutschschweizer Parlamentariern gibt es Leute, die sehr gut Französisch sprechen. Ob mit Akzent oder nicht, ist egal.

Innerhalb der französischsprachigen Welt sind die Vertreter oft zweisprachig, wie der aktuelle Präsident der APF, Paul McIntyre, der als Kanadier sowohl der französisch- wie auch der englischsprachigen Kultur angehört.

Die Aufnahme von Deutschsprachigen in die APF-Delegation würde auch erlauben, diese Versammlung und die Internationale Organisation der Frankophonie in der Deutschschweiz besser bekannt zu machen.

swissinfo.ch: Michaëlle Jean, die neue Generalsekretärin der OIF, will ihren Akzent vermehrt auf die Wirtschaft setzen. Gibt es dafür bereits erste Anzeichen?

D.B.: Für dem Moment nicht, denn sie hat ihr Mandat eben erst angetreten. Doch Michaëlle Jean hat den festen Willen, dieses Ziel umzusetzen, wie sie mir letzte Woche bei einem Treffen in Paris versichert hat. Wir werden dieses Thema im Rahmen der Bildungskommission, die ich auch präsidiere, zur Sprache bringen. Dies mit der Absicht, zu erfahren, welche Art von Bildung einem jungen Menschen erlaubt, die besten Jobmöglichkeiten zu erhalten.

Wir werden uns für das Schweizer System der dualen Berufsbildung (Berufslehre in einem Betrieb und Schulung in einer Berufsschule, die Red.) stark machen, auch wenn wir wissen, dass dieses nicht unverändert auf andere Länder übertragbar ist.

Es braucht Rahmenbedingungen, über die gewisse Länder nicht verfügen, namentlich in Afrika. Die Schweizer Berufslehre ist eine Erfolgsgeschichte. Doch sie ist die Frucht von 120 Jahren abtastender Versuche, Weiterentwicklungen und sozialen Dialogs.

Michaëlle Jean interessiert sich sehr für dieses Bildungssystem. Vor diesem Hintergrund hat sie den festen Willen, eine wirtschaftliche Frankophonie zu fördern. Die Generalsekretärin will eine Tour durch die Mitgliedsländer machen, um sich Unterstützung für Berufsbildungs-Programme in gewissen Ländern zu sichern.

Französisch in der Welt

Man schätzt, dass weltweit etwa 274 Millionen Menschen Französisch sprechen, davon 212 Millionen täglich.

Französisch ist die am fünfthäufigsten gesprochene Sprache auf dem Planeten, und mit dem Englischen die einzige, die auf allen fünf Kontinenten gesprochen wird.

Die meisten französischsprachigen Menschen leben in Afrika (55%).

In den 80 Staaten und Regionen der OIF leben eine Milliarde Menschen, also etwa 16% der Weltbevölkerung.

Französisch ist die Zweitsprache der internationalen Organisationen.

Französisch ist die am zweitmeisten in Europa und am dritthäufigsten weltweit benutzte Geschäftssprache. Auf den französischsprachigen Raum entfallen 20% des Handels.

Die grösste weltweite Fernsehstation auf Französisch ist "TV5MONDE". Sie gehört zu den drei weltweit grössten TV-Netzen und wird in etwa 220 Millionen Haushalte in fast 200 Ländern und Territorien ausgestrahlt.

(Quelle: OIF)

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