Schweizer Künstler stellen weiterhin (virtuell) in Paris aus

Marwan Bassiouni

Der Waadtländer Künstler Marwan Bassiouni präsentiert in Paris herrliche Landschaftsaufnahmen, fotografiert durch die Fenster von Moscheen. Vincent Levrat und Ursula Biemann stellen ebenfalls in der französischen Hauptstadt aus. Es lohnt sich nicht, nach Paris zu reisen, denn alle Museen sind geschlossen, aber alles (oder fast alles) lässt sich auf dem Internet sehen.

Mathieu van Berchem, Paris
Marwan Bassiouni

Was sieht man aus seinem Fenster, ohne sich vorzubeugen, ja sogar aus ein oder zwei Meter Abstand rückwärts, um sowohl die Landschaft draussen als auch drinnen zu sehen? Auf diese sehr aktuelle, sehr begrenzte Frage versucht der Waadtländer Fotograf Marwan Bassiouni in einer sehr schönen Ausstellung im Centquatre in Paris Antworten zu finden.

Die Kultureinrichtung ist wie alle Pariser Museen wegen der Corona-Krise geschlossen, aber man kann sich die Ausstellung auf der Website des Festivals der jungen europäischen Fotografie Circulations anschauen.

Der 35-jährige Bassiouni wurde in Rolle geboren und lebt seit sechs Jahren in den Niederlanden. Die Fenster, durch die er fotografiert, sind keine gewöhnlichen. Es handelt sich um Moscheefenster in den Niederlanden. Die Innenausstattung umfasst orientalische Fliesen, traditionelle Teppiche und manchmal betende Moscheebesucher, "aber auch die kleinen Heizkörper, die so typisch holländisch sind", sagt Bassiouni.

In diesem sich ständig verändernden Rahmen wird auf fast magische Weise eine städtische oder ländliche Landschaft des flachen Landes eingefügt: ein Parkplatz, ein Kanal, ein Weidenbaum, eine Kirche... "Was mich interessiert, ist die Art und Weise, wie sich jedes westliche Land den Islam und seine Architektur aneignet", bemerkt der Fotograf. "Ein Foto zeigt ein Pentagramm-Fenster mit seinem typisch niederländischen Minimalismus."

Lehre in Genf

Der Waadtländer Künstler Marwan Bassiouni. Marwan Bassiouni

Marwan Bassiouni hat viele der 400 Moscheen und Gebetsstuben in den Niederlanden besucht und nur einige wenige Bilder für seine Ausstellungen ausgewählt. "Meine Entscheidungen sind eher künstlerisch als urbanistisch oder soziologisch", sagt der Autor, dessen Drucke im Grossformat (165,5x125cm) ausgestellt sind.

Bassiouni erlernte den Umgang mit Licht während seiner Lehre in der Uhrmacherfotografie in Genf. Anschliessend perfektionierte er sein Handwerk an der Kunstschule in Den Haag. Nach seinem Zivildienst träumte der junge Mann von einer Zeit als Fotojournalist, in Ägypten, im Land seines Vaters oder anderswo.

Der grosse Schweizer Fotograf Robert Frank, der im vergangenen September verstorben ist, inspiriert ihn weiterhin. "Von seinen Sujets geht eine grosse Poesie aus, eine metaphysische Schicht durchdringt die Oberfläche."

Seine "New Dutch Views", die auch in Buchform erhältlich sind, sind erst der Anfang eines europäischen Abenteuers. In den Niederlanden stiess Bassiounis Arbeit auf positives Echo, er gewann viele Preise. Deshalb will er seine Kamera auch in anderen europäischen Moscheen aufstellen, angefangen mit Frankreich und seinen 2000 muslimischen Gebetshäusern. Und die Schweiz? "In der Schweiz gibt es zu wenige Moscheen, um dieses künstlerische Werk zu realisieren."

Vincent Levrats freie Grundstücke

Um das zehnjährige Jubiläum des Festivals der jungen europäischen Fotografie Circulations zu feiern, haben die Organisatoren 42 Fotografen aus 16 verschiedenen Nationen eingeladen. Und sie wählten für ihr in ganz Paris ausgestelltes Plakat ein von Vincent Levrat aus Freiburg signiertes Werk, ein Feuer in einer Einöde. Das war "eine schöne Überraschung", räumt Levrat ein, obwohl das Festival wegen der Pandemie nach drei Tagen schliessen musste.

Selbst ein Experte für leere Grundstücke hätte es schwer, die Arbeit des 27-jährigen Vincent Levrat zu lokalisieren. Colorado? Palästina, Usbekistan? "Die Einöde ist ein Raum ohne genaue geografische Identität, der die Phantasie anregt, und genau das interessiert mich", bemerkt der Fotograf, der an der Ecole cantonale d'art de Lausanne (ECAL) studiert hat.

In diesem Raum der Freiheit wollte Levrat die Spontaneität der Kinder und Jugendlichen wiederentdecken. Mit den dort gefundenen Materialien wie Reifen, Bretter, Nägel, Dosen usw. zu bauen, ist eine echte Herausforderung. "Niemand räumt Brachland auf, auch nicht in der Schweiz", sagt der Künstler, der ein Buch über sein Werk veröffentlicht hat.

Ein Werk von Vincent Levrat, ausgestellt an der Jungkunst in Winterthur. Vincent Levrat

Levrat hofft, die Erfahrung in Sizilien zu wiederholen, an der Stelle von Gibellina, der nach dem Erdbeben von 1968 wiederaufgebauten Stadt. Und seine Werke vor Ort zu präsentieren... in einer Einöde, natürlich.

Ein akustisches Meer im Schweizer Kulturzentrum

Das Centre culturel suisse de Paris präsentiert seinerseits auf seiner Website eine Auswahl von Videos von Künstlerinnen und Künstlern, die im Hotel Poussepin ausstellen. Insbesondere Acoustic Ocean der Zürcher Künstlerin Ursula Biemann. In den Unterwassertiefen des Arktischen Ozeans sieht man nichts. Um diese unerforschten Gebiete vor der Küste Nordnorwegens zu erfassen, erfand Biemann Methoden der akustischen Aufzeichnung der tiefen Gewässer und ihrer geheimnisvollen Bewohner.

Kein einfacher Soundtrack, sondern ein Film in Form einer künstlerischen Kreation, in der wir die lappländische Sängerin und Aktivistin Sofia Jannok sehen, die am Strand und im Meer Hydrophone und andere parabolische Sensoren installiert, die in die Unterwasserwelt übergehen. Es ist schön und ungewöhnlich, auch wenn das verlinkte Interview etwas kurz ist.

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