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Landvermessung Schweizer Pioniere im Bau ziviler Drohnen



Mit dreidimensionaler Kartographierung aus der Luft kann gemessen werden, wie stark eine Mine bereits abgebaut ist.

Mit dreidimensionaler Kartographierung aus der Luft kann gemessen werden, wie stark eine Mine bereits abgebaut ist.

In der Schweiz entwickelte zivile Drohnen, welche die Erde dreidimensional vermessen, sind auf der ganzen Welt erfolgreich. Doch Fragen rund um die Sicherheit und um die Privatsphäre könnten den Boom bremsen.

"Eintreten ohne zu klopfen", steht auf allen Türen am Sitz des Waadtländer Startups SenseFly, dem grössten Produzenten von zivilen Drohnen in der Schweiz. In einer entspannten Atmosphäre arbeiten hier rund 40 junge Ingenieure und entwerfen die ferngesteuerten Fluggeräte.

Rund 60 Drohnen, die je zwischen 10'000 und 20'000 Schweizer Franken kosten, werden jeden Monat hier zusammengebaut, getestet und in 45 Länder verschickt. "Dank der eingebauten, hochauflösenden Kamera können unsere Drohnen zum Beispiel messen, wie viel Eisenerz aus einer Mine abgebaut wurden oder welche Schäden ein Krankheitserreger auf einem Feld angerichtet hat", sagt der Gründer und Chef von SenseFly, Jean-Christophe Zufferey.

Zeitgewinn

Im waadtländischen Eclépens setzt der Schweizer Zementkonzern Holcim neuerdings eine Drohne ein, um den Behörden die aus einen Steinbruch ausgehobene Menge Kies zu übermitteln. "Dazu benötigen wir einen halben Tag, das ist wenig im Vergleich mit der traditionellen Methode mit einem Geometer, die vier bis fünf Tage in Anspruch nimmt", sagt Sonja Betschart, Marketingverantwortliche bei Pix4D, einem Startup, der die Software für die Analyse der von den Drohnen aufgenommenen 3D-Bilder entwickelt und herstellt.

Christophe Zufferey und Sonja Betschart sind überzeugt, dass die Drohnen gegenüber Flugzeugen oder Helikoptern viele Vorteile haben. Sie sind billiger, umweltfreundlicher, ein Absturz hat weit weniger gravierende Folgen und sie sind einfacher zu fliegen.

(swissinfo.ch)

Breite Einsatzmöglichkeiten

"Unsere grosse Herausforderung besteht darin, die potentiellen Märkte von den Vorteilen zu überzeugen", sagt Betschart, "Die Kartographie beispielsweise ist eher traditionell orientiert und ist sich nicht an grosse Veränderungen gewohnt. Geometer nehmen unsere Technologie zuweilen als Konkurrenz wahr." Doch das wirtschaftliche Potential sei enorm, so Betschart.

Drohnen haben das Potential, die zivile Flugindustrie in Zukunft umzukrempeln. Polizeiliche Überwachung, Katastrophenhilfe, Übertragung von Sportanlässen: Die möglichen Einsatzgebiete haben praktisch keine Grenzen.

Schlechter Ruf

In den USA tritt im September 2015 eine Gesetzesänderung in Kraft. Sie wird den Einsatz von Drohnen im kommerziellen Bereich erlauben. Experten gehen davon aus, dass dadurch in den kommenden zehn Jahren ein Umsatz von 90 Milliarden Dollar generiert wird und 100'000 qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.

Doch Drohnen stehen auch in der Kritik. Auch wenn die von SenseFly produzierten Fluggeräte keine militärischen Zwecke erfüllen, ist das Risiko einer Verwechslung mit militärischen Drohnen vorhanden.

"Drohnen haben einen schlechten Ruf", räumt Christophe Zufferey ein. "Die Diskussion über deren Einsatz ist wichtig, vor allem, wenn es um polizeiliche Überwachung oder Paparazzi-Einsätze geht. Aber man darf nicht alles miteinander vermischen. Unsere Drohnen sind lediglich für die Kartographie geeignet. Sie erlauben keine Gesichts- oder Autonummernerkennung."

SenseFly

Die Firma wurde 2009 als spin-off der ETH Lausanne gegründet. 2012 hat die französische Parrot-Gruppe die Firma teilweise übernommen.

SenseFly ist auf den Markt der Luft-Kartographie spezialisiert.

Die Drohnen werden von Hand gestartet. Sie können mit einem einzigen Flug eine Fläche von mehreren Quadratkilometern abdecken und werden von einem Computer programmiert.

Die Drohnen haben eine Spannweite von weniger als einem Meter und wiegen zwischen 500 und 700 Gramm.

Die wichtigsten Märkte der Firma sind Kanada, Australien und Südamerika. Ungefähr 10% der Drohnen werden in der Schweiz verkauft.

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Schweiz liberal

Laut Zufferey bremsen die Fragen rund um die Sicherheit, die Privatsphäre und der Aufteilung des Luftraumes die Entwicklung des Marktes für Drohnen. "Die Frage der Gesetzgebung ist nicht einfach. Die vorgeschriebenen Flughöhen variieren von Land zu Land. Die Gesetzgeber arbeiten seit zehn Jahren an Regulierungen, aber sie tun das nicht immer koordiniert."

In der Schweiz ist die Gesetzgebung eher lasch. So braucht es für Drohnen mit einem Gewicht von weniger als 30 Kilogramm keine Flugbewilligung, weil sie mit Modellflugzeugen gleichgestellt sind.

Pionierleistungen

Im Bereich Drohnen und fliegende Roboter ist die Schweiz gut positioniert. Die ETH Lausanne zählt seit dem Jahr 2000 zu den weltweiten Pionieren in diesem Bereich. So hat die Hochschule einen intelligenten Flugroboter mit dem Namen AirBurr entwickelt. Dieser ist in der Lage, auch nach dem Zusammenstoss mit einer Mauer oder einem andern Hindernis weiter zu fliegen. Damit kann der Roboter auch in schwierigem Gelände oder auf Industrieanlagen eingesetzt werden.

Die Technologie ist vorhanden, die möglichen Einsatzgebiete sind vielfältig. Experten vergleichen den aktuellen Markt der Flugindustrie mit dem Computermarkt vor der Einführung des Internets.


(Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch


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