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Landwirtschaft: Tiefere Preise - aber nicht für die Konsumenten

Ein Drittel weniger Chemie als vor zehn Jahren wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Keystone

Der Agrarbericht 2000 zeigt, dass die Schweizer Bauern umweltfreundlicher und günstiger produzieren. Innerhalb von zehn Jahren sanken die Produzentenpreise um einen Fünftel. Die Konsumierenden merken davon nichts: Im Laden stiegen die Preise um 4 Prozent.

Dieser Inhalt wurde am 21. November 2000 - 17:06 publiziert

Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BWL), stellte am Dienstag (21.11.) in Bern den Agrarbericht 2000 vor. Er gibt Aufschluss über den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Er zeigt ebenfalls, wie die Bundesgelder eingesetzt wurden - im letzten Jahr waren das immerhin 4 Mrd. Franken. Diese wurden zum grössten Teil für Direktzahlungen eingesetzt (rund 2,3 Mrd.).

Nachhaltigkeit erreicht

Die ökologischen Anreizsstrategien hätten sich bewährt, sagte Bötsch. Die Landwirtschaft sei nachhaltiger geworden. Der Anteil der Fläche, die umweltschonend - integriert oder biologisch - bewirtschaftet wird, stieg von 18 Prozent 1990 auf 95 Prozent. Neben der umweltschonenden Nutzung habe die Boden-Belastung mit Stickstoff, Phosphor, Methan und Chemie deutlich abgenommen.

Billiger produziert...

Die Produzentenpreise lagen 1999 im Durchschnitt 23 Prozent tiefer als vor zehn Jahren. So wurde das Kilogramm Milch um 27 Rappen billiger und kostet noch 80 Rappen, Brotgetreide verbilligte sich um 30 Franken auf 74 Franken pro 100 Kilogramm. Der Abstand zu EU-Preisen wurde damit verringert. Die Bauern hätten einen wesentlichen Beitrag geleistet, um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte BLW-Direktor Bötsch.

...teurer verkauft.

Wenn auch die Bauern günstiger produzierten, die Konsumenten merkten davon nichts: Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im selben Zeitraum um 4 Prozent. Bötsch vermutet, dass die Preissenkungen in Verarbeitung, Gross- und Detailhandel stecken blieben.


Knapp 5 Prozent Bauern

Die tieferen Preise beschleunigten den Strukturwandel. In den 90er Jahren gaben jährlich 2,5 Prozent der Betriebe auf. Das sind zwölf Höfe pro Tag. Heute sind noch 4,7 Prozent der Bevölkerung in 73'000 landwirtschaftlichen Betrieben mit einer Durchschnittsgrösse von 14,6 Hektaren tätig. Das Einkommen in der Landwirtschaft konnte - laut Bötsch wegen Direktzahlungen und Kostenminderung - stabil gehalten werden. Die in der Landwirtschaft Arbeitenden verdienen durchschnittlich 53'800 Franken.

Kleinbauern erfreut

Die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) schrieb in einer Mitteilung, dass der Reformbeginn zwar ohne Fehlstart begann, das Lob auf die Nachhaltigkeit allerdings verfrüht sein. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) betonte vor allem, dass die Einkommen von Bauernfamilien auf tiefem Niveau verharrten. Zudem sei es unverständlich, dass das BWL im Sommer bereits weitere Liberalisierungsschritte vorschlug.

swissinfo und Agenturen

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