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Landwirtschaft kann vor Überschwemmungen schützen

Schleuse zum ersten Polder des Poldersystems "Chrouchtalbach", das zum Schutz vor Hochwasser errichtet wurde.

(Keystone)

Schon mit relativ einfachen Massnahmen in der Landwirtschaft und der Umwelt kann das Risiko von Überschwemmungen eingeschränkt werden.

Ein Jahr nach den grossen Unwettern in verschiedenen Teilen der Schweiz demonstrierte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im bernischen Krauchthal ein entsprechendes Projekt.

Erst vor einem Jahr, im Sommer 2005, wurden einige Gebiete der Schweiz von massiven Unwettern und Überschwemmungen heimgesucht. Besonders betroffen waren die Kantone Luzern und Bern. Die Schadensumme belief sich auf 2,5 Mrd. Franken.

Nun zeigte das Bundesamt für Landwirtschaft an einem konkreten Pilot-Projekt, wie mit einfachen Mitteln Hochwasserschutz betrieben werden kann.

Der "Chrouchthalbach" bei Krauchthal im Kanton Bern bot sich dafür an, weil sowieso eine Gesamtmelioration (Landmanagement durch Güterzusammenlegung) geplant war. Dabei wurden auch gleich einige Hochwasserschutz-Massnahmen umgesetzt.

Vier durch so genannte Polderdämme abgegrenzte Landparzellen dienen bei Hochwasser als Rückhaltebecken für rund 200'000 Kubikmeter Wasser. Damit können die bachabwärts liegenden Gemeinden vor Hochwasserschäden in Millionenhöhe bewahrt werden, wie Projektverfasser Willi Jordi erklärte.

Das Land zwischen den sanft ansteigenden, rund zwei Meter hohen Polderdämmen wird von Bauern der Region bewirtschaftet, teilweise sogar intensiv. Allfällige Schäden an den Kulturen, die durch das Überfluten entstehen, werden ersetzt.

Die Becken werden unterschiedlich oft überflutet, das unterste am häufigsten. Hier liegt der Schnitt bei rund ein bis zwei Flutungen pro Jahr. Die oberen Becken werden deutlich seltener benötigt.

Grössere Flächen

Die Bauern ihrerseits profitierten von der Gesamtmelioration, weil sie ihre kleinräumigen Parzellen zu grösseren und einfacher zu bewirtschaftenden Flächen vereinigen konnten.

Der "Chrouchthalbach", der die Landwirtschaftsflächen zuvor durchschnitten hatte, wurde an den Waldrand verlegt und renaturiert. Entstanden ist zudem ein viel benutzter Spazierweg am Bachufer.

Kostengünstiges Projekt

Das Polder-Projekt, das sich kaum wahrnehmbar in die Landschaft einfügt, kostete rund zwei Mio. Franken, ein ursprünglich geplantes Verbauungsprojekt war wesentlich höher veranschlagt.

Die 1997 gebaute Polder-Anlage hat laut Jordi in der Schweiz Pilotcharakter. Die Idee sei bereits andernorts aufgenommen worden, so etwa beim Bau der Neubaustrecke der Bahn 2000 bei Bützberg, ebenfalls im Kanton Bern.

Landwirtschaft als Partnerin

Da bei Unwetter-Ereignissen meist auch Kulturland betroffen sei, biete sich die Landwirtschaft als Partner für die frühzeitige Problemlösung beim Hochwasserschutz an, betonte BLW-Vizedirektor Christoph Böbner. Mit einer naturnahen Gestaltung könnten Umweltanliegen gebührend berücksichtigt werden.

Das Instrument der Gesamtmelioration habe sich in dieser Hinsicht als sehr flexibel und individuell anwendbar erwiesen, konstatierte BLW-Abteilungsleiter Jörg Amsler.

Kampf gegen Kleinparzellen

Güterzusammenlegungen werden seit Beginn des letzten Jahrhunderts durchgeführt. Mit ihnen sollen die einengenden Kleinstrukturen der Landwirtschaft aufgebrochen und einfacher zu bewirtschaftende Flächen geschaffen werden.

Als Folge der früher üblichen Erbteilungen wurde das Land oft stark zerstückelt. Häufig entstanden dadurch lange, wenig breite Landstücke, so genannte "Hosenträgerparzellen". Landwirte besassen oft Dutzende solcher, meist weit auseinanderliegender Parzellen, was die Bewirtschaftung erschwerte.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Das Hochwasser vom 21. bis 24. August 2005 richtete einen Schaden von rund 2,5 Mrd. Fr.an.
Es war das zweitgrösste Schadenereignis in der Geschichte der kantonalen Gebäudeversicherungen.
Die mehr als 15'000 Schäden kosteten die Versicherungen über 660 Mio. Fr.
Nur noch die Hagel-, Schnee- und Sturmschäden (Lothar) von 1999 verursachten höhere Kosten.

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In Kürze

Eine Hauptstrategie der Schweizer Behörden zur Verhinderung von Naturkatastrophen ist die Erstellung so genannter Gefahrenkarten. Diese sollen bis 2011 fertiggestellt werden.

Bis heute kartografiert sind rund 66% der Schweizer Oberfläche betreffend Lawinengefahren, 30% der von Hochwassern betroffenen Gebiete, 29% der Zonen mit Steinschlaggefahr und 23% der erdrutschgefährdeten Gebiete.

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