Latsis-Preis 2000 geht an Professor Laurent Keller

Professor Laurent Keller. Schweizerischer Nationalfond

Der Nationale Latsis-Preis 2000 geht an Professor Laurent Keller vom Institut für Ökologie der Universität Lausanne. Er erhält die mit 100'000 Franken dotierte Auszeichnung für seine Entdeckungen bei Ameisen auf dem Gebiet der Evolutionsökologie.

Dieser Inhalt wurde am 08. November 2000 - 14:09 publiziert

Laurent Keller ist sowohl in der Fachwelt als auch in der breiten Öffentlichkeit durch seine teilweise überraschenden Forschungs-Ergebnisse bekannt geworden, die er aus der modellhaften Beobachtung von Ameisen erzielte. Seine verschiedenen Arbeiten zeichnen ein revidiertes Bild von der Organisation solcher Ameisenkolonien. Diese wurden bislang als harmonisch und effizient charakterisiert.

Nun aber konnte der Forscher nachweisen, dass innerhalb der Kolonien Konflikte auftreten. Er zeigte, dass die Arbeiterinnen, obwohl sie physisch nicht fortpflanzungsfähig sind, Einfluss auf die Sex-Ratio der Kolonie nehmen, und zwar zum Nachteil der Interessen der Königin. Keller hat zudem nachgewiesen, dass ein solcher Sozialverbund die natürliche Selektion von Regenerierungs- Mechanismen des Organismus begünstigt und auf diese Weise den Alterungsprozess sozial organisierter Insekten herauszögert, insbesondere der Königin, die bis zu 50-mal länger als die Arbeiterinnen lebt.

Sogar Roboter erweisen sich, wenn sie "auf Ameise" programmiert werden, im Kollektiv effizienter als allein. Dies ist ein weiteres Ergebnis von Laurent Kellers Arbeiten, das er gemeinsam mit einem Forschungsteam der ETH Lausanne erzielte, und das kürzlich als Titelstory in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Nature" (Vol. 406) behandelt wurde.

Über den Preisträger

Laurent Keller wurde 1961 im Aargau geboren. Zum Studium ging er nach Lausanne, wo er 1989 in Biologie promovierte. 1994 wurde er Privatdozent an der dortigen Universität. Nach einem Forschungsaufenthalt von 1985 bis 1986 im französischen Toulouse arbeitete er zwischen 1986 und 1993 am Zoologischen Museum in Lausanne. Während dieser Zeit war er von 1990 bis 1992 mit einem Stipendium für fortgeschrittene Forscher des Schweizerischen Nationalfonds als Postdoktorand in Harvard (USA). 1993 wurde er START-Stipendiat (Swiss Talents für Academic Research and Teaching) an den Universitäten Lausanne und Bern. Seit diesem Jahr ist er ordentlicher Professor für Evolutionsökologie.

Der Latsis-Preis

Der Latsis-Preis belohnt Wissenschaftler, die noch keine 40 Jahre alt sind und in der Schweiz bemerkenswerte wissenschaftliche Leistungen erbracht haben. Ausgewählt wird der Preisträger vom Schweizerischen Nationalfonds.

Gaby Ochsenbein

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