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LIBYEN/Nato will Sieg über Gaddafi - Rebellen wollen Tripolis

BRÜSSEL/TRIPOLIS (awp international) - Die Nato will den Luftkrieg in Libyen bis zum Sturz des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi fortsetzen. Die Mitgliedstaaten sind aber nicht willens, ihre militärischen Anstrengungen deutlich über das bisherige Mass auszuweiten. Ein Appell von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen an alle 28 Nato- Regierungen, zusätzliche militärische Kräfte für den Libyen-Einsatz bereitzustellen, verhallte beim Treffen der Verteidigungsminister am Mittwoch in Brüssel ohne erkennbare Reaktion.
Die libyschen Rebellen sehen die inzwischen massiven Nato-Luftangriffe auf Tripolis als Vorbereitung für ihren Einmarsch in die Hauptstadt. Gaddafi aber gibt sich unbeeindruckt. "Ich bleibe in Tripolis, tot oder lebendig", liess er in einer Audiobotschaft über das Staatsfernsehen verbreiten. "Wir haben keine Angst, und wir sind stärker als eure Raketen und eure Artillerie."
Ein Sprecher der Aufständischen, Guma al-Gamaty, erklärte via Twitter: "Die Zerstörung der Mauern und Tore von Bab al-Asisija bedeutet, dass sich Gaddafi eine blutige Nase geholt hat. Den K.-O.-Schlag werden ihm schon sehr bald die Libyer selbst versetzen." Im Stützpunkt Bab al-Asisija, der bereits mehrfach Ziel der Nato-Angriffe war, befindet sich das Anwesen Gaddafis.
In den Medien der Aufständischen hiess es unterdessen, in der Stadt Jafren südwestlich von Tripolis hätten ihre Kämpfer zahlreiche Waffen der Gaddafi-Truppen erbeutet, die sie für die Schlacht um die Hauptstadt nutzen wollten. Sie rechneten in vier Stadtvierteln von Tripolis mit Unterstützung durch Anhänger der Revolution. Bislang konnten sich die Rebellen nach eigenen Angaben der Hauptstadt auf bis zu 80 Kilometer nähern.
"Die Brigaden von Gaddafi befinden sich im Auflösungsprozess", sagte Rebellen-Militärsprecher Ahmed al-Bani der Nachrichtenagentur dpa. Es habe in den vergangenen Tagen auch schon Fälle gegeben, wo Angehörige dieser Brigaden den Aufständischen heimlich geholfen hätten. Diese Soldaten wagten aber nicht, zu desertieren. Al-Bani lobte gleichzeitig die "Präzision" der Nato-Luftangriffe in Tripolis.
"Alle Minister stimmten überein, dass wir den Druck so lange wie nötig aufrechterhalten werden, um diese Krise zu einem Ende zu bringen", sagte Rasmussen nach dem Treffen in Brüssel. Die Nato- Staaten hätten auch "ihre fortgesetzte Unterstützung für unseren Einsatz und die Bereitstellung der nötigen Fähigkeiten" versprochen. Deutschland werde sich auch weiterhin an dem Militäreinsatz nicht beteiligen, sagte der Staatssekretär im deutschen Verteidigungsministerium, Christian Schmidt.
"Die anderen Staaten haben nichts dazu gesagt", berichtete die spanische Verteidigungsministerin Carme Chacón auf die Frage, wie Rasmussens Wunsch nach einer "Verbreiterung" der Nato-Beteiligung aufgenommen worden sei. Von den 28 Nato-Staaten sind nur 14 an dem Libyen-Einsatz beteiligt. Von diesen wiederum nehmen nur neun an Kampfeinsätzen teil. Am Luftkrieg gegen Gaddafi beteiligen sich auch Schweden und Katar.
Vor allem Frankreich, Grossbritannien und Italien, die bisher die Hauptlast des Einsatzes trugen, hatten um Entlastung gebeten. Schmidt: "Ich habe grosses Verständnis, dass in diesen Ländern schon aufgrund der Länge der Operation eine gewisse Anspannung besteht und die Hoffnung, dass die Operation sehr bald zu Ende ist." Rasmussen sagte: "Je breiter die Unterstützung, desto stärker ist die Nachhaltigkeit." Die Nato verfüge jedoch schon über "die notwendigen Fähigkeiten für die Fortsetzung des Einsatzes".
Rasmussen wies Vorwürfe der Gaddafi-Regierung, die Nato-Angriffe führten zum Tod von Zivilisten, ebenso zurück wie eine Klage der Gaddafi-Tochter Aisha. "Wir haben überhaupt keine Informationen darüber, dass diese angeblichen Zwischenfälle von der Nato verursacht wurden. Und wir haben schon eine Menge Propaganda des Gaddafi-Regimes gesehen."
Die Nato-Verteidigungsminister bekräftigten, das Bündnis sehe nach einem Ende des Gaddafi-Regimes vor allem die Vereinten Nationen und regionale Organisationen in der Pflicht, beim Wiederaufbau zu helfen. "Gaddafi ist Geschichte", sagte Rasmussen. "Die Frage ist nicht, ob er geht, sondern wann er geht. Es kann Wochen dauern oder morgen passieren. Aber wenn er geht, dann sollte die internationale Gemeinschaft vorbereitet sein."/abc/eb/DP/tw

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